Online-MegazineInterview

THERION

Zwei Welten treffen aufeinander

THERION-Mastermind/Gitarrist Christofer Johnsson äußert sich exklusiv im Rock Hard zu Bands, die in ihrer Karriere ähnlich wie Therion versucht haben, harten Metal und komplexe Klassik unter einen Hut zu bekommen.

In den letzten Jahren gab es erstaunlich viele Versuche, Metal und Klassik miteinander zu verbinden, wobei die jeweilige Herangehensweise oftmals sehr unterschiedlich war. Wie beurteilt jemand, den man in einem gewissen Sinne als Pionier dieser Form von Crossover bezeichnen kann (obwohl es natürlich bereits in den Siebzigern erste Experimente in dieser Richtung gab), die Bemühungen der Konkurrenz?

Metallica:

»Je öfter ich mir die Platte anhöre, um so mehr bin ich davon überzeugt, dass Michael Kamen (Filmkomponist, der auf "S&M" mit Hetfield & Co. zusammenarbeitete - d.Verf.) die Musik von Metallica nicht verstanden hat. Für sich genommen sind sowohl Metallica als auch Michael Kamen herausragende Künstler. Die Zusammenarbeit funktioniert dagegen überhaupt nicht. Sehr schade, da hätte man so viel mehr draus machen können...«

Apocalyptica:

»Es war zwar durchaus faszinierend zu hören, wie sie damals die Songs von Metallica auf ihren Celli umgesetzt haben, aber nach dem zweiten Hördurchgang wurde es schnell langweilig. Richtig gut finde ich Apocalyptica eigentlich erst seit der dritten Platte ("Cult" - d.Verf.). Ihre Eigenkompositionen sind wirklich klasse und beschreiten musikalisch neue Wege.«

Scorpions:

»Ich habe ihre "Klassik-Scheibe" noch nicht gehört, habe allerdings auch keine rechte Lust dazu. Ich mochte die Scorpions in den Siebzigern mit Uli Jon Roth. Mit den Sachen aus den Achtzigern konnte ich dagegen nicht mehr ganz so viel anfangen, und der Kram aus den Neunzigern ist völliger Schrott, den kein Mensch braucht - erst recht nicht als Klassik-Version.«

Rage:

»Die muss man wohl auch zu den Pionieren zählen, da sie schon früh mit einem Orchester zusammengearbeitet haben. Ihre Herangehensweise war etwas anders als unsere, da sie einen Komponisten anheuerten, der ihre Stücke orchestrierte. Sie machten es also genauso wie Metallica, nur wesentlich besser!«

Hollenthon:

»Finde ich wirklich gut. Vor allem die neue Platte klingt sehr originell. Allerdings sollte man, wenn man sich schon bei klassischen Komponisten bedient und sich wie in diesem Fall eine volle Minute aus Prokofieffs "Romeo & Julia" borgt, dies auch in den Credits erwähnen. So was kann ansonsten nämlich echten Ärger geben. Eine HipHop-Band aus den Staaten hat mal ein sehr kurzes Sample aus Orffs "Carmina Burana" ohne Erlaubnis verwendet, was die Plattenfirma später mehrere Millionen Dollar kostete.«

Deep Purple:

»Ich liebe diese Band, finde allerdings, dass ihr symphonisches Experiment damals Anfang der Siebziger nicht wirklich funktioniert hat. Die Platte ("Concerto For Group And Orchestra" - d.Verf) ist zwar nicht schlecht, aber die Klassik- und die Hardrock-Parts laufen irgendwie nebeneinander her, ohne dass man von einer wirklichen Interaktion sprechen könnte. Trotzdem waren Deep Purple und vor allem Jon Lord damals echte Pioniere. In diesem Zusammenhang sollte man übrigens auch Uriah Heep nicht vergessen, die in diesem Metier damals sehr sehr gut waren (nachzuhören vor allem auf "Salisbury" - d.Verf.).«

Haggard:

»Die sind richtig cool, weil sie ihr völlig eigenes Ding durchziehen und dabei noch diesen Mittelaltertouch haben. Dadurch, dass die Band aus so vielen Musikern besteht, die fest zum Line-up gehören, können sie ihre Musik auf der Bühne auch wirklich "live" umsetzen.«

Diese Liveumsetzung wird hingegen für THERION mit zunehmender Komplexität ihrer Platten immer schwieriger. Nach einem Abstecher nach Südamerika werden ab dem 20. November auch wieder deutsche Clubs beackert. Was können die Fans diesmal erwarten?

»Es wird wieder so sein, dass wir einen aus sechs Leuten bestehenden Chor mitnehmen werden, also ohne Orchester zu euch kommen. Allerdings wäre es selbst mit einem Orchester nicht ohne weiteres möglich, die neuen Songs völlig originalgetreu live zu spielen, da wir bei den Studioaufnahmen einige sehr seltene und sehr teure Instrumente verwendet haben, die man nicht mal so eben mit auf Tour nehmen kann. Mit einem kompletten Orchester zu touren, wäre allerdings so oder so nahezu unbezahlbar.«

 

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