Online-MegazineInterview

OVERKILL

Unkraut vergeht nicht

Obwohl es erst ein paar Wochen her ist, dass OVERKILL-Frontmann Bobby "Blitz" Ellsworth dem Teufel von der Schippe gesprungen ist, sprich einen leichten Schlaganfall überlebt hat, kann der sympathische Wirbelwind schon wieder herzhaft lachen. Besser ist das, denn die Thrasher aus New Jersey werkeln zurzeit an ihrer ersten DVD, bevor im Herbst das neue Studioalbum in Angriff genommen werden soll. Außerdem gilt es noch die kürzlich veröffentlichte Livescheibe "Wrecking Everything" zu promoten.

Hi Blitz, schön, deine Stimme zu hören!

»(lacht) Wetten, dass ich mich darüber noch viel mehr freue als ihr?«

Weiß man schon, was den Schlaganfall verursacht hat?

»Noch nicht, aber da ich in den letzten Tagen und Wochen zahllose Tests durchlaufen habe, wird man demnächst sicher mehr wissen. Möglicherweise hat sich eine Arterie oder Vene verdreht, als mir seinerzeit das Krebsgeschwür an der Nase entfernt wurde. Nachdem inzwischen schon 90 Prozent meines Körpergefühls zurückgekehrt sind, werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit vollständig genesen. Übrigens meinten die Ärzte, dass es mich auch im Schlaf oder auf dem Fahrrad hätte erwischen können. Auf mein exzessives Headbanging ist der Schlaganfall jedenfalls nicht zurückzuführen, und mein letztes Laster, das Rauchen, hat man mir gottlob auch nicht ausdrücklich verboten.«

Bei welchem Song bist du eigentlich zusammengeklappt?

»Bei 'Necroshine'.«

Werdet ihr das Stück deshalb in Zukunft meiden?

»Ganz im Gegenteil: Vielleicht werden wir 'Necroshine' zukünftig als erstes spielen. Noch mehr Sinn würde es aber machen, den Track ans Ende unseres Sets zu stellen. Da kommen die Leute im Falle eines erneuten Schlaganfalls wenigstens in den Genuss unserer kompletten Show.

Als sich mein Sohn, der alles aus nächster Nähe mitbekommen hatte, von seinem ersten Schock erholt hatte, meinte er übrigens: "Wenn du eines Tages sterben solltest, dann wäre die Bühne der beste Ort dafür." Tja, wo er Recht hat, hat er Recht.«

Bist du in der Zwischenzeit mal wieder auf der Bühne gestanden?

»Nein, bis Oktober sind auch keine Konzerte geplant, weil wir in der nächsten Zeit intensiv an unserer ersten Live-DVD arbeiten, die im Oktober erscheinen soll. Danach werden wir vermutlich durch die Staaten touren. Für den ersten Gig habe ich übrigens eine Herzattacke geplant, haha.«

Hast du nach dem "kleinen Schlägle" (O-Ton Matthias Breusch) eigentlich die Englein singen gehört, oder warst du bei vollem Bewusstsein?

»Weder noch. Ich konnte zwar nicht mehr richtig sehen, habe aber die besorgten Stimmen von D.D. (Verni, Basser - d.Verf.), unserem Tourleiter und meinem Sohn registriert. Außerdem kann ich mich noch daran erinnern, dass mir jemand Orangensaft einflößte. Schmerzen hatte ich auf jeden Fall keine. Vielmehr fühlte ich mich so, als ob ich einen sitzen hätte. Dabei bin ich seit acht Jahren trocken.«

Potzblitz, acht Jahre! Hat man da nicht ab und an mal Bock auf ein kühles Pils oder ein eiskaltes Hefeweizen?

»That´s the problem: Eins ist zu wenig und zehn sind zu viel. Deshalb lasse ich lieber völlig die Finger vom Alkohol, obwohl ich manchmal schon ein wenig neidisch bin, wenn sich meine Bandkollegen einen hinter die Binde kippen. Gottlob habe ich vor acht Jahren begriffen, dass ich mit dem Saufen aufhören muss, wenn OVERKILL eine Zukunft haben sollen. Obwohl ich nach wie vor ziemlich viel qualme, war ich abgesehen von dem Vorfall in Nürnberg auf der letzten Tour körperlich voll auf der Höhe.«

Du hast vorhin deinen mittlerweile 18 Jahre alten Sohn erwähnt. Wie kam es dazu, dass er euch auf besagter Tour begleitet hat?

»Eigentlich wollten Jesse und ein Freund mit dem Zug kreuz und quer durch Europa fahren und bei der Gelegenheit einige OVERKILL-Shows besuchen. Als sein Freund dann kurzfristig absagen musste, war er so enttäuscht, dass wir beschlossen, ihn in unserem Nightliner mitzunehmen. Trotz meines Schlaganfalls hat ihm sein erster Trip durch Europa gut gefallen; vor allem Städte wie Amsterdam und Hamburg.«

Hamburg?

Blitz (lacht): »Richtig, Hamburg! Dort haben wir sogar einen freien Tag verbracht. «

Hast du ihm bei der Gelegenheit die Herbertstraße gezeigt?

