Online-MegazineInterview

PYOGENESIS

13 Jahre Päuschen

PYOGENESIS

Da der Platz im Heft begrenzt war, PYOGENESIS-Fronter Flo V. Schwarz aber noch viel mehr zum aktuellen Album „A Century in The Curse Of Time“ zu sagen hatte, kommt hier die Online-Fortsetzung der Story aus Rock Hard Nr. 340.
Worauf bezieht sich der Titel 'The Best Is Yet To Come', und glaubst du, dass für PYOGENESIS das Beste erst noch kommen wird? Welche Pläne habt ihr nun, mit dem neuen Album im Rücken?


»Ist dir schon mal aufgefallen, dass die Vorfreude auf etwas viel schöner und umfangreicher ist, als das eigentliche Erlebnis? Die immer wieder aufkommenden Gedanken und die Vorstellung von etwas, das in der Zukunft liegt treibt die Menschen an. „A Century In The Curse Of Time“ ist ein Konzeptalbum, das sich mit dem Wandel der Gesellschaft im 19. Jahrhundert beschäftigt. Flächendeckende Verbreitung von Fabriken und dem aufkommenden Proletariat, Bürgertum – also Besitz ohne adelig zu sein –, die Bedeutung der Uhr, Philosophie und Technik haben die Gesellschaft nachhaltig verändert. Wenn wir glauben, dass Internet und Handys die Welt verändert haben, ist das mit den Neuerungen des 19. Jahrhunderts nicht gleichzusetzen. Die gesamte zivilisierte Welt hat sich zu dieser Zeit verändert, wie nie zuvor, und seither nicht wieder. 'The Best Is Yet To Come' spiegelt die Begeisterung der Bevölkerung für das Neue und Ungewisse, die mit Hoffnung beladene Veränderung wieder. Ob das Beste für PYOGENESIS die Zukunft oder Vergangenheit bereithält, wird sich zeigen. Ich wäre mit dem Niveau von vor der Pause sehr zufrieden, und dieses Ziel scheint nicht in allzu weiter Ferne. Wünscht uns Glück!«

Wie war es für euch, nach so langer Zeit wieder ein PYOGENESIS-Album anzugehen? Habt ihr euch im Proberaum getroffen, oder eher Ideen, Songfragmente oder sogar fertige Songs hin und her geschickt? 



»Ich habe eigentlich schon länger an neuem Material gearbeitet, allerdings ohne das konkrete Ziel, ein neues Album zu machen. Irgendwann wurde mir allerdings klar, wohin die Reise geht, und dass es eine neue PYOGENESIS-Platte wird. Wie auch bei den letzten Veröffentlichungen habe ich die Songs und Texte allein geschrieben, insofern hat sich eigentlich nichts verändert. Es gab eben nur ein kleines, 13 Jahre andauerndes Päuschen.«



Kann man in eurem Fall eigentlich von einer Reunion sprechen, oder ist es doch eher ein Comeback? Sprich, habt ihr euch zu irgendeinem Zeitpunkt gesagt, jetzt ist Schluss mit der Band?



»Wir haben uns ja nie aufgelöst, sondern nur 13 Jahre kein Album veröffentlicht. Insofern ist es eher ein Comeback als eine Reunion. Ich hatte während der Pause zwar keine konkreten Pyogenesis-Pläne, wollte mir aber weitere Arbeiten mit der Band offenhalten, ohne mich der momentan so beliebten Marketingmaschine „Reunion“ bedienen zu müssen. Dieser geht ja in jedem Fall eine Auflösung voraus, welche in der Regel mit großem Pathos und Lobgesängen auf die eigenen Fans vorgetragen werden, die dann bekanntermaßen ja immer die Besten waren. Bedeutungsschwanger werden Bands auf der Bühne öffentlich mit großer Ausdrucksfülle zu Grabe getragen, um gerade mal vier bis sieben Jahre später – und das noch nicht mal kleinlaut ob der verfehlten eigenen Abschaffung – zurückzukommen. Diese Peinlichkeit ersparen wir sowohl den Leuten, die uns immer mochten und das auch in Zukunft tun sollen, als auch uns selbst. Man möge uns die Vorgehensweise entgegen dieser modischen Norm nachsehen.«

Ihr habt eure erste Show nach langen Jahren in Rumänien gespielt. Generell hat es den Anschein, dass ihr in Osteuropa deutlich populärer seid. Was glaubst du, woran liegt das?




»Wir haben nahezu auf der ganzen Welt Platten veröffentlicht und live gespielt. Die Comeback-Show in Rumänien hat gut in unsere Planung gepasst. Wir hatten aber auch Angebote aus Mexiko und Russland, die wir aber aufgrund der Entfernungen erst mal hinten angestellt haben. Diese Länder und Mitteleuropa werden wir nach und nach besuchen. Wir wollen aber grundsätzlich nicht mehr so viel wie früher spielen. Es gab Zeiten, da haben wir bis zu 150 Shows im Jahr gespielt und versucht, jedes Land angemessen zu berücksichtigen. Du kannst dir vorstellen, wie viel einem nach Abzug von Reisetagen und Day-Offs am Ende noch für Zuhause bleibt. Der Wirkungsradius vieler Bands aus Deutschland, insbesondere derjenigen, die auf einem Major veröffentlichen, begrenzt sich allein auf Deutschland, vielleicht noch Österreich und die Schweiz, das kennst du ja selbst. Und das liegt nicht am Willen der Bands, natürlich gehört dazu auch Glück und eine Plattenfirma, die an dich glaubt und auch im Ausland investiert. Diejenigen, die über Jahre hinweg auch im Ausland unterwegs sind, stellen nicht unbedingt die Mehrheit dar. Ich denke darauf bezieht sich deine Einschätzung.«

www.pyogenesis.com/