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WALDGEFLÜSTER, FRIGORIS, A SABLE OPIATE

Essen, Coffee Corner

WALDGEFLÜSTER

Es ist immer wieder toll, abseits der etablierten Schuppen wie dem Turock, der Matrix oder dem Helvete Club neue Läden im Ruhrpott kennenzulernen, wo unabhängig von großen Tourneen Konzerte stattfinden, die beweisen, wie lebendig Underground und Selbstorganisation in dieser Region sind. Das Jugendzentrum Coffee Corner in Essen-Borbeck hat neben einem vielseitigen Alltagsprogramm für Kids auch einen professionell ausgestatteten Clubraum zu bieten, in dem die Besucher am heutigen Samstagabend bei 10 Euro AK und sensationell günstigem Bier dreimal melodischen Black Metal unterschiedlicher Couleur auf die Ohren bekommen.

Vor rund 40 Gästen starten A SABLE OPIATE als lokaler Opener und drücken von der ersten Minute an aufs Gaspedal. Die Instrumentalisten treiben die kantigen, stellenweise an Satyricon in der „Now Diabolical“ und „The Age Of Nero“-Phase erinnernden Songs souverän voran und verzichten dabei auf besondere Posen oder Showelemente. Dafür geht Frontmann Felix umso mehr in der Rolle des Partymachers auf, bleibt viel in Bewegung und heizt die anwesenden, passiven Zuschauer zu mehr Applaus und Esprit an. Die Soundqualität bleibt zwiespältig. Während Gesang und Drums sich dominant durchsetzen, geht die Lead-Gitarre meistens unter und so manche Melodie verpufft. Da man als Band bekanntermaßen nix dafür kann, Daumen hoch an A SABLE OPIATE für den gelungenen Einstieg.

FRIGORIS, seit Jahren in NRW sowie überregional aktiv, haben vor wenigen Wochen ihr drittes Album „Nur ein Moment…“ über Hypnotic Dirge Records herausgebracht. Vom folkigen Anstrich früherer Tage ist anno 2016 nicht viel übrig geblieben – der Sound der Band ist spürbar gereift und wenn man so will, „erwachsener“ geworden. Das neue Material knackt größtenteils die Acht-Minuten-Marke und pendelt sehr stimmungsvoll zwischen schnellem, melodiebetontem Gebretter und melancholisch-romatischen Passagen. Sowohl auf Platte als auch auf der Bühne bleibt der Song 'Himeros' mein Highlight. Harmonien und Blastbeats verschmelzen hier zu einer ergreifenden Einheit. Die Herren von der Tontechnik haben den Gitarrensound inzwischen besser im Griff, stattdessen strapaziert eine stimmresistente Gitarre die Nerven von Sänger und Gitarrist Dominik. Am Ende des Gigs ist es aber halb so wild. Die nun auf 60 zahlende Gäste angestiegene Fangemeinschaft scheint glücklich und feiert das abschließende 'Und Asche rinnt durch meine Hände' vom 2013er-Werk „Wind“.

Die Münchener WALDGEFLÜSTER hatte ich zuletzt vor vier Jahren auf dem Stage Secrets Festival gesehen. Da mich damals andere Bands mehr interessierten, hat die Combo heute eine neue Chance, zu begeistern. Mit „Ruinen“ haben Bandkopf Winterherz und seine Mitstreiter ihr mittlerweile viertes Album veröffentlicht und schöpfen aus entsprechend großem Fundus epischen Black Metals, der ästhetisch stark mit der skandinavischen Natur verbunden ist. Die Show ist im besten Sinne routiniert und bleibt von technischen Pannen verschont. Ein cooles Detail ist, dass alle Bandmitglieder Shirts mit Mustern aus Ästen tragen und doch kein Motiv dem anderen gleicht. Winterherz begleitet das Konzert mit Ankündigungen zum jeweils nächsten Lied und wird mit Headbanger-Enthusiasmus aus den ersten Reihen belohnt. Das kann man schon so machen. Ebenso wie die Coffee Corner als Location weiterzuempfehlen, was ich hiermit definitiv tun möchte.

 

SETLIST FRIGORIS
 
Station
Trúwen
Zwischenwelten
Himeros
Lichtträger
Frühlingsnacht
...und Asche rinnt durch meine Hände
 

SETLIST WALDGEFLÜSTER
 
Weltenwanderer
Herbst befiel das Land
Und immer wieder Schnee
Ruinenfelder
Steinwüsten
Aschephönix