Online-MegazineInterview

KREZIP

Scrabble mit dem Tagebuch

Schon vor einigen Jahren sorgte Jacqueline Govaert als 14jährige Gastsängerin des Ayeron-Projekts für Aufsehen. Inzwischen hat das blonde Mädchen eine eigene Alternative-Rock-Band namens KREZIP am Start, die in Holland mit über 300.000 verkauften Alben (Dreifach-Platin) und einer zehnwöchigen Nummer-Eins-Single Superstarstatus genießt. Mit über einjähriger Verspätung soll nun auch der deutsche Markt erobert werden. ROCK HARD sprach mit der Sängerin nach dem Kölner Showcase.

 

Ist es für einen Teenager wie Dich nicht schwierig, mit so viel Erfolg umzugehen?

 Jacqueline: "Eigentlich nicht. Ich bin ein bodenständiger Typ und neige nicht zum Abheben. Lediglich die Phase, als unser Album in nur einer Woche von Gold auf Platin ging und in der Woche darauf auf Doppelplatin wurde mir das Ganze wegen des Tempos schon etwas unheimlich. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass mich viele Leute im Restaurant erkennen und nach Autogrammen fragen. Manchmal nervt das zwar, aber grundsätzlich komme ich gut damit klar."

Wie geht deine Familie damit um?

 "Das ist kein Problem. Alle freuen sich für uns, und mein Vater kümmert sich um das Management. Während unseres Durchbruchs gingen wir noch alle zur Schule, was schon ziemlich abgefahren war. Wegen der vielen Konzerte und Interviews hatten wir phasenweise gar keine Freizeit mehr. Inzwischen habe ich jedoch meinen Abschluss und besuche nun die Rock-Akademie in unserer Heimatstadt Tilburg. Dort lerne ich alles mögliche über die Musik - Komposition, Spieltechnik, etc. - und das Business."

Wie hat denn alles angefangen?

 "Wir sind alle auf die selbe Schule gegangen und haben dort KREZIP gegründet. Anfangs haben wir für unsere Mitschüler in der Aula gespielt. 1998 gewannen wir einen Talentwettbewerb, wodurch wir einige Support-Touren - u.a. für Golden Earring - ergatterten. Wir bekamen gute Presse, wurden auf einmal im Radio gespielt und erhielten schließlich einen Plattenvertrag. Ehe wir uns versahen, waren wir mit unserer Single ´I Would Say´ an der Spitze der Charts. Eine Bilderbuch-Karriere..."

KREZIP ist mehr oder weniger Dein Solo-Projekt, richtig?

 "Ja und nein. Ich schreibe zwar alle Songs und Texte, aber dennoch empfinde ich uns als Band, zumal wir meine Ideen gemeinsam ausarbeiten."

Was bedeutet eigentlich der seltsame Bandname?

"Gar nichts. Es war die alte Geschichte: Unser erster Gig stand an, aber wir hatten noch immer keinen Namen. Irgendeiner musste schnell her. Deswegen zogen wir sechs Buchstaben aus einem Scrabble-Spiel und brachten sie in die am besten klingende Reihenfolge."

Na zum Glück waren wenigsten zwei Vokale dabei, sonst würdet ihr vielleicht Kgrzbp heißen... Die Texte schreibst du aber schon etwas ernsthafter, oder?

"Allerdings. Ich schnappe mir dazu mein Tagebuch und lasse mich von meinen Eintragungen inspirieren. Die Lyrics handeln demnach alle von Beziehungen und Gefühlen."

Wie liefen die Arbeiten mit Oscar Hollemann? Ich kenne ihn noch als Vengeance-Gitarrist, aber mittlerweile hat er sich einen guten Ruf als Produzent (u.a. Heideroosjes) gemacht.

"Wir haben bereits unser Demo mit ihm eingespielt, und weil das so prima geklappt hat, engagierten wir ihn auch für´s Album. Er hat viele gute Ideen und ein ausgeprägtes Gespür für Arrangements, drängt sich einem aber mit seiner Meinung nicht auf. Er hat wohl auch schon mal mit HELLOWEEN gearbeitet. Darauf ist er sehr stolz, denn das hat er uns mehr als nur einmal erzählt." (lacht)

Neben Dir sind mit deiner Schwester Anne (g) und Annelies Kuijsters (g, v) noch zwei weitere Frauen in der Band. Kommt ihr mit den Jungs - Basser Joost, Drummer Thijs und noch ein Live-Gitarrist - klar, oder gibt es auf Tour schon mal Probleme?

"Nein, wir sind alle gute Freunde, aber es gibt keine Paare in der Besetzung. Das sind gute Voraussetzungen. Bisher verstehen wir uns blendend."

"Nothing Less" erschien in Holland bereit im Mai 2000. Demnach dürfte euer zweites Album nicht mehr lange auf sich warten lassen, oder?

"Das wissen wir noch nicht so genau. Wir haben zwar schon viele Songs, wollen uns aber nicht drängen lassen, weil die Ansprüche nach diesem Erfolg natürlich sehr groß sind. Wir nehmen uns lieber etwas mehr Zeit und liefern dafür Qualität ab."