Online-MegazineInterview

PAIN, HYPOCRISY

Peter Tägtgren-Special Teil 2

Im zweiten Teil unseres PETER TÄGTGREN-Specials packt der Workaholic aus und kramt ganz tief in der Erinnungskiste. Dieses Interview wird NICHT im nächsten Rock Hard stehen!

Peter ist inzwischen einer der weltweit bekanntesten Metal-Produzenten und zudem mit HYPOCRISY und seinem Electro-Dance-Metal-Projekt PAIN als Musiker eine feste Größe. Für die PAIN-Single 'End Of The Line' hat er in Schweden sogar 'ne Goldene Schallplatte eingefahren, die sich zwischen einem Dutzend gekaufter Kiss-Gold- und -Platin-Awards (Peter betet die alten Maskenhelden an) gut an den Wänden seines Abyss-Studios macht. Doch auch Herr Tägtgren hat klein angefangen.

»Mit Lars (Szöke, HYPOCRISY-Drummer - d. Verf.) habe ich schon 1984 zum ersten Mal zusammen gespielt. Die Band hieß Conquest. Die Mucke war 'ne Mixtur aus Manowar, Metallica, Mercyful Fate und allem anderen, was damals cool war.«

Du musst damals noch im Hosenscheißer-Alter gewesen sein...

»Nein, ich war schon 14 (lacht)!«

Habt ihr jemals Aufnahmen gemacht?

»Oh ja, es gibt drei oder vier Demos. Aber sie sind schrecklich. Ich hatte zuerst die Idee, dass wir auf die Bonus-CD der "10 Years Of Chaos And Confusion"-Box von HYPOCRISY auch Demos von unseren alten Bands packen. Die Sachen waren jedoch echt nicht gut genug.«

Welches Instrument hast du damals gespielt?

»Gitarre. Ich hatte erst einige Wochen zuvor damit angefangen. Eigentlich bin ich Drummer. Und sogar ein richtig guter. Ich weiß, dass es angeberisch klingt, aber gib mir zwei Wochen Zeit zum Üben, und ich kann jederzeit bei Slayer einsteigen. Besser als Paul Bostaph bin ich allemal. Ich wollte jedoch immer Songs schreiben, und als Schlagzeuger war das schwierig. Also lernte ich Gitarre. Daraufhin brauchte ich jedoch einen Drummer für Conquest. In der Gegend, wo ich wohne, gab es einen Supermarkt. Lars lebte direkt nebenan. Er machte gerne sein Fenster auf, spielte Destruction- und Kreator-Scheiben auf höchster Lautstärke und trommelte dazu. Jeder, der dort einkaufen ging, wurde ohne Ende vollgedröhnt. Ich fragte mich jedes Mal, wer zum Deibel dieser Wahnsinnige war. Irgendwann haben wir mal an die Tür geklopft und ihn gefragt, ob er Bock habe, bei uns einzusteigen. Er war damals stilistisch allerdings wie Tommy von Destruction (erster Destruction-Drummer - d.Verf.). Er konnte nix weiter als straight geradeaus zu knüppeln. Er hatte sonst überhaupt keine Ahnung vom Schlagzeugspielen, klang wie 'ne Maschine. Immer nur direkt in die Fresse. Ich musste ihm alles andere erst beibringen.«

Wann hast du denn mit dem Drummen angefangen?

»Mit sieben. Mit acht hatte ich daheim schon mein erstes Kit stehen. Zuerst erzählte ich meinem Vater, dass ich Gitarre lernen wolle. Er kaufte mir allerdings 'ne Akustik-Klampfe. Dann meldete er mich zum Unterricht an, aber ich ging nur ein einziges Mal hin und packte die Gitarre anschließend weg. Daraufhin wollte ich ein Schlagzeug, doch mein Vater war strikt dagegen. Ein Drum-Kit ist um einiges teurer als 'ne simple Gitarre, und mein Dad dachte wohl, dass ich daran genauso schnell die Lust verlieren würde. Meine Lehrerin in der Schule spielte jedoch auch Schlagzeug und brachte mir einiges bei. Wir waren ohnehin eine sehr musikalische Klasse. Eines Tages gaben wir ein Konzert für die Eltern, und mein Vater sah mich an den Drums. Das hat ihn überzeugt, dass ich es ernst meinte.«

Auf dem ersten HYPOCRISY-Demo von 1991 hast du dann tatsächlich alle Instrumente und den Gesang selbst übernommen.

»Stimmt. Aber meine Vocals fand ich echt zum Kotzen. Für das zweite Tape holte ich mir deshalb Masse Broberg (alias Emperor Magus Caligula, inzwischen bei Dark Funeral - d.Verf.). Ich drückte ihm die Texte in die Hand, und er brüllte das Material ein.«

Später hast du dich bei HYPOCRISY wieder hinters Mikro gestellt. Was hat dich letztlich doch noch von deiner Stimme überzeugt?

»Auf dem Demo wollte ich so tief wie möglich singen. Und das konnte ich damals irgendwie nicht so richtig. Mit der Zeit wuchs ich aber in die Frontmann-Rolle hinein. Ich wurde ja regelrecht zum Üben gezwungen. Auf einer Tour mit Cannibal Corpse wurde Masse krank, und ich musste den Gesang übernehmen, damit wir überhaupt auftreten konnten.«

Was schießt dir heute durch den Kopf, wenn du dir diese uralten Demo-Aufnahmen anhörst (allesamt zu finden auf der Bonus-CD der "10 Years Of Chaos And Confusion"-Box von HYPOCRISY)?

»Es klingt lustig, ist verdammt brutales Zeug (lacht). Ich liebte damals Deicide, Morbid Angel und Entombed. Ich wollte irgendwo in der Mitte liegen. Also nicht so kompliziert wie die Amis. Später waren HYPOCRISY allerdings 'ne Weile einen Tick amerikanischer ausgerichtet.«

Wann hast du dein Studio aufgemacht?

»Das war 1994. Ich habe damals schon in dem Studio gearbeitet und Demo-Bands aus der Nachbarschaft produziert. Es war ein Instrumentenladen und P.A.-Verleih. Im Keller befand sich das Studio. Es war absolut scheiße! Man nahm etwas auf, hörte sich am nächsten Tag die Bänder an und wunderte sich, wie beschissen es klang. Ab und zu musste man auf das Mischpult hauen, damit es überhaupt funktionierte. Außerdem klebte alles voller Pizza und Bier.«

Deshalb muss man in deinem Abyss-Studio jetzt immer die Schuhe ausziehen...

»Genau (lacht)! Der Eigentümer hatte irgendwann keinen Bock mehr und fragte mich, ob ich das Studio übernehmen würde. Er wollte gerade mal 7.000 Mark dafür. Ich mietete einen Keller an, schaffte das Equipment rüber und machte weiter Demos mit befreundeten Bands. Eine bekam dann sogar einen Plattenvertrag und machte auch das Album bei mir. Ich weiß nicht mal mehr, wie die hießen. Aber so hat sich das ganz langsam entwickelt. Am Anfang war es natürlich schwer, aber in Schweden wird man von der Regierung unterstützt, wenn man ein Unternehmen startet. Mir wurde ein Jahr lang vom Staat eine Art Gehalt gezahlt. Ich musste auch keine Miete berappen. Als der Laden lief, bin ich nach Pärlby (wo Peter heute noch lebt und arbeitet - d.Verf.) umgezogen.«

Der Rest ist Musikgeschichte...

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