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VINTAGE TROUBLE, DEATH BY CHOCOLATE

Berlin, Columbia Theater

VINTAGE TROUBLE by Danny Clinch

Die Biografie von VINTAGE TROUBLE zeichnet ein Musikmärchen in schillernden Farben: 2011, ein Jahr nach Bandgründung, nimmt Musikmanager Doc McGhee (u.a. KISS, Mötley Crüe) die Jungs aus Los Angeles unter seine Fittiche. Sie eröffnen für The Who, die Rolling Stones und Lenny Kravitz, tingeln durch sämtliche Late-Night-Shows, spielen bei Paul Stanley und Whoopi Goldberg zum Geburtstag auf – nebenbei veröffentlichen sie zwei Alben und verkaufen zahlreiche Headliner-Shows aus. Die aktuelle Europatour bietet Gelegenheit, sich vom rasant gewachsenen Phänomen VINTAGE TROUBLE live zu überzeugen.

Im Vorprogramm schlagen DEATH BY CHOCOLATE eine Brücke zwischen Indie-Sound und (Retro-) Rock’n’Roll – zwischen Black Rebel Motorcycle Club, The Raconteurs und den Arctic Monkeys. Die Schweizer bringen Live-Erfahrung, Spielfreude und Souveränität mit und heizen dem Publikum mit Songs wie 'Virgin Killer' bereits gut ein. So weit, so nett. Mein Fuß wippt im Takt, aber mitreißen will mich die Band nicht. Bislang kommen DEATH BY CHOCOLATE zu glattgebügelt und zahm daher - es fehlt etwas Erdiges, Eigenständiges.

Intro, Aufwärmphase - nicht mit VINTAGE TROUBLE. Bereits beim Opener 'Total Strangers' vom Debüt „The Bomb Shelter Sessions“ kocht der Saal. Der in den späten 1950ern und 1960ern verwurzelte Mix aus Rhythm and Blues, Rock’n’Roll und Memphis Soul wird mit so viel Herzblut vorgetragen, dass es gar keine andere Möglichkeit gibt, als sich dem Sound tanzend zu ergeben. Der charismatische Frontmann Ty Taylor steht dabei klar im Mittelpunkt der Show. Er strahlt eine unbändige Kraft und Energie aus, ist kein bisschen weniger Rampensau als James Brown und singt mit einer Intensität, die Erinnerungen an Otis Redding oder Wilson Pickett wachrüttelt.

Das zwischen Slide- und Riff-Gitarre und dem ein oder anderen famosen Solo variierende Spiel von Nalle Colt, der pulsierende Bass von Rick Barrio Dill und das groovige Schlagzeug von Richard Danielson bilden das instrumentale Fundament von VINTAGE TROUBLE. Auch wenn die drei Herren in ihrem feinen Zwirn wie eine steife, aus der Zeit gefallene Aristokratenbande anmuten, verstehen sie es wie kaum jemand, das musikalische Erbe von Chuck Berry, Ike and Tina Turner sowie Led Zeppelin ins Hier und Jetzt zu tragen. Gastmusiker Brian London verstärkt zudem den Sound durch seine Keyboardklänge.

VINTAGE TROUBLE überzeugen in leisen, balladesken ('Another Man’s Words') und lauten, ekstatischen Momenten ('Pelvis Pusher'). Einen Höhepunkt bildet das mit Gospelharmonien gespickte 'Run Like The River', in dem Sänger Ty auf den Händen des Publikums durch den Saal surft, ehe die aktuelle Single 'Knock Me Out' das Ende des schweißtreibenden Sets einläutet. Nach zwei Zugaben, darunter 'Nobody Told Me', geht es für das Quintett direkt durch die Menge zum Merchandise-Stand, um noch eine Weile zu plauschen.

Elektrisierend und ansteckend. VINTAGE TROUBLE gelingt es, Menschen zu vereinnahmen und gleichzeitig ein wohlig warmes Gefühl der Gemeinschaft zu erzeugen.