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ZAKK WYLDE

Berlin, Passionskirche

ZAKK WYLDE

Ursprünglich nicht auf dem Tourplan des Gitarrenmeisters, wird dieser Termin während der schon laufenden Tour nachgebucht. Da die Passionskirche in Berlin in der Vergangenheit bereits des Öfteren Ort für stimmungsvolle und intime Konzerte war, verspricht der Gig also schon aufgrund der Örtlichkeit etwas Besonderes zu werden.

Nach recht pünktlichem Einlass überrascht als erstes, dass trotz des Ambientes alles so wie bei einer „üblichen“ Rock-Show vorzufinden ist. Das heißt, es wird Flaschenbier am Tresen ausgegeben (ohne Pfand, ohne Plastikbecher!), und links neben dem Altar zeigt sich der Merchstand mit diversen Erzeugnissen, die leider wie üblich (mit zum Beispiel 30 Talern für ein Shirt) insgesamt im Bereich „ärgerlich“ liegen.

Zur Show: Anheizen darf die vielleicht dem einen oder anderen von YouTube bekannte Solo-Pianistin Vika Vermolyeva. Neben diversen Coverstücken (u. a. ‚Master Of Puppets‘, ‚In This River‘ oder ‚Reign In Blood‘) wird auch eine Eigenkomposition mit Namen ‚The Storm‘ dargeboten, bei der zumindest mir das Intro an das gleichnamige Instrumental von Savatages „The Wake Of Magellan“ angelehnt vorkommt. Insgesamt jedoch eine gelungene, energische, wenngleich auch ungewöhnliche Darbietung, die aber durchaus auf offene Ohren im Publikum stößt.

Leider wird die nun entfachte Stimmung durch eine unnötig lange Umbaupause zunächst wieder im Keim erstickt, um dann beim Beginn des Intros bei gedimmten Licht sofort in Begeisterung umzuschlagen. Das Schlagzeug mittig auf der Bühne, eingerahmt von zwei Stellwänden mit Motiven aus dem aktuellen Albumartwork und dezenter, aber effektiver Beleuchtungsanlage (vom Boden aus) bieten den Rahmen für die sich anschließende Performance – und die hat es mehr als in sich. Als Meister Wylde die Bühne betritt, gibt es kein Halten mehr. Der Mann ist schlicht eine Erscheinung - und zudem offenbar auch wieder fitter und lebendiger als noch vor einiger Zeit. Mit ‚Sold My Soul‘ von „Book Of Shadows I“ legt die Band fulminant los. Das Stück wird durch ein ausladendes Solo mal eben auf deutlich über zehn Minuten ausgedehnt, wobei Zakk, eskortiert von Roadies und zwei Securities (oder waren es Messdiener?), in den Mittelgang der Kirche läuft, um inmitten der Fans zu spielen. Hautnah und zum Anfassen. Es folgen mit ‚Autumn Changes‘ und ‚Tears Of December‘ zwei Stücke vom aktuellen Album, die sich nahtlos einreihen und ebenso Zuspruch finden. Insgesamt sind beachtliche acht Stücke von „Book Of Shadows II“ in die Setlist gerutscht. Mit ‚The King‘, ‚Lost Prayer‘ und ‚Sleeping Dogs‘ wird der Set gar im Dreierpack beendet, bevor erneut begeisterter Applaus aufbrandet. Dazwischen geht es vor allem bei ‚Throwing It All Away‘ und ‚Dead As Yesterday‘ auf eine emotionale Reise in Richtung Tränendrüsen, wobei ‚Throwing It All Away‘ erneut mit einem stark verlängerten Solo aufgepeppt wird. ‚Between Heaven And Hell‘ darf natürlich nicht fehlen, ebenso wenig ein erneuter Ausflug in alle drei unteren Bereiche der Kirche, um wieder nah bei den Fans zu sein. Soweit zum Boss, aber besondere Erwähnung sollen auch seine drei fantastischen Mitstreiter erhalten, allen voran Keyboarder/zweiter Gitarrist und Sänger Dario Lorina (Ex-Lizzy-Borden). Der Mann zockt bei zwei von Zakk am Piano gespielten Songs die Soli und sticht den Meister vom Feeling her beinahe aus. Die Backing Vocals sitzen punktgenau und werten das ganze Set nochmals auf. Basser John DeServio ist der Sympathiebolzen (ein netter Gag am Rande sind seine Bassseiten in Deutschlandfarben)  und gemeinsam mit Jeff Fabb (u. a. Ex-In This Moment und Filter), der stoisch, gänzlich unbeeindruckt und technisch versiert glänzt, das groovende Fundament. Kurzum – ein wirklich einmaliges Konzerterlebnis, das gern noch zwanzig Minuten länger hätte gehen dürfen. Einziger (persönlicher) Wermutstropfen der Setlist: Kein ‚Spoke In The Wheel‘ – der Song, der laut Zakk damals der Startschuss für die Black Label Society war. Und da Band und Crew geschlossen in BLS-Kutten und -Shirts auftraten, hätte das Teil auch gern noch kommen dürfen. Aber was soll’s, alles geht halt nicht. Auch so ist das hier allererste Sahne. Hoffentlich müssen wir nicht wieder 20 Jahre auf eine weitere Konzertreise warten.