Online-MegazineInterview

FAST EDDIE CLARKE

Die beste Zeit meines Lebens!

Motörhead haben keine einzige schlechte Platte in ihrer Diskographie. Doch wird es für immer und ewig die Besetzung Lemmy (b., v.), Fast Eddie Clarke (g.) und Philthy Animal Taylor (dr.) bleiben, deren Legende jedes andere Line-up selbst über 20 Jahre nach ihrem Auseinanderbrechen noch überstrahlt.

Wir holten Fast Eddie für ein exklusives Rock Hard-Interview aus der Frührente.

Von 1976 bis '82 verzapfte das Kilmister/Clarke/Taylor-Trio mit "Overkill" (1979), "Ace Of Spades" (1980) und "No Sleep 'Til Hammersmith" (1981) gleich drei der wichtigsten Metal-Platten aller Zeiten. Und auch "Bomber" (1979) und "Iron Fist" (1982) gehören in jede vernünftige Sammlung. Eddie lebt heute recht gut von den Tantiemen jener Klassiker, nachdem einige Vertragsstreitigkeiten behoben werden konnten, die ihn, Lemmy und Phil jahrelang finanziell auf dem Trockenen sitzen ließen (u.a. verklagte man deshalb das eigene Management). Clarke hat zwei Wohnsitze, einen in der Nähe von London und einen im Westen der britischen Insel, wo er seiner Angelleidenschaft frönt. Obwohl er sich nach dem Auseinanderbrechen seiner Post-Motörhead-Band Fastway rar gemacht hat, ist er bei den Fans nach wie vor unvergessen und immer noch DER Motörhead-Gitarrist.

»Das liegt wie ein schlechtes Omen über mir«, lacht der 52-jährige Engländer. »Aber es war eine tolle Zeit. Die Platten, die ich mit Motörhead gemacht habe, waren wirklich etwas Besonderes. Damals wussten wir das nicht mal. Die Kritiker mochten uns nicht gerade. Wir haben einfach ein Album nach dem anderen aufgenommen. Wenn ich jetzt 20 Jahre später eine der Scheiben auflege, bin ich echt begeistert.«

So sehr, dass du vielleicht wieder Lust bekommst, die Gitarre in die Hand zu nehmen und noch mal richtig loszulegen? Dein letztes anständiges Lebenszeichen war das Solo-Album "It Ain't Over 'Till It's Over", das trotz des vielsagenden Titels auch schon wieder zehn Jahre auf dem Buckel hat.

»Ich vertreibe mir irgendwie meine Zeit. Man soll sich schließlich nicht stressen lassen, nicht wahr (lacht)? Ich habe ein paar Sachen ausprobiert, aber es kam bislang nichts bei raus. Irgendwie fehlen mir der letzte Kick und die passenden Musiker. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass es für meinen Stil da draußen noch ein Publikum gibt. Immerhin nehme ich zuhause ab und zu Songs auf und werde auch dran bleiben. Ich habe mir jetzt sogar einen verdammt großen Computer gekauft. Ich war mein ganzes Leben lang ein Tape-Man. Allen, die mir was von Pro-Tools erzählten, sagte ich immer "Fuck off! Ich arbeite nur mit Tapes!" (lacht). Aber jetzt habe ich endlich die Kurve gekriegt und gemerkt, wie leicht es ist, einen Computer zu verwenden. Lemmy meinte zu mir, ich solle mich nicht so anstellen. Es würde eh alles auf CD enden. Also könnte ich auch von Anfang an mit einem Computer arbeiten. Und das stimmt nun mal.«

 

Wolltest du nicht mal eine "Best of Eddie Clarke"-Scheibe zusammenstellen, auf der all die Songs von deinen Bands und Solo-Aufnahmen zu hören sind, die dir am Besten gefallen?

»Das habe ich probiert. Aber es gibt rechtliche Probleme. Und ich bin nicht gerade der Spezialist im Klären von vertraglichen Schwierigkeiten. Ehrlich gesagt bin ich zurzeit auch verdammt faul (lacht).«

 

Das kann aber nicht immer so gewesen sein. Sonst hättest du wohl nie den Spitznamen Fast Eddie bekommen.

