Online-MegazineInterview

SIMON WRIGHT - Klein, aber oho!

Als Simon Wright Phil Rudd 1983 nach den Recording-Sessions von „Flick Of The Switch" ersetzte, war er gerade 20 Jahre alt. Ein Jahr später trommelte er auf dem Monsters Of Rock-Festival in Castle Donington. Im Januar 1985 trat der Sympathicus ungerührt vor ungefähr 350.000 Leutchen beim ersten „Rock in Rio"-Festival in Brasilien auf. Es folgten drei Scheiben mit AC/DC - „Fly On The Wall" (´85), drei Songs der Originalaufnahmen von „Who Made Who" (´86) und „Blow Up Your Video" (´88) -, bevor er sich 1989 aus freien Stücken DIO anschloss. Danach arbeitete das Musterbeispiel an Bescheidenheit für RHINO BUCKET, John Norum, UFO, MOGG/WAY und wiederum mit dem Ex-Sänger von RAINBOW und BLACK SABBATH, für dessen letztes Album „Magica" er das Fundament legte.

 

Während der letzten Europatournee von DIO hast du mit Mitgliedern von IRON MAIDEN, darunter Bruce Dickinson, am Ende des Gigs in Antwerpen (3. Mai 2000) gejammt. Erzähl doch mal.

 

 »Wir haben ´Rainbow In The Dark´ mit Nicko (McBrain, dr.) gebracht, bevor Bruce bei ´Mob Rules´ und ´Man On The Silver Mountain´ zu uns gestoßen ist. Janick Gers und Adrian Smith waren auch da, sind aber nicht auf die Bühne gekommen. Wir sind alle schon seit Jahren gute Kumpels. Ich war entzückt, sie wiederzusehen, und ich konnte es kaum erwarten. Eine tolle Überraschung.«

 

Du hast ja früher schon mal während einer Convention mit Bruce gejammt...

 

»Ja, stimmt - auf dem Foundations Forum in L.A. Wir haben BLACK SABBATH-Songs gecovert. Ich erinnere mich, dass Bill Ward gekommen ist und dass ich mich gefreut habe, ihn auch mit seiner eigenen Band spielen zu sehen. Bill ist und bleibt einer meiner Helden. Ich halte sehr viel von ihm. Und unser Treffen hat bestätigt: Das ist ein Klassetyp, authentisch, echt. Er führt sich nicht auf wie ein Star und hält sich nicht für einen Drummer-Helden. Ich schätze Bescheidenheit sehr. Außerdem stammen wir beide aus den Midlands in England: Er kommt aus Birmingham, ich aus Alden. Wir haben also einiges gemeinsam. Kaum verwunderlich also, dass wir uns so gut verstehen.«

 

Wer sind die anderen Helden deiner Jugend gewesen?

 

»Als Jugendlicher habe ich viele Drummer im Fernsehen gesehen: natürlich John Bonham von LED ZEPPELIN, aber auch Brian Downey von THIN LIZZY, der immer exzellent war, und nicht zu vergessen RUSHs Neal Peart, den ich für ein bisschen zu demonstrativ halte, aber trotzdem sehr geschätzt habe. Er ist ein brillanter Techniker, aber ich habe mich immer zu straighteren Drummern hingezogen gefühlt.

Das Trommeln an sich hat mich schon im zarten Alter angezogen. Ich hatte zu dicke Finger, um Gitarre zu spielen, und verbrachte viel Zeit mit Fußball. Also erschien es mir logisch, ein Schlagzeug zu kaufen. Ich brauchte definitiv etwas, um reinzutreten - seien es nun Bälle oder Felle, haha! Ich habe mit ein paar Schulkollegen gespielt, nichts wirklich Ernsthaftes, nur zum Spaß - und als Vorwand, um ein paar Bierchen schütten zu können.«

 

Wann hast du angefangen, die Sache ernsthafter zu betreiben?

 

»Ende ´79, Anfang ´80 - da war ich 16. Ich habe damals in meiner ersten „echten" Band gespielt, Tora Tora. Wir haben etwas Kohle zusamengekratzt und eine eigenfinanzierte Single, ´Red Sun Setting´, von der wir 500 Stück pressen ließen, auf unseren Gigs verkauft. Das ist schon eher in Richtung Heavy Metal gegangen, aber die Gruppe hat sich irgendwann mir nichts, dir nichts aufgelöst.

