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SPREAD EAGLE, VAIN, BABYLON A.D., KORRY SHADWELL

Bochum, Rockpalast

VAIN

Drei Bands aus den späten Achtzigern, frühen Neunzigern, zwei aus San Francisco, eine aus New York City. Alle drei haben sich zwischenzeitlich mindestens einmal aufgelöst und neue Mitglieder aufgenommen. Jetzt sind sie zurück und spielen gemeinsam zwei Shows in Deutschland unter dem Motto „Back For More“.

Mittwochabends vor der Matrix, es fängt an zu nieseln. Der Soundcheck verzögert sich, darum müssen die Fans trotzdem noch vor der Tür warten. Als sie den Rockpalast betreten können, stehen KORRY SHADWELL, der Support des heutigen Abends, bereits auf der Bühne. Die Frisur der namensgebenden Sängerin erinnert an Dee Snider, sehr zum Vergnügen der eingefleischten Glam-Rock-Fans. Ihre Show ist leider etwas weniger vergnüglich. Korry Shadwell machen nichts direkt schlecht oder falsch, sie covern sogar das weltberühmte 'Tell It To My Heart' von Taylor Dayne, doch das Publikum bleibt recht ruhig, der Funke springt nicht ganz über. Die wenigsten kennen die Songs der Band, der Sound ist so eingestellt, dass die gesungenen Worte nur schwer zu verstehen sind und es fehlt die Energie der später auftretenden Gruppen.

Nach der ersten Umbaupause stehen SPREAD EAGLE auf der Bühne und es scheint, als würden sie noch mal ihre Instrumente testen, als sie plötzlich ohne erkennbaren Übergang mit der Show beginnen. Spread Eagle haben den härtesten Gesang und Groove des Abends. Die ersten Zuschauer fangen an