»Stimmt (lacht). Das war Lemmys Idee. Ich weiß gar nicht mehr genau, wann das war. Wir spielten in Manchester im "Electric Circus". Das war ein altes Haus, mitten im Nichts. Echt klasse. Die Gigs dort waren immer großartig. Wir stehen also auf der Bühne, und Lemmy stellt die Band vor. Als ich an der Reihe bin, sagt er plötzlich, ich würde Fast Eddie heißen. Er wollte einfach irgendwas vor meinen Namen packen, wie bei Philthy Animal Taylor. Und es blieb. Es passte halt. Wir waren damals eine wirklich schnelle Band. Auch was die Gitarrenarbeit angeht. Nicht im Steve-Vai-Stil, sondern auf die gute alte Art. Es war einfach körperlich schnell. Es ist schwer zu beschreiben. Wir waren technisch nicht besonders fit, machten das aber durch pures Adrenalin wieder wett. Typen wie Steve Vai stehen einfach nur rum und rattern mit 1000 Meilen pro Stunde ihre Sachen runter. Ich hingegen habe mit 500 Meilen pro Stunde gespielt, dafür aber geschwitzt wie ein Schwein und körperlich wirklich alles gegeben. Ich habe mich nie für technische Finessen interessiert. Ich bin durch und durch old school. Mein Held ist Jimi Hendrix.«

 

Auch wenn du eher traditionelle Wurzeln hast, gelten Motörhead nach wie vor als die ultimative Initialzündung für Speed-, Thrash- und andere Arten von Extrem-Metal.

 

»Wir sahen uns aber lieber als Heavy-Rock-Band. Allerdings als eine ziemlich durchgeknallte. Die Art, wie wir spielten, klang eher nach Death Metal. Wir haben viel Krach gemacht (lacht). Das lag vor allem an Lemmy Bassspiel. Phil Taylor und ich mussten immer zusehen, uns irgendwie anzupassen. Wir klangen dann wie eine Gewehrkugel, die dir direkt durchs Ohr ins Hirn rast.«

 

Songs wie 'Overkill' waren vor einem Vierteljahrhundert in Sachen Durchschlagskraft absolut revolutionär.

»Aber wir klangen nicht die ganze Zeit wie ein Maschinengewehr, wie es die Thrash-Bands später taten. Wir hatten verschiedene Elemente. Wir waren nicht zu kategorisieren. Wir waren einfach Motörhead. Wir haben es selbst nicht mal geschafft, uns in eine Schublade zu packen. Lemmy bezeichnete uns als Gute-Laune-Samstag-Abend-Band. Er wollte weg von dem Metal-Image. Ich musste ihm da widersprechen und sagte immer, dass wir verdammt noch mal Metal wären, wir seien sogar die Kings Of Metal (lacht). Auf jeden Fall hat es nie jemand geschafft, uns zu kopieren, nicht mal das aktuelle Motörhead-Line-up. Wenn ich es live sehe, fehlt mir etwas. Technisch sind sie gut, die Songs sind ebenfalls in Ordnung, aber das Puzzle ist einfach nicht vollständig.«

 

Scheinbar hat nur die klassische Kilmister/Clarke/Taylor-Besetzung diese Magie. Vor deinem Einstieg bei Motörhead 1976 war davon ja auch nichts zu spüren.