Ich habe mich dann einer anderen lokalen Band angeschlossen, A-II-Z, die einen Deal mit Polydor und bereits Erfahrung als Opener von IRON MAIDEN und BLACK SABBATH hatte. Auch da haben wir eine Single rausgebracht: ´I´m The One Who Loves You´, ein Russ Ballard-Cover, einen Song von der Sorte, wie ihn Plattenfirmen so gerne haben. Diese Scheibe ist 1981 bis auf den zweiten Platz der englischen Metal-Charts geklettert. Dann haben wir uns den Opener-Job auf der GIRLSCHOOL-Tour gesichert und zusätzlich einige Headlinershows gespielt. Leider musste ich die Gruppe wegen diverser Schwierigkeiten mit unserem Management aus finanziellen Gründen verlassen. Ich habe allerdings immer guten Kontakt zu ihnen gehalten.

Danach ging mein Weg mal nach rechts, mal nach links. 1983 habe ich TYTAN beim Einspielen einiger Drumparts für ihr Album „Rough Justice" ausgeholfen, das eigentlich schon bei meiner Ankunft fast fertig war. Les Binks, der Ex-Drummer von JUDAS PRIEST, hat auf den meisten Songs getrommelt, deshalb habe ich auch nicht mehr als drei Titel eingespielt. Diese Scheibe ist wegen interner Probleme des Labels lange Zeit - bis 1985 - nicht veröffentlicht worden. Außerdem haben wir nur ein einziges Konzert gegeben - in Belgien! Einen einzigen Gig! Also fragt mich nicht, warum ich die Band verlassen habe, haha!«

 

Und dann wurde es langsam ernst...

 

»Ja, eines schönen Tages hat mir die Freundin von Stevie Gibbs, dem Gitarristen von TYTAN, eine Kleinanzeige gezeigt, die sie entdeckt hatte, und mich gedrängt, mein Glück zu versuchen. Der Name der Band wurde nicht erwähnt, ich hab nur gewusst, dass sie einen Drummer suchten. Ich hab mich also nach London in die Nomis-Studios zu einer ersten Audition aufgemacht: Ein Roadie hat mir Titel von LED ZEPPELIN und ZZ TOP vorgegeben, auf die ich improvisieren sollte. Dann habe ich die AC/DC-Flightcases entdeckt und dachte noch bei mir: „Nee, das können die nicht sein..." Aber zwei Tage später haben die Dinger immer noch da rumgestanden - hmm...

So unglaublich das auch erscheint: Das hat mich gar nicht aufgeregt; ich bin zuversichtlich geblieben. Dann hat man von mir verlangt, ´Back In Black´, ´Whole Lotta Rosie´ und ´Hell Ain´t A Bad Place To Be´ mit AC/DC zu spielen - natürlich sind sie es gewesen - und ich hab den Job an Land gezogen! Ich habe dann zwei Wochen Zeit gehabt, das Material zu lernen, bevor es auf die „Flick Of The Switch"-Tour ging. Erst am Abend des ersten Gigs in Vancouver (Oktober 1983 - Red.) wurde ich nervös.«

 

1989 hast du AC/DC zeitweilig verlassen, um das „Lock Up The Wolves"-Album mit DIO aufzunehmen. Diese Zusammenarbeit entwickelte sich nach und nach zu einem Fulltime-Job, bis du dich entschlossen hast, AC/DC zu verlassen, um fest bei Ronnie mitzumachen. Was hat dich zu dieser Entscheidung veranlasst?

 

»Ich hab einfach eine Luftveränderung gebraucht, wollte mein Spiel weiterentwickeln. Ronnie hat gesagt, ich solle das machen, was ich will. Eine ganz schöne Zwickmühle - das hat mich verrückt gemacht. Aber er hat mir die Wahl und meinen Freiraum gelassen. AC/DC sind sicher eine der größten Rockbands der Welt; sehr beliebt und das Beste auf diesem musikalischen Sektor. Aber Malcolm und Angus lassen ihrer Rhythm-Section, also Drums und Bass, nicht viel kreativen Spielraum. Da fühlst du dich - trotz deiner Technik und deiner spielerischen Fähigkeiten - ganz schnell untergebuttert. Möglicherweise haben sie nach acht Jahren sogar selbst gespürt, dass ich meine Motivation verloren hatte. Das war auch wirklich der Fall; ich begann mich zu langweilen.

