Online-MegazineInterview

GOD DETHRONED

Knüppeln, bis der Nacken glüht

Mit „Into The Lungs Of Hell“ haben GOD DETHRONED einen echten Meilenstein abgeliefert. Ein beeindruckender Fluss musikalischer Aggression, gespickt mit herzzerreißenden Harmonien, vorgetragen auf dem Level von Gorefest zu deren Glanzzeiten. Hat es die ewig beschworene zweite Reihe Hollands endlich geschafft, aus dem Schatten der schier übermächtigen Vorreiter herauszutreten? Für Mastermind Henri Sattler kann es nur eine Antwort geben.

Henri, jeder Komponist hat ein ganz bestimmtes Gefühl, wenn er das Studio verlässt. Ohne zu viel nachzudenken: Was sagt dein Bauch zu „Into The Lungs Of Hell“?

»Es ist ein rundes Album geworden. Die richtige Balance aus Geschwindigkeit, Melodie und Heaviness. Und dass viel Material dabei ist, das die Leute live zum Durchdrehen bringen wird.«

Ihr wollt den Leuten also den Schädel wegpusten und ihre Nacken zum Glühen bringen?

»Exakt. Blastbeats sind cool, aber live wissen die meisten dabei nie, was sie dazu machen sollen. Jetzt haben wir jede Menge Groove in den Songs. Wir lieben es, wenn die Leute bangen und sich riesige Moshpits bilden.«

Mit anderen Worten: Bei eurem Vorgänger „Ravenous“ habt ihr ein wenig überrissen, vielleicht zu viele Knüppelsongs verwendet. Ist euch das live auf die Füße gefallen?

»Nein, das nicht, aber man merkt schließlich, wobei die Leute wirklich richtig abgehen. Obwohl ich nichts Schlechtes über „Ravenous“ sagen will, denn schließlich stand von Beginn an fest, dass es ein superschnelles Album werden sollte.«

Viele eurer Jünger wird der fast schon als soft zu bezeichnende Opener des neues Albums sicherlich verwirrt haben. Da ihr ihn nicht nur als ersten Song verwendet, sondern auch gleichzeitig zum Titeltrack gekürt habt, muss er euch ganz besonders ans Herz gewachsen sein, oder?

»So ein Song muss an den Beginn einer Scheibe. Es passiert nicht oft, dass einem so ein gelungenes Riff einfällt. Da läuft es mir selbst heute immer wieder kalt den Rücken runter. Natürlich weiß ich, dass wohl die meisten einen schnellen, brutalen Opener erwarten. Aber wir machen nie, was man von uns erwartet. Wir sind anders als alle Death-Metal-Bands, die man zu kennen glaubt.«

Mag sein, dennoch verbindet euch mit denen zumindest das latente Problem, einen festen Drummer zu finden.

»Das ist zum Glück vom Tisch. Wir haben jetzt Arien an den Kesseln sitzen. Er macht seine Sache fantastisch.«

Einige Hardliner werden dennoch unken, dass der gute alte Tony von Nile wenigstens richtig knüppeln konnte. Wird jeder Drummer stets im Schatten eures bekannten Session-Musikers stehen?

»Arien kann ebenso schnell knüppeln wie Tony, was bei einigen Stücken unschwer herauszuhören ist. Es bestand einfach von Anfang an das Ziel, dieses Mal andere Aspekte als nur Geschwindigkeit im Fokus zu haben. Wir sind sehr glücklich, dass wir endlich ein festes Line-up gefunden haben.«

Ihr habt das erste Mal außerhalb Hollands eine Scheibe aufgenommen. Was gab den Ausschlag, das Berno-Studio in Malmö zu buchen?

»Jeder Musiker spürt, wenn die Zeit gekommen ist, Dinge zu verändern. Mit der herkömmlichen Arbeitsweise hätte man vielleicht ein Album machen können, dass einen Tick besser geklungen hätte als „Ravenous“ - aber ich wollte mehr. Eines Tages hörte ich mir die letzte Vomitory-Scheibe an, und von da an stand fest, dass wir unbedingt ins Berno wollten.«

Was waren die Erkenntnisse aus dem ersten gemeinsamen Familienausflug ins Studio?