»Damals war Larry Wallis der Haupt-Gitarrist (Larry hatte mit Motörhead 1976 das lahme, erst Jahre später veröffentlichte "On Parole"-Album eingespielt, auf dem zudem Phil Taylor als Nachfolger von Lucas Fox seinen Einstand als Drummer gab. Die meisten der Songs wurden für das reguläre, selbstbetitelte Debüt 1977 mit Fast Eddie neu aufgenommen. Da Eddie jedoch kaum an den Kompositionen beteiligt war, sieht er das 1979er-Glanzstück "Overkill" als das eigentliche Debüt des Kilmister/Clarke/Taylor-Line-ups - d. Verf.). Ich bewarb mich lediglich als Rhythmus-Gitarrist. Aber dann bekamen sich Lem und Larry tierisch in die Haare, und Larry war aus der Band. Irgendwann klingelte es morgens um zehn an meiner Wohnungstür, was ich ziemlich frech fand, denn das ist ja wirklich verdammt früh. Ich mache auf, und da steht Lemmy mit einer Lederjacke in der einen und einem Patronengurt in der anderen Hand. Er gibt mir das Zeug und sagt "Hey, du bist in der Band". Das war's.«

 

Ich habe diese Story schon mal gehört, dachte aber, sie wäre frei erfunden. Sie klingt einfach zu cool.

»Nein, sie stimmt aufs Wort. Die Lederjacke war leider etwas zu eng. Lemmy hatte sie wohl kurz vorher auf dem Flohmarkt gekauft. Wahrscheinlich hatte er die ganze Nacht durchgemacht und war direkt von einer Kneipe dorthin marschiert. Lemmy wollte, dass ich etwas härter wirke. Ich war damals ein ziemlich bekiffter Hippie und kein Heavy-Rocker. Den Gurt habe ich sogar noch. Ich trug ihn bei der Reunion. Und ich musste ihn nur um nur drei Patronen erweitern! Das ist doch fantastisch. Ich habe kaum zugenommen, obwohl ich kein Speed mehr nehme. Damals sah ich aus wie ein Stock. Sie nannten mich Sticko (lacht).«

 

Trotz der Dominanz von Lemmys Bassspiel und Gesang warst du bei Motörhead immer eine der tragenden Säulen. Neben deiner Gitarrenarbeit hast du bei einigen Songs auch die Lead-Vocals übernommen.

»Im Nachhinein ist es schade, dass ich das nur selten gemacht habe (am überzeugendsten auf dem Girlschool-Cover 'Emergency', von der "St. Valentine's Day Massacre"-EP - d. Verf.). Wenn es mal zu einer Reunion kommt, würde ich gern mehr singen, auch von den alten Sachen. Ich könnte Lemmy etwas entlasten. Aber damals mochte ich meine Stimme nicht. Es fehlte mir das nötige Selbstvertrauen.«

 

Du hast jetzt zweimal das Wort Reunion verwendet. Zunächst dachte ich, du meinst die Show zum 25. Bandjubiläum 2000 in der Londoner Brixton Academy, wo du als Special Guest auf die Bühne kamst. Aber du scheinst noch was anderes im Schilde zu führen.

»Der Gig war 'ne gute Sache. Ich hätte gern mehr mit Lemmy gemacht. Aber er hat ja jetzt die anderen Leute in der Band.«

 

Und wenn die plötzlich nicht mehr da wären?

»Es gab mal Gespräche. Aber wir machten nur diese Show zum 25. Jubiläum. Alles andere hätte sich daraus ergeben. Phil Taylor hat sich jedoch leider nicht blicken lassen. Und Lemmy war eh nicht sonderlich scharf drauf. Er wünscht sich immer noch, dass das aktuelle Line-up so erfolgreich wird, wie die Besetzung mit Phil und mir. Ich glaube, dass ihn die Situation ein bisschen ankotzt.«

 

Reden wir jetzt aber lieber darüber, was dich vor über 20 Jahren so sehr angekotzt hat, dass du Motörhead verlassen hast.