»Nein, allerdings habe ich auf dem Weg von unserem Bus ins Hotel an einem der Schaufenster angeklopft und herausgefunden, dass die Nutten dort 50 Euro kosten. Als ich später mit meinem Sohn sprach, habe ich ihn ganz nebenbei gefragt, ob er noch Geld einstecken hätte. Als er verneinte, habe ich ihm in weiser Voraussicht 40 Euro in die Hand gedrückt, haha.«

Themawechsel: Mit "Wrecking Everything" habt ihr kürzlich die zweite Liveplatte eurer Karriere veröffentlicht. Im Gegensatz zu vielen anderen Acts räumt ihr im Booklet der CD freimütig ein, mit Overdubs gearbeitet zu haben. Was habt ihr im Studio denn noch alles ausbessern müssen?

»Zum Beispiel mussten wir ein paar Gitarrenspuren neu aufnehmen, da während des Gigs die Klampfen mehrfach ausgefallen waren. Außerdem musste Tim (Mallare, Drummer - d.Verf.) diverse seiner getriggerten Drumparts auswechseln, während ich aufgrund von Monitorproblemen bei 'Necroshine' und 'Thunderhead' einige Strophen noch einmal einsingen musste. Trotzdem ist "Wrecking Everything" kein zweites "Unleashed In The East" geworden, haha.«

Wie viele Leute waren denn Zeuge der Show, die Anfang des Jahres bei euch in New Jersey über die Bühne ging? In einer Ansage meinst du, dass ihr über den Publikumszuspruch ziemlich happy seid.

Blitz (lacht): »Sieben. Nein, die Halle war mit 1.700 Leuten ausverkauft. Allerdings kosteten die Eintrittskarten nur 10 Dollar und 27 Cent, weil die New Yorker Radiostation WNEW, die den Gig präsentierte, auf der Frequenz 102.7 sendet.«

Wird auf besagter DVD eigentlich die gesamte Show zu sehen sein? Die Live-CD bringt es ja leider nur auf eine Spielzeit von etwas über 70 Minuten, obwohl ihr sicher deutlich länger auf der Bühne gestanden seid.

»Natürlich wird auf der DVD, die voraussichtlich den Titel "Wrecking Everything/A Night With Charly" tragen wird, der komplette, gut zweistündige Set zu sehen sein. Außerdem werden wir noch eine 90-minütige Bandhistory draufpacken, in der jeder Musiker vorkommt, der irgendwann einmal bei OVERKILL gespielt hat.«

Und was ist mit euren Videoclips aus den späten Achtzigern und frühen Neunzigern? Werden die auch zu sehen sein?

»Da unsere ehemalige Plattenfirma Atlantic, die die Rechte an den Clips hält, Geld dafür sehen will, wird daraus wohl leider nichts werden.«

Wie stark sind bei euch aufgrund von mp3, Internet-Tauschbörsen und CD-Brennern die Plattenverkäufe eingebrochen?

»Von unserem letzten Album "Bloodletting" haben wir etwa 35 Prozent weniger Einheiten verkauft als von "Necroshine". Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass sich immerhin 65 Prozent der Leute das Original und keine aus dem Internet runtergeladene oder gebrannte Kopie zugelegt haben. Versteht mich bitte nicht falsch: Ich habe kein Problem damit, den einen oder anderen Song umsonst rauszurücken. Wogegen ich mich allerdings verwahre, sind irgendwelche Arschlöcher, die die Scheibe vor Veröffentlichung in ihrer Unterhose aus dem Presswerk schmuggeln, um das Ding an Napster zu verscherbeln oder selber ins Netz zu stellen. Dafür arbeiten D.D., meine Wenigkeit und die anderen einfach zu hart an der jeweiligen Platte.«

Stichwort Album: Wann können wir mit eurem nächsten regulären Langeisen rechnen? Wie ich euch Workaholics kenne, habt ihr sicher schon einiges an neuem Material in petto!

»Richtig, wir waren mal wieder fleißig und haben schon zehn Songs geschrieben. Vermutlich werden wir im September oder Oktober ins Studio gehen, so dass ihr spätestens Mitte Februar 2003 mit der Scheibe rechnen könnt.«

Und welchen Titel wird die Platte tragen?

Blitz (lacht): »Was hältst du von "Still Stroked"?«

Nät schläscht, aber "Dead Man Standing" oder "Better Not Dead" fände ich passender. Abschlussfrage: Wart ihr eigentlich sauer, als euch Annihilator-Mastermind Jeff Waters im vorletzten Jahr Gitarrist Joe Comeau ausspannte?

»Natürlich. Deshalb haben wir ihm ja auch bei seinem letzten Konzert in New York auf die Fresse gehauen und alle Finger gebrochen! Nein, Scherz beiseite: Wir waren in keinster Weise stinkig, obwohl Joes Ausstieg ein herber Verlust für uns war. Besonders für mich, da er ja eigentlich Sänger ist und mich dadurch in vielerlei Hinsicht entlasten konnte. Weil sich einem als Musiker im Leben normalerweise nicht viele Chancen bieten, konnte ich ihn aber voll und ganz verstehen, als er Jeffs Angebot annahm. Für meinen Geschmack sind Joes Vocals sogar das absolute Highlight der letzten Annihilator-Scheibe "Waking The Fury".«

Lass das bloß nicht den Kollegen Waters hören!

 

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