Ich glaube, ich habe die richtige Entscheidung getroffen - sowohl für sie als auch für mich. Es war besser so. Ich bin also abgehauen, um mit DIO aufzunehmen. Das war definitiv mehr die Richtung, die ich einschlagen wollte.«

 

Wie hast du Ronnie kennengelernt?

 

»Auf dem Monsters Of Rock 1984, ich glaube in Karlsruhe (1. September - Red.). Es sind ´ne Menge Leute backstage gewesen, einfach alle: VAN HALEN, die SCORPIONS, MÖTLEY CRÜE, ACCEPT usw. Was ein phantastisches Billing! Ich habe Ronnie getroffen, wir haben lange gequatscht und sind seitdem in Kontakt geblieben. Er ist der Pate meiner Tochter, wir sind uns sowohl über die Musik als auch freundschaftlich verbunden. Deshalb macht es mir so einen Spaß, jetzt wieder mit ihm zu spielen. Das Abenteuer „Lock Up The Wolves" ist seinerzeit ja etwas abrupt und holterdiepolter eingespielt worden, und das wollte ich nicht so auf mir sitzen lassen. Ich sage jedoch nicht, dass Ronnie damals eine falsche Entscheidung getroffen hat: Wer kann der Versuchung, bei BLACK SABBATH mitzumachen, schon widerstehen? Aber ich gestehe, dass ich ein bisschen enttäuscht gewesen bin, obwohl ich seinen Wunsch, „Dehumanizer" aufzunehmen - übrigens ein gutes Album -, durchaus verstanden habe.«

 

Hat er versucht, dich bei BLACK SABBATH unterzubringen?

 

»Nein, das glaube ich nicht. Schließlich saß Vinnie Appice schon hinter der Kiste. Und außerdem denke ich nicht, dass mein Stil zu BLACK SABBATH gepasst hätte.«

Du hast dann ein eigenes Projekt namens Mister Rude gestartet, bevor du dich zur allgemeinen Überraschung bei RHINO BUCKET eingeklinkt hast, einer Band, die viele als AC/DC-Klon bezeichnen. Warum diese Wahl?

»Ich habe nur akzeptiert, weil ich damals Zeit hatte und die Jungs extrem nett sind. Aber sie haben dann ihren Deal bei Warner verloren, und ich glaube, dass sie nicht mehr den rechten Bock gehabt haben. Wir haben 1994 trotzdem das „Pain"-Album rausgebracht. Dann hat der Manager von Michael Schenker mich kontaktiert, wir haben drei, vier Monate regelmäßig telefoniert, und dann hat sich Michael entschlossen, UFO zu reformieren. Er ist nicht sicher gewesen, ob Andy Parker seinen Job machen würde. Also haben sie mich angerufen, und ich habe in den Staaten mit ihnen getourt. Das hat mich total umgehauen! Bei der Setlist von „Strangers In The Night" in Chicago mitgemacht zu haben, gehört zu den besten Erinnerungen meiner Karriere.«

Nach dieser Live-Erfahrung mit UFO hast du mit dem Ex-Gitarristen von Europe, John Norum, „World Away" aufgenommen, das 1996 erschienen ist.

»Ja, ich wollte da sogar noch mehr machen und touren, aber nach dem Einspielen des Albums habe ich den Kontakt zu ihm verloren. Das Ganze hat sich verflüchtigt. Ich habe nicht wirklich versucht, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Mikkey Dee, der Drummer von MOTÖRHEAD, ein guter Freund von mir, wohnt genau wie Norum in Schweden und konnte mir bislang auch nichts Neues über ihn berichten.

Trotzdem ist es gut gewesen, das Album zu machen. John ist ein großer Michael Schenker-Fan. Wir haben uns während eines UFO-Gigs getroffen. Da hat er mir vorgeschlagen, mit ihm ins Studio zu gehen. Ich habe kein einziges seiner Alben gekannt, aber er schien mir cool zu sein, also hab ich zugesagt. Und ich bereue es nicht, dann so konnte ich mit Kelly Keeling (Sänger der Michael Schenker-Band) und Peter Baltes (Ex-Bassist von ACCEPT) zusammenarbeiten.«

 

Bei dieser Gelegenheit - wie auch bei RHINO BUCKET - hast du einige Songs komponiert. Eine Freiheit, die man dir nicht oft gewährt hat...

 

»Ja, aber das wird in meinen Augen übertrieben. Ich verstehe schon, dass einige Songs, egal wie gut sie auch geschrieben sein mögen, halt nicht viel beitragen. Bei AC/DC zum Beispiel war es undenkbar, mich am Songwriting zu beteiligen - und sei es nur für einen Titel. Alles ist bereits fix und fertig gewesen. Aber bei RHINO BUCKET und John Norum hatte ich die Chance, auf meine Art kreativ zu sein - und natürlich ließ ich mich nicht lange bitten, haha!«

 

Ende 1997, Anfang 1998 warst du noch mal mit UFO auf Tour. Welche Erinnerungen hast du an diese Europa-Tour mit Schenker & Co.?

 

»Schöne Erinnerungen, was sonst? Es sind phantastische Musiker. Und wir haben uns untereinander gut verstanden. Ich bin ein Fan der Band gewesen, seitdem ich die Live-Mystik von „Strangers In The Night" gehört hatte: Es gab zwar Synthie-Teppiche, aber die Musik war immer zutiefst heavy, die Gitarren schneidend intensiv, gut präsentiert, und die Songs immer melodisch. Ich bin sofort ihrem Charme verfallen. Und dann mit ihnen zu spielen...

Wir haben dank Michaels Beziehungen eine Menge Gigs in Deutschland gespielt, in brechend vollen Hallen. Egal, wo wir in Europa gespielt haben - man hat uns einen tollen Empfang bereitet. Die Fans waren begeistert, die Band wieder zusammen zu sehen. Vielleicht hätten sie lieber Andy Parker, den Originaldrummer, hinter der Schießbude gesehen, aber der hatte keine Lust mehr aufs Touren. Andy hat, soweit ich weiß, während der Zeit, als wir auf on the road waren, eine kleine Firma in London gegründet - so was wie eine Tischlerei. Er stellt Möbel her. Wie dem auch sei: Seine Abwesenheit war für mich ein Geschenk des Himmels, haha!«

 

Du tauchst auf der Live-Platte „Werewolves Of London" auf, einem Projekt, das auf Initiative von Pete Way erschienen ist, das die Band, Phil Mogg an der Spitze, jedoch seit seiner Veröffentlichung verleugnet. Warum?

 

»Diese Scheibe ist nichts anderes als ein grober Livemitschnitt einer unserer Shows. Nicht, dass wir schlecht spielen - obwohl wir auch bessere Konzerte gegeben haben -, aber es ist nichts anderes als ein Bootleg, was auch nach reiflicher Überlegung einfach zu enttäuschend ist. All das wird, glaube ich, aber auch im Album-Booklet erklärt. Es stimmt, dass Phil das Teil nicht leiden kann und sich geweigert hat, damit in Verbindung gebracht zu werden. Und ganz offen gesagt - ich denke fast dasselbe wie er: Ich bedaure, dass mein Name auf der Platte auftaucht.

Wie auch immer: UFO haben danach ein weiteres Studioalbum veröffentlicht. Das zeigt, dass diese zweifelhafte Live-Doppelscheibe keinen negativen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung der Band gehabt hat. Auf jeden Fall muss man bei UFO immer mit dem Schlimmsten rechnen. Auch vor meiner Zeit ist nicht ein Tag ohne irgendeinen „Skandal" in der Band abgelaufen, haha! Ich hab mich immer da rausgehalten. Meine Devise war: Die sollen das doch unter sich ausmachen. Aber diese Spannungen haben immerhin den Grundstoff für phantastische Musik geliefert. Ganz so schlecht können sie also nicht gewesen sein...«

 

Was ist 1989 in Japan passiert? Warum wurde die „Walk On Water"-Tour plötzlich abgesagt?

 

»Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Und ich weiß auch nicht, warum es so gekommen ist. Wir haben in Osaka gespielt, danach in Nagoya, bevor wir uns nach Tokio begeben haben, wo wir dreimal in ausverkauften Hallen spielen sollten. Am ersten Abend hörte Michael nach fünf Songs auf. Nicht mittendrin in einem Song - er hat bis zum Ende des Songs gewartet und einfach nicht mehr weitergemacht. Er hat ins Mikro gesagt, dass es ihm unmöglich sei, weiterzuspielen, hat dann seine Gitarre abgenommen und ist von der Bühne gegangen.«

 

Hast du das kommen sehen?

 

»Nein, auf keinen Fall. Sicher, wir sind ganz schön kaputt gewesen, aber auch nicht mehr als bei jeder anderen Tour. Ich weiß nicht, was er da gehabt hat.«

 

Wie hast du reagiert?

 

»Tja, da saß ich nun und wusste nicht, was ich tun sollte. Ich hatte vorher noch nie so was erlebt. Klar, ich bin extrem enttäuscht gewesen und habe nach Gründen für das Geschehene gesucht. Pete Way ist auf die Bühne gegangen, um sich beim Publikum zu entschuldigen, um zu erklären, dass Michael sich nicht gut gefühlt habe... Danach haben wir noch eine gute Stunde in unseren Garderoben gesessen, ohne was zu sagen. Das ist es dann gewesen: Wir haben den Rest der Tour absagen müssen. Wir hatten einen Vertrag für ein neues Studioalbum, eigentlich lief alles blendend - und doch war alles umsonst. Äußerst frustrierend. Aber ich habe gewusst, dass ich persönlich nichts daran ändern konnte; also habe ich beschlossen, den Dingen ihren Lauf zu lassen.«

 

Du scheinst Michael immer noch nahe zu stehen...

 

»Wir verstehen uns gut. Aber er hat seinen eigenen Freiraum gebraucht, abseits von uns. Er hat sich während der Streitereien mir gegenüber immer sehr korrekt verhalten. Ich habe großen Respekt vor ihm. Er ist ein Ausnahmegitarrist, bestimmt einer der besten der Welt. All das ist um so frustrierender, weil wir bis zu diesem Gig in Tokio auch als Band gut funktioniert hatten und alles vorbildlich gelaufen ist.«

 

Im November ´97 hast du erzählt, dass du bereits mit den Arbeiten für ein neues UFO-Album in London beschäftigt wärst. Nun, „Covenant" ist 2000 rausgekommen - und du bist nicht dabei - warum?

 

»Ich hätte mit von der Partie sein sollen, aber die Dates der DIO-Tournee standen bereits fest und wären genau in die Mitte der Aufnahmen gefallen. Es bestand die Möglichkeit, dass sie das Album fertigstellen würden, bevor ich mit Ronnie unterwegs gewesen wäre, aber es endete damit, dass sie ihren Studiotermin vorverlegten. Und so konnte ich nicht mitmachen. Mit DIO zu touren, ist für mich wichtiger gewesen, denn „Magica", bei dessen Aufnahme wir eine Menge Spaß gehabt hatten, war gerade rausgekommen. Kurz und gut: UFO haben also ein Album mit Michael aufgenommen, und Aynsley Dunbar hat mich ersetzt. Er hatte bereits mit Michael zusammengearbeitet und war im rechten Moment verfügbar.«

 

Phil Mogg und Pete Way haben dich dann für die Aufnahme des zweiten Mogg/Way-Albums „Chocolate Box" kontaktiert. Eine UFO-Scheibe ohne Schenker?

 

»Tja... Mike Varney ist mit der Produktion betraut worden. Phil und Pete kannten ihn schon lange. Der Gitarrist Jeff Kollman hat uns viele Ideen zu Kompositionen unterbreitet, die wir alle zusammen ausgearbeitet haben. Jeff kann einfach alles spielen, aber er hat sich für Rock entschieden - mit einem Bombenerfolg. Ich habe schon viel schwierigere Aufnahmen gemacht. Wir haben die Sache ziemlich schnell im Kasten gehabt, und ich gestehe, dass ich genug hatte. Wir hatten kein einziges Konzert gegeben, und ich war nicht gerade überzeugt, dass das überhaupt eines Tages passieren würde. Ich habe neulich mit Phil gesprochen, und er hat sich dazu nicht geäußert.«

 

Du warst Teil des ´95er Comebacks von UFO in den USA und du hast sie auch 1997/98 in Europa und Japan begleitet. Ist es nicht frustrierend, dass du auf keinem Studioalbum der Band vertreten bist?

 

»Ja, das hat mich schon enttäuscht. Aber man muss mich verstehen: Die Japan-Tour ist so plötzlich zu Ende gegangen, dass ich dachte, Phil, Pete und Michael würden eine lange Zeit brauchen, um sich wieder zu versöhnen - die Ereignisse gaben mir Unrecht, haha! Aber ich hatte trotzdem Glück. Einige Wochen nach dem Krach bei der UFO-Tour hat meine Frau mit Wendy, der Ex-Frau und Managerin von Dio, gequatscht. Zu dieser Zeit wollte Vinnie Appice Ronnie verlassen, um zu BLACK SABBATH zurückzukehren. Dio hat sich also auf die Suche nach einem neuen Drummer begeben und mich logischerweise rekrutiert: Ich bin ja schon 1990 und ´91 dabei gewesen. Ich kannte seine Stücke in- und auswendig, das war also leicht für mich. Na ja, nicht ganz so leicht; ich musste mir ja die neuen Stücke von „Magica" draufschaffen, aber ich hatte die Klassiker der Band schon parat. Und was noch wichtiger war: Ronnie hatte Vertrauen zu mir. Also konnte ich mich binnen weniger Tage wieder einarbeiten. Das hat immer perfekt funktioniert und hätte wohl auch ohne Probe hingehauen, selbst wenn wir das Programm nicht einmal vor unserem Auftritt im Hard Rock Café in Las Vegas durchgespielt hätten.«

 

Wie ist es gewesen? Und wie ist es jetzt, mit Ronnie zu spielen?

 

»Genial. Wirklich brillant! Ich bin immer ein Fan von Dio gewesen. Er ist ein großer, weiser Mann. Und für mich hat er die schönste Rockstimme dieses Planeten. Er hat mit den Jahren nicht verloren, ist immer noch kraftvoll - so was wie der letzte Highlander. Er gibt ein Konzert nach dem anderen, und seine Stimme ist immer noch super. Er hat noch nie einen Gig wegen stimmlicher Probleme abgesagt. Für mich ist er ein Musiker, der seines Namens wirklich würdig ist, er ist ein echter Performer. Er gibt alles für seine Kunst.«

 

Hast du als Heranwachsender mal davon geträumt, mit Dio zu spielen?

 

»Natürlich! Wenn du anfängst, ein Instrument zu spielen, stellst du dir vor, mit deinen Idolen zu spielen. Ronnie war ein Gott für mich. Ich bin voll auf seine Stimme abgefahren, und als ich „Rainbow On Stage" gehört habe, hat mich die Platte umgehauen. Also habe ich in den Plattenläden gestöbert und so nach und nach seine Karriere nachverfolgt, von Elf bis Rainbow.«

 

Mit Dio hast du an der Seite von drei total unterschiedlichen Gitarristen gespielt: Rowan Robertson, Tracy G und Craig Goldie. Was hältst du von ihnen?

 

»Rowan war damals noch sehr jung. Er war gerade mal 17. Ich konnte mich damals nicht groß mit der Band bekannt machen - nach zwei mickrigen Wochen Proben sind wir ins Studio gegangen. Rowan ist ein talentierter Gitarrist, sehr beeinflusst von unterschiedlichsten Leuten wie Jimi Hendrix und Tony Iommi. Tracy ist ein super Typ, wirklich cool. Er hat mir sehr geholfen, mich zu integrieren. Ich hatte nicht mehr als zwei, drei Tage, um das neue Material zu lernen, und er hat ganz schön viel Zeit mit mir dabei verbracht, die Titel auseinanderzupflücken. Er hat es geschafft, dass ich mich wohlgefühlt habe. Sein Stil ist von dem Rowans sehr verschieden, sehr original, roh, heavy.«

 

Die Puristen haben ihn nicht so recht akzeptiert...

 

»Das stimmt, aber ich bin immer mit den Fans uneins gewesen, was diesen Punkt anbelangt. Er hat versucht, Dio dazu zu bringen, klanglich neue Wege zu gehen, was, wie mir scheint, eine gute Sache gewesen ist - ein frischer Wind sozusagen. Aber die Fans wurden nicht damit warm. Das ist schade, weil Tracy ein guter Mann ist. Ich glaube einfach, dass sein Stil nicht „klassisch" genug ist, nicht genug „Blackmore-mäßig" um die Die-hards zu überzeugen. Deshalb bleibt er trotzdem ein erstklassiger Musiker.

Was Craig betrifft, so ist er exakt das Gegenteil von Tracy. „Klassischer" geht´s nicht mehr. Er ist Blackmore- und Jeff Beck-Fan...«

 

Wie sind die Aufnahmen zu „Magica" gelaufen - dem Album, das die Rückkehr zu den Wurzeln markiert?

 

»Wir haben wirklich entspannt gearbeitet, in einer extrem lockeren Atmosphäre. Wir haben über Craig gesprochen, aber das Arbeiten mit einem Musiker vom Kaliber eines Jimmy Bain hat mir auch sehr viel gebracht; er ist schließlich einer jener Leute, die über Jahre hinweg im Kielwasser der Band dabei gewesen sind. Wir hatten uns vorgenommen, mit einem von diesen Vieren zusammenzuarbeiten. Gesagt, getan: Er ist superzuverlässig, solide wie ein Fels. Er hat eine illustre Vergangenheit und schon mit einigen Bands gespielt... Die Fans verlangen nach ihm, denn er ist lange weg vom Fenster gewesen. Es ist cool, ihn heute wieder lächelnd auf der Bühne zu sehen.«

 

Mit wem würdet du noch gerne live spielen oder aufnehmen?

 

»Ich hoffe vor allem, dass ich in den nächsten Jahren nicht die Band wechseln werde, haha! Ich möchte nicht am Cozy Powell-Syndrom leiden, Gott hab ihn selig. Ich will einfach so lange wie möglich an einer Stelle bleiben. Diese Stabilität fehlt mir. Okay, ich habe es selbst entschieden, AC/DC zu verlassen. Aber das ist wirklich das einzige Mal in meiner Karriere gewesen, dass ich freiwillig eine Band verlassen habe, ansonsten haben sich die Kapellen immer aufgelöst.«

 

Ist es eine mutige oder eher egoistische Geste gewesen, AC/DC zu verlassen?

 

»Ich würde sagen: eine egoistische. Denn ich habe nach bestem Wissen und Gewissen entschieden. Und das hat die Leute nicht schlecht überrascht, die nicht verstehen konnten, wie jemand freiwillig eine Band verlassen kann, die so groß und etabliert ist. Manche haben mich bestimmt für wahnsinnig gehalten. Vielleicht bin ich das auch - aber man muss sich im Leben entscheiden, wissen, was man will, und auf sein Herz hören. Das habe ich getan.«

 

Bereust du das manchmal?

 

»Nein, nie. Ich habe mich total gefreut, sie auf der „Ballbreaker"-Tour mit Phil Rudd wiederzusehen, denn so habe ich die Band am Anfang gekannt. Nein, ich denke nicht daran, irgendwas zu bedauern. Man muss nach vorne schauen, nicht stehen bleiben. Sie werden immer eine phantastische Rockband für mich bleiben.«

 

Interview: Philippe Lageat

Übersetzung: Dani Lipka

Bearbeitung: Matthias Breusch

Photos: Marc Villalonga

 

 

Discographie Simon Wright (ohne AC/DC):

 

TORA TORA

„Red Sun Setting * Highway (Shooting Like A

Bullet)" (Single, 1980)

 

A-II-Z

Single „I´m The One Who Loves You * Ringside Seat" (Single, 1981)

 

TYTAN

„Rough Justice" (1985, aufgenommen 1983)

 

DIO

„Lock Up The Wolves" (1990)

„Magica" (2000)

 

RHINO BUCKET

„Pain" (1994)

 

JOHN NORUM

„Worlds Away" (1996)

 

UFO

 

„Werewolves Of London" (live, 1998)

„Covenant" (2000, Bonusscheibe „Official Live

Bootleg")

 

MOGG/WAY

„Chocolate Box" (1999)

 

„Thunderbolt: A Tribute To AC/DC" (1997, drei Tracks mit diversen Gästen)