»Hast du genug Zeit (lacht)? Ich kenne die ganze Geschichte erst seit zwei Jahren. Vorher wusste ich echt nicht, was los war. Jetzt ist mir klar, dass Lemmy ein großes Problem mit mir hatte. Es ging um eine Frau. Unser Management organisierte der Band eine gemeinsame Bude. Wir kamen jedoch nicht miteinander klar. Wir hockten schließlich schon auf Tour die ganze Zeit zusammen. Lemmy mochte sein Zimmer nicht, ich produzierte gerade das Tank-Debüt, und das mochte Lemmy auch nicht besonders. Dann hatte ich noch eine Affäre mit einem Mädel, das drei Jahre zuvor mit Lemmy ausgegangen war. Ich hatte Lem Bescheid gesagt. Er ist ja eh ein bisschen komisch und reagierte etwas seltsam, meinte allerdings, dass er nichts dagegen hätte. Hatte er aber doch. Lem mochte mich plötzlich nicht mehr. Dazu kam, dass Phil ein Drogenproblem hatte. Seine Freundin stand auf die richtig harten Substanzen. Und Phil hat da, soweit ich mich erinnere, auch manchmal zugegriffen. Als wir "Iron Fist" aufnahmen, war Phil jedenfalls nicht wirklich einsatzfähig. Lemmy und ich hatten die Hauptarbeit, und die Plattenfirma verlangte ganz flott eine neue Platte. Ich habe es zunächst gar nicht bemerkt, aber man wollte mich aus der Band ekeln. Sowohl Lemmy als auch das Management. Es gab damals Geldprobleme. Z.B. war unsere Roadcrew nicht bezahlt worden. Wir gingen zu einem Anwalt, um die Finanzen überprüfen zu lassen. Das Management hatte das Gefühl, dass ich die treibende Kraft hinter der Aktion war, da Lemmy mich bei diesen Sachen immer in den Vordergrund schob und hatte daraufhin ebenfalls ein Problem mit mir. Wir hätten außerdem auch kreativ eine Auszeit gebraucht, da wir ziemlich durch waren. Wir hatten Schwierigkeiten, genügend neue Songs zusammen zu bekommen. Wir probten mit Vic Maile, dem Produzenten von "Ace Of Spades" und "No Sleep 'Til Hammersmith". Phil hatte ein neues Schlagzeug und mochte den Sound bei der Session nicht. Er steigerte sich da so rein, dass er nicht mehr bereit war, mit Vic zu arbeiten. Das war natürlich richtig toll (lacht). Wir sprachen daraufhin mit diversen anderen Produzenten. Die wollten alle um die 20.000 Pfund für den Job. Das war für uns eine unglaubliche Zahl. Unser Management hielt uns damals an der kurzen Leine. Wir bekamen vielleicht zehn Pfund pro Woche (lacht). Wir waren wohl etwas dumm. Wir machten 'ne Menge Geld, aber das Management gaukelte uns immer vor, dass wir total abgebrannt seien. Chris Tsangaridis ließ sich auf 10.000 Pfund runterhandeln, aber das war immer noch völlig indiskutabel. Plötzlich hieß es, ich solle die Platte machen. Ich hatte aber überhaupt keinen Bock, das Album zu produzieren und gleichzeitig drauf zu spielen. Okay, ich hatte Tank produziert, aber das hieß nicht, dass ich wirklich begeistert war. Lemmy meinte allerdings, dass ich Klugscheißer das doch einfach mal eben durchziehen solle. Ich holte mir dann Will Reid Dick als Engineer und wir probierten es gemeinsam. Die Voraussetzungen waren nicht gerade die besten. Phil spielte die Drums ein, haute ab und wurde nicht mehr gesehen. Es blieben Lemmy und ich. Und Lemmy konnte mich ja eh nicht mehr leiden. Als es an die Vocals ging, kam er entweder gar nicht erst ins Studio oder haute gleich wieder ab, weil er irgendein Mädel am Start hatte. "Iron Fist" wurde nicht gerade unser bestes Album. Die Scheibe lief nicht besonders, und das Management verbockte noch zusätzlich alles mögliche. Für die Tour hatten sie die Idee mit einer Bühne, die auf und ab fahren konnte. Was für ein Desaster. Super peinlich! Ich habe mich total geschämt. Außerdem hatte die "Iron Fist"-Tour begonnen, ohne dass die Platte in den Läden war. Das Label hatte sich einen totalen Fuck-up geleistet. Erst traten sie uns ständig in den Arsch, damit die Scheibe