Online-MegazineInterview

GROOVENICS

Auf den Spuren von Faith No More

Gut, dass es das Internet und Websites gibt! Andernfalls hätten wir euch folgendes Interview mit den GROOVENICS sicher vorenthalten müssen, denn der Sixpack aus West Palm Beach/Florida landete mit seinem gleichnamigen Erstling in unserer Septembernummer leider nur auf Rang 34. Dabei ist der abgedrehte Crossover-Sound der Amis bei weitem nicht so mittelmäßig, wie die 6,4 Punkte im Durchschnitt suggerieren. Das meint auch Basser Pete Carmichael, mit dem der Kaiser aller Hessen alias Buffo ein Schwätzchen hielt.

Pete, in eurer Biographie kann man nachlesen, dass ihr ´97 eine CD mit dem Titel "Wedgie Fever" in Eigenregie veröffentlicht habt. Gehe ich recht in der Annahme, dass einige der Songs auch auf "Groovenics" zu hören sind?

»Richtig, allerdings handelt es sich dabei um neu aufgenommene und überarbeitete Versionen. Finanziert haben wir "Wedgie Fever" seinerzeit durch diverse Auftritte in Palm Beach und Umgebung.«

Wieviel konntet ihr von dem Silberling verticken?

»Etwa 3.000 Stück. Allerdings haben wir die CD nur bei Auftritten und über unsere Website verkauft. Einen Vertrieb hatten wir nie. Deshalb konnten wir die Dinger auch für nur fünf Dollar pro Stück anbieten.«

Steckt eine tiefere Bedeutung hinter eurem Bandnamen, oder handelt es sich dabei um einen Slang-Ausdruck?

»Wenn ich ehrlich bin, hat der Name überhaupt keine Bedeutung. Ein recht bekannter Comic-Autor namens Michael Allred gab uns eine Liste mit allerlei kuriosen Wortkreationen, mit denen wir ein Weilchen herumspielten. Einer davon war Snap Street Mutants Beatnicks, den wir nach zwei Tagen aber wieder verwarfen, da keiner unserer Kumpels den Namen mochte. Auf GROOVENICS kamen wir dann durch eine alte Cartoonserie, in der irgendwelche Beatnicks dieses Wort verwendeten.«

Eure Plattenfirma Spitfire sieht euch musikalisch in der Tradition von Incubus, Deftones, Mr. Bungle und Papa Roach. Irgendwelche Einwände?

»Nö, damit befinden wir uns doch in guter Gesellschaft. Außerdem bin ich ein großer Fan von Mike Patton (Faith No More-Sänger - d.Verf.) und Mr. Bungle. Die Vergleiche mit Papa Roach und Incubus sind ebenfalls okay, da sie ebenso wie wir verschiedene Musikstile miteinander vermischen. Und die Deftones vergöttern wir alle.«

Und was ist mit Faith No More? Gerade in puncto Gesang erinnert ihr mich ab und zu an die für meinen Geschmack beste Crossover-Kapelle aller Zeiten...

»Faith No More sind auch meine absoluten Faves. Deshalb sammle ich auch alles von ihnen, was ich in die Finger kriege. Unser Sänger Karl Michaels steht ebenfalls total auch die Jungs. Von daher kann man schon sagen, dass wir von ihnen beeinflusst wurden. Besonders dahingehend, dass die Öffentlichkeit bei Faith No More jede Art von Song und Stil akzeptiert hat, weil es letztlich doch immer nach Faith No More geklungen hat. Da wollen wir mit den GROOVENICS eines Tages auch mal hin.«

Hast du FNM mal persönlich kennen gelernt?

»Nur Mike Patton, als er vor anderthalb Jahren mit Mr. Bungle hier in Florida in einem kleinen Club spielte. Als die Security nach dem Gig die Leute rauswarf, haben sie mich wohl übersehen. Auf alle Fälle lernte ich an dem Abend Mike und die anderen kurz kennen und konnte sogar ein paar Worte mit ihnen wechseln. Das war schon eine Riesensache für mich, obwohl es gleichzeitig auch ein komisches Gefühl war, jemanden zu treffen, zu dem man seit seiner Jugend aufblickt.«

Hast du ihm wenigstens euer Debüt in die Hand gedrückt?

»Das war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht draußen. Ich könnte ihm zwar eine zuschicken, aber irgendwie habe ich da ziemlich Bammel vor. Am Ende findet er die Scheibe noch scheiße.«

Ihr habt in Florida schon für Gott und die Welt den Vorkasper gemimt. Unter anderem für Mötley Crüe, die Misfits, Suicidal Tendencies, Orgy, Everclear und die geilen Schwedenhappen von Drain (Herr König, mäßigen Sie sich! - Red.). Bei welcher Show waren die Reaktionen am besten?

»Bis auf den Gig mit Suicidal verliefen eigentlich alle Konzerte recht erfolgreich. Besonders cool war der Auftritt mit Mötley Crüe vor ca. 5.000 Leuten in einem großen Theater. Der Auftritt war übrigens der Hauptpreis eines lokalen "Battle Of The Bands"-Wettbewerbs, den wir für uns entscheiden konnten. Letztes Silvester durften wir sogar mal als Opener für Alice Cooper ran, was eine ganz tolle Erfahrung war. Obwohl das Auditorium praktisch nur aus älteren Semestern bestand, sind wir super angekommen. Spätestens seit dem Tag ist uns klar, dass wir vor jedem Publikum bestehen können, solange wir mit dem Herzen bei der Sache sind.«

Hatte wenigstens einer von euch Sex mit einem der Drain-Girls? (Buffo!!! - Red.)

»Nein, leider durften wir ihnen nur die Hände schütteln... Aber es sind wirklich sehr attraktive junge Damen.«

Produziert wurde eure Scheibe von Michael Wagener. Eine ziemlich ungewöhnliche Wahl, wenn man bedenkt, dass der "Exil"-Deutsche mit Wohnsitz Nashville in der Vergangenheit hauptsächlich klassischen Hardrock und Heavy Metal à la Metallica, Ozzy, Mötley Crüe, Alice Cooper, Accept, Poison, Megadeth, W.A.S.P., Hammerfall usw. in Szene setzte...

»Als wir hörten, mit wem Michael schon alles zusammengearbeitet hat, sagten wir uns: "Der Mann weiß, wie ein Rock/Metal-Album zu klingen hat." Gottlob mochte Michael unsere Mucke und ließ uns praktisch völlig freie Hand. Dabei hatten wir anfangs befürchtet, dass er uns nur sehr wenig Spielraum für Experimente und abgefahrene Ideen lassen würde. Stattdessen hat er uns in der Hinsicht noch bestärkt, indem er meinte: "Probiert ruhig herum, soviel ihr wollt. Danach können wir immer noch sehen, ob sich mit diesem oder jenen Part etwas anfangen lässt."«

Angeblich habt ihr an der Scheibe drei geschlagene Monate gewerkelt. Fällt einem da nicht spätestens nach ein paar Wochen vor lauter Langeweile die Studiodecke auf den Kopf?

»Mir nicht. Ich liebe es, in Studios zu hocken, deshalb war ich auch die ganze Zeit vor Ort. Da Michaels Haus aber nicht direkt in Nashville, sondern mitten auf dem Land liegt, war der nächstgelegene Drugstore etliche Meilen entfernt. Trotzdem hatten wir unseren Spaß. Zudem konnten wir uns in der Abgeschiedenheit mehr auf das Album konzentrieren.«

Wo ist eigentlich das im Info angekündigte Remake des Def Leppard-Klassikers ´Pour Some Sugar On Me´ abgeblieben? Auf meiner "Groovenics"-CD fehlt der Track leider!

»Wirklich? Soweit ich weiß, wurde die Coverversion überall veröffentlicht. Hier in Amerika ist sie auf jeden Fall auf der CD mit drauf. Merkwürdige Sache...«

Wie seid ihr ausgerechnet auf Def Leppard gekommen? Musikalisch ist das doch eine völlig andere Baustelle.

»Durch Zufall. Wir sind vor einiger Zeit mal gefragt worden, ob wir Bock hätten, mit einigen anderen lokalen Acts live ein paar Hardrock-Gassenhauer aus den Achtzigern zu covern. Neben 'More Than Words' von Extreme, 'Patience' von den Gunners und Poisons 'Talk Dirty To Me' spielten wir auch den Leppard-Evergreen nach. Seit dieser Show ist das Stück ein fester Bestandteil unseres Livesets, weshalb wir ihn auch auf dem Album verewigt haben. Witzigerweise denken viele Kids, dass es sich bei dem Track um eine GROOVENICS-Komposition handelt, weil sie das Original aus den Achtzigern aufgrund ihres Alters nicht kennen.«

Letzte Frage: Wann wird man euch in Europa live bewundern können?

»Ab Anfang September touren wir hier in den Staaten erst einmal die Ostküste rauf und runter, bevor wir hoffentlich als Support auf eine größere Tour aufspringen können. Was danach passiert, steht derzeit noch in den Sternen. Da meine Familie ursprünglich aus England stammt und ich als Kind schon häufiger in Europa war, käme mir so ´ne Gastspielreise natürlich sehr gelegen. Da könnte ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und der Verwandtschaft bei der Gelegenheit einen Besuch abstatten...«

BUFFO