»Dass Malmö ein ziemlich langweiliges Kaff ist und dass wir viel zu schnell fertig waren.«

Wie bitte?

»Wir hatten drei Wochen gebucht, waren aber bereits nach zehn Tagen komplett fertig. Wir haben einfach sehr konzentriert gearbeitet, und Berno hat einen fantastischen Job gemacht.«

Ihr solltet besser mit unfertigen Songs ins Studio gehen, dann dauert es länger...

»Das würden wir nie machen. Wir gehen immer erst ins Studio, wenn alle Stücke zu 100 Prozent stehen. Anders können wir nicht arbeiten. Besonders hart war es für unseren Drummer. Der hat ganze sechs Stunden gebraucht, um das Album einzuspielen, musste aber notgedrungen dann noch die ganze Zeit in Schweden bleiben.«

Zeitnot gab es also nicht. Wie hast du dich die ganze Zeit bei Laune gehalten?

»Ich habe eigentlich die meiste Zeit an den Texten gefeilt. Da gibt es immer was zu tun.«

Glaubst du, dass sie dennoch missverständlich sind? Immerhin wird es im Booklet zu jedem Text noch einige Anmerkungen von dir geben. Hältst du das für nötig?

»Ja, ich halte das für absolut nötig. Ich möchte schon, dass die Leute wissen, wie ich bestimmte Dinge gemeint habe. In ´Slaughtering The Faithful´ geht es um die Verbrechen, die wir Tieren antun, indem wir sie züchten, einsperren und schlachten. Es ist mir wirklich sehr ernst, und ich würde verrückt werden, wenn einige Spinner den Text missverstehen und mir nachsagen würden, einen Text über Konzentrationslager geschrieben zu haben. Ich möchte, dass sich die Leute über GOD DETHRONED unterhalten, weil sie die Musik interessiert - und nicht, weil die Texte missverständlich sind.«

Zum Nachdenken regen sie trotzdem an. Denn du greifst Themen auf, die eigentlich nicht Genre-typisch sind. Hast du keine Angst, ins Kreuzfeuer jener Leute zu geraten, die Metal-Bands mit sozialkritischem Hintergrund ausnahmslos verdammen?

»Da gebe ich einen Scheiß drauf. Ich schreibe über Dinge, die mich bewegen, die mich ankotzen. In ´Enemy Of The State´ sage ich deutlich, dass wir alle überwacht werden. Man zahlt mit Kreditkarten, alles ist gespeichert, jeder wird durchleuchtet und überwacht. Die Horrorvision von „Big Brother“, einem Buch von 1984, ist längst bittere Wahrheit. (Ähm, Orwells „1984“ entstand 1948. Falls das gemeint sein sollte... - Red.) Ich habe das damals als Kind gelesen. Es war wie eine Utopie, die niemals vorstellbar gewesen ist.«

Um so bitterer ist es, der hässlichen Fratze der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Du machst dir viele Gedanken über das Leben und die Welt. Kommst du dir nicht manchmal wie ein moderner Don Quichotte vor, der sich im Kampf gegen Windmühlen befindet?

»Das ist die Tragik all jener Leute, die sich nicht mit Antworten zufrieden geben. Auch wenn ich weiß, dass sich durch mich oder GOD DETHRONED nichts daran ändern wird, so werde ich dennoch meine Stimme erheben. Tief drinnen bin ich ein ganz normaler Metaller, der gern in die Kneipe geht, sich zuschüttet, kotzt und am nächsten Morgen mit einem Brummschädel aufwacht. Ich werde mich durch die Scheiße, die in der Welt passiert, nicht kaputtmachen lassen. Es ist wichtig, eine gewisse Balance aus der inneren Wut und diesem Scheißegal-Gefühl zu haben.«

Und wo packst du dann zum Beispiel den Mord an Pim Fortuyn hin? Ist es dir als Holländer scheißegal, oder bist du wütend?

»Das ist eine schlimme Sache. Ich habe ihn nicht gewählt, wenn du mich das fragen willst. Aber ich hätte es interessant gefunden zu sehen, wie sich die Sache in den nächsten Jahren hier entwickelt hätte. Nun ist er tot; dennoch hat sich eine Menge hier in Holland getan. Ich glaube, es hat die ganze Nation wachgerüttelt.«

Fragt sich nur, wie lange.

 

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