fertig wird, und dann schafften sie es nicht mal, sie pünktlich zu veröffentlichen. Wir mussten daher unser altes Set spielen. Die Leute wollten schließlich nur die Songs hören, die sie auch kannten. Daraufhin rastete Phil total aus. Es war in Glasgow. Er sagte, dass er sofort aus der Band aussteigen würde, wenn wir nicht mindestens acht neue Tracks ins Programm nehmen würden. Lemmy und ich waren natürlich dagegen, aber Phil hat nicht mit sich reden lassen. Wir haben schließlich beim Soundcheck die Songs geprobt. Tank waren Support und kamen nicht besonders gut an. Anschließend spielten wir einen der schlimmsten Gigs aller Zeiten. Die Kids standen eine Stunde lang da und wussten nicht, was los war. Die wollten doch ihre verdammten Lieblingssongs hören. Erst bei den Zugaben kam Stimmung auf. Schrecklich! Das i-Tüpfelchen auf dem ganzen damaligen Scheiß war die Aktion mit Wendy O. Williams (der inzwischen verstorbenen ehemaligen Plasmatics-Sängerin - d. Verf.). Es stand während der "Iron Fist"-Tour dieses Projekt mit ihr an, für das drei Songs aufgenommen wurden (ähnlich wie bei der Headgirl-Collabo mit Girlschool sollten ein Cover - Tammy Wynettes Country-Schmachtfetzen 'Stand By Your Man' - und je ein Song der beteiligten Bands - Motörheads 'No Class' und 'Masterplan' von den Plasmatics - neu interpretiert werden - d. Verf.). Ich hatte überhaupt keine Lust dazu und bekam als Antwort nur zu hören, dass ich aus der Band sei, wenn ich die Sache platzen ließe. Aber es war so eine verdammte Scheiß-Idee, mit Wendy zu arbeiten, dass ich es einfach nicht machen konnte. No Way! Es war Scheiße, richtige Scheiße! Die Idee kam von Doug Smith, unserem Arschloch von Manager. Ich hätte damals lieber den Manager von Iron Maiden gehabt. Denen ging es viel besser als uns. Ich sollte produzieren, Phil und Lemmy spielten zusammen mit Wendys Gitarrist, und sie sang. Wir nahmen ein Demo von 'Stand By Your Man' auf, und es hörte sich zum Kotzen an. Es hätte mehr nach Metal klingen müssen. Simpler und härter. Aber Lemmy lehnte ab. Er hasste mich ja eh. Na ja, wir fuhren dann nach Toronto und Will Reid Dick kam dazu. Wir spielten die Basic-Tracks ein und sie waren wirklich gut. Dann kam Wendy, sang und es passte nicht. Es hörte sich schlimm an. Wir änderten daraufhin die Tonlage der Vocals und mussten auch die Musik entsprechend überarbeiten. So klang es zumindest nicht mehr wie das Original von Tammy Wynette. Auch die neue Version war allerdings voll daneben. Es passte einfach nichts zusammen. Es war so schlimm, dass ich vorschlug, wir sollten jetzt alle ein paar Budweiser trinken gehen und dann richtig guten Gesang aufnehmen. Statt dessen habe ich mir aber 'ne Pulle Jack Daniels geholt und mich im Hotel volllaufen lassen. Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Nachdem wir mit "Iron Fist" auf die Schnauze gefallen waren, hätten wir uns mit einem echten Paukenschlag zurückmelden müssen und nicht mit solch einer Selbstverarschung. Wir steckten echt in der Scheiße. Ich sagte das Lemmy und Phil, aber sie fanden alles toll und wollten so weiter machen. Darauf hin drohte ich mit Ausstieg. Nun schlugen sie vor, auf das Cover der Wendy-EP zu schreiben, dass ich mit der Sache nichts zu tun hätte. Daraufhin ist mir der Kragen geplatzt. Es ging mir nicht um mich. Es ging mir um Motörhead! Aber es war nichts mehr zu retten. Ich habe dann in New York meinen Ausstieg verkündet. Ich fand es schade. Phil hatte sich auf der "Iron Fist"-Tour mit seiner Quengelei wegen der Setlist auch durchgesetzt. Jetzt hatte ich mal ein Problem mit etwas und wurde völlig abserviert. Aber es steckte wie gesagt von Lemmys Seite noch mehr dahinter, als das Wendy-O.-Williams-Desaster. Das erfuhr ich jedoch erst viel später durch einen Zufall.«

 

Ist das Motörhead-Video "Live In Toronto" zu jenem Zeitpunkt entstanden?

»Ja. Das war meine vorletzte Show mit Motörhead. Sie hat nicht allzu viel Spaß gemacht. Die Stücke mit Wendy waren gerade aufgenommen (die Single ist mittlerweile ein rares Sammlerstück, auf der Motörhead-Compilation "From The Vaults" sind jedoch alle drei Tracks zu finden - d. Verf.). Ich war quasi aus der Band, aber noch bereit, die Tour zu Ende zu bringen. Auf der Fahrt von Toronto nach New York ist dann alles explodiert. Lemmy spielte im Bus die ganze Zeit die beschissenen Songs mit Wendy, und er und Phil trugen auch noch Shirts von ihr. Ich sagte daraufhin: "Hey ihr Fotzen. Wegen dieser Scheiße steige ich aus der Band aus. Ihr müsst mich nicht auch noch ständig daran erinnern und es mir immer und immer wieder auf die Nase binden". Das war einfach das Ende. Sie gingen danach nicht mehr in einen Raum mit mir. Das Management schlug vor, dass ich die Show in New York noch mitspielen solle. Das war für mich okay. Aber, und das ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit: Man hat mich angewiesen, dass ich allein Soundcheck machen soll und danach direkt die Halle verlassen müsse. Ich bekam auch eine eigene Garderobe. Ein winziges Loch! Nach der Show habe ich mir den Veranstalter gegriffen und bin in den Backstage von Lemmy und Phil gegangen. Der Booker hätte natürlich gern gesehen, dass wir uns versöhnen und die restlichen Gigs spielen. Ich kam also in den Raum und sagte, dass wir die Tour zusammen zu einem guten Ende bringen sollten. Sie meinten nur: "No Way, Man, fuck off!". Danach waren es jedoch sie, die gefickt waren.«

 

Denn mit deinem Nachfolger Brian Robertson (u.a. ex-Thin Lizzy) war trotz des saustarken "Another Perfect Day"-Albums die Magie weitgehend dahin. Von ewiger Dauer war die Feindschaft zwischen dir, Lemmy und Phil jedoch nicht.

»Das ist richtig. Ich ging zu einer Show mit Brian Robertson ins "Hammersmith Odeon" und spielte sogar bei einem Song mit. Das muss 1984 gewesen sein. Brian hatte ein Problem mit dem alten Material. Er ist ein guter Gitarrist, kam aber mit meinen Parts nicht klar. Die hatte schließlich ich geschrieben, und es war sehr schwierig, das nachzuspielen. Viele Bands, die Motörhead-Songs gecovert haben, sind daran gescheitert. Metallica haben es gut hinbekommen. Aber sie haben meine Soli auch eins zu eins kopiert. Brian hat jedenfalls den Schock seines Lebens bekommen, als er bei Motörhead einstieg. Er hatte sich das garantiert leichter vorgestellt. Du kannst nicht einfach deine Gitarre nehmen und loslegen. Es gab da eine Chemie, die nicht zu wiederholen war.«

 

Das ist ein schönes Schlusswort.

»Eine Sache ist mir aber noch sehr wichtig: Auch wenn ich einige weniger nette Sachen über Lemmy und Phil Taylor gesagt habe, möchte ich nicht, dass das falsch verstanden wird. Wenn ich heute zurückblicke, wird mir schnell klar, dass die Zeit mit Motörhead die beste Zeit meines Lebens war...«

 

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