Online-MegazineInterview

BALTAK

2.500 Jahre später

Für die Krachheimer unter unseren Lesern ist Australien ein Entwicklungsland. Nur alle Jubeljahre gelingt es einer Holzhacker-Kapelle, in Europa Fuß zu fassen. BALTAK sind mehr als nur ein Geheimtip. Dieses Duo nimmt mit rasendem Black Metal-Donnerwetter die Herzen des Undergrounds im Sturm.

 

»Die australische Black Metal-Szene ist winzig. Nur wenige der Bands bringen gute Alben heraus«, berichtet Frontmann Gorgoroth. Der 26jährige gründete BALTAK im Jahr 1993, um »extreme, kraftvolle Musik ohne Keyboards, dafür aber Visionen von totaler Zerstörung umzusetzen. Es gibt einige gute Bands wie MORTAL SIN, ROK, NANZXUL, NIFLHEIM und SADISTIK EXEKUTION. Aber mit Black Metal hat das alles nichts zu tun.«

Black Metal aus dem Land der Känguruhs ist auch eine schwer vorstellbare Angelegenheit... Die Highspeedprügler BALTAK, so meint der Sänger, passen eigentlich auch gar nicht in die Black Metal-Schublade.

»Wir spielen Ancient Macedonian Cultural War Metal.«

Gorgoroth versucht, heftige Musik mit Philosophie und seinem historischen Interesse zu kombinieren. Die Geschichte des alten Mazedoniens - ein Land, das sich einst über die Gebiete Serbiens, Bulgariens, Griechenlands und Albaniens erstreckte - ist zum Steckenpferd, ja zur Passion des Australiers geworden. Folgerichtig widmeten Gorgoroth und sein Mitstreiter Alexander ihr zweites Album „Zaginatiot Grad“ gänzlich dieser Thematik.

»Übersetzt heißt der Albumtitel „Die verlorene Stadt“. Diese Stadt heißt Pella und war im achten Jahrhundert die Hauptstadt Mazedoniens. Später ist die Stadt, genau wie Saloniki, in die Hände der Griechen gefallen. Aber es waren Mazedonier, die all die Kultur schufen und Bauwerke wie die Akropolis errichteten. Der wichtigste Beweggrund, der hinter unserem Konzeptalbum steht, ist unsere Hoffnung, daß sich die Mazedonier irgendwann gegen jene erheben, die ihr Land zerstört haben.«

Aha. Passend zu den von Gorgoroth interpretierten geschichtlichen Fakten hat man dem Album ein 20seitiges Booklet beigefügt, in dem wir historische Texte, Farbbilder, alte Landkarten und Biographien mazedonischer Herrscher finden. Was aber motiviert einen australischen Musiker, sich derart intensiv mit einem Teil der europäischen Geschichte auseinanderzusetzen?

»Ich bin mazedonischer Abstammung, und ich bin jedesmal wütend, wenn ich lesen muß, daß wir angeblich Griechen sein sollen. In den Zeiten von Alexander dem Großen gab es kein Griechenland. Wenn Alexander und sein Vater Griechen gewesen sein sollen, wieso haben sie dann die Athener in der Schlacht von Chaeronea im Jahr 338 besiegt?«

Woher soll ich das wissen?

»Irgendwann werden die mazedonischen Legionen auferstehen und ihr eigenes altes Land wieder zusammenfügen.«

Eine ausgesprochen interessante Form von Heimatliebe und Fanatismus, zweifelsohne. Doch zurück zum Sound von BALTAK und zu dem Versuch, eine Band weltweit bekannt zu machen, die kein finanzstarkes Label im Rücken hat.

»Ich habe mein eigenes Label gegründet, es heißt Battlegod Productions. Außer BALTAK sind die italienischen MORTIFIER sowie mein Side-Project BUIO OMEGA bei Battlegod. In Deutschland haben BALTAK bereits 1.500 Alben verkauft. Ein weiterer guter Markt für uns ist Südeuropa, vor allem der mazedonische Raum.«

Das hätten wir uns denken können. Bist du darüber informiert, daß du deinen Namen mit einer norwegischen Black Metal-Band teilen mußt?

»Freilich. Gemeinsam mit einem Schlagzeuger namens Vulk startete ich 1988 ein Projekt namens Gorgoroth. Wir veröffentlichten zwei Demos und lösten uns kurz darauf auf. Eigentlich wollte ich danach eine reguläre Band unter dem gleichen Namen gründen, als ich von den Norwegern erfuhr. Da mich aber jeder in der australischen Szene unter dem Namen Gorgoroth kennt, benutze ich ihn als mein Pseudonym. Mein wahrer Name darf nicht bekannt werden, da ich wegen meiner politischen Mission viele Gegner habe.«

Manchmal glaube ich doch, daß es einer gehörigen Portion an Verrücktheit bedarf, um sein Image derart gnadenlos durchzuziehen. Trotzdem: Gebt BALTAK eine Chance, auch wenn ihr Griechen seid!