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WATAIN, DEGIAL

Oberhausen, Resonanzwerk

Die geballte Schweden-Power wütet derzeit über Europa und hinterlässt nichts als Chaos und Blasphemie. Das Resonanzwerk in Oberhausen ist erst der zweite Halt auf der vierwöchigen Tour von WATAIN, die als Vorprogramm ihres Rituals ein mächtiges Todes-Quartett mit auf die Reise genommen haben.

DEGIAL machen nämlich den Anfang und entern ohne große Ankündigung, jedoch mit voller Wucht die Bühne. Feinster Old-School-Death wird hier einer angenehm großen, aber sehr regungslosen Menge präsentiert – zu Unrecht. Die vier dreckig geschminkten Jungs aus Uppsala präsentieren sich absolut tight, energiegeladen und sollten spätestens mit der wohlbekannten Nummer 'Swarming' die Gemüter zum Kochen bringen. Das funktioniert allerdings nur vereinzelt, dabei ist die technische Versiertheit der Kapelle bemerkenswert: Die Soli sitzen bis in den letzten Ton, die Riff-Vielfalt wirkt gigantisch und die außergewöhnlich vielen, in Sekundenschnelle vollzogenen Rhythmuswechsel zeichnen das Kunstwerk DEGIAL aus. Auf Show geben die Deather um Fronter H. Death gar nichts: Kompromisslos ziehen sie einen Song nach dem anderen durch – anders würde es auch gar nicht in das Konzept passen. Vielmehr ist es grandios, wie einzelne Schlusstöne mit dem Beginn von neuen Songs wie Puzzleteile ineinander greifen. Mit dem Ertönen des Debüt-Titeltracks 'Death's Striking Wings' erreicht der Auftritt seinen Höhepunkt und die Masse wird langsam aber sicher warm mit der Truppe, die ihren unglaublich facettenreich komponierten Death Metal ohne ein Zeichen von Müdigkeit weiterhin zum Besten gibt. Es folgen noch zwei weitere Hymnen, bis der Akt mit 'Temple In Whirling Darkness' ein Ende findet. Zu kritisieren ist nur der teilweise dumpfe, dröhnende Sound, der sich vor allem auf die Gitarren auswirkt und auch dem nachfolgenden Headliner in der ersten halben Stunde nicht zu Gute kommt.

Trotzdem betreten WATAIN nun unter Jubelschreien die Kulisse und beginnen ihr Ritual mit dem Entfachen des Feuers ihrer zwei Dreizacke. Bei zusätzlichem Kerzenschein und von unzähligen Knochen und Schädeln umgeben, läuten die Black-Metaller mit 'Night Vision' ihre Zeremonie ein. Unfassbar, wie verrottet und gar unmenschlich das Quintett um Sänger Erik Danielsson aussieht, der sich nicht nur bei 'Malfeitor' die Seele aus dem Leib kreischt: Er lebt jeden einzelnen Ton und scheint aus seinem tiefsten Inneren eine Höllenbrut zu offenbaren, die Zerstörung und Verstörung über die Welt bringt. „This is the devil's blood“ ertönt es im gefährlichen Ton von Erik, der dabei einen Kelch hebt und sogleich das darin enthaltende Blut der Menge in die Gesichter schüttet. Mehr Worte bedarf es nicht, es ist klar, dass 'Devil's Blood' als Tribut an den kürzlich verstorbenen Musiker und Freund Selim Lemouchi zu verstehen ist. Generell verzichten WATAIN, ähnlich wie DEGIAL, auf große Ansagen, was wunderbar in die alle Sinne einnehmende Atmosphäre passt. Besonders beeindruckend ist, dass die Band trotz steigender Popularität nicht an Authentizität verliert und keine übermäßige Show produziert. Hier geht es darum, das Publikum mit puren, schwarzmetallischen Klängen, Symbolen und Ritualen in ihren Bann zu ziehen – und das gelingt. Nicht nur bei älteren Hits wie 'Total Funeral' und 'Sworn To The Dark' werden die Schweden von Fan-Chören begleitet, sondern auch beim etwas epischeren 'The Wild Hunt' ist die Menge hin- und mitgerissen. Nach etwa einer Stunde findet das Konzert mit 'The Serpent's Chalice' ein Ende. Das Feuer der Dreizacke erlischt, Erik verbeugt sich, pustet die Kerzen aus, die Band verlässt wortlos die Bühne und WATAINs Messe ist vorbei.


SETLIST DEGIAL

Transgressions Of Impious
Swarming
Serpents Tide
Chaos Chant
Death's Striking Wings
Eye Of Burial Tempest
To Darkness
Temple In Whirling Darkness


SETLIST WATAIN

Night Vision
De Profundis
Malfeitor
Black Flames March
Puzzles Ov Flesh
Devil's Blood
Sleepless Evil
Legions Of The Black Light
Total Funeral
The Wild Hunt
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Outlaw
Sworn To The Dark
The Serpent's Chalice

 

Pics: Mandy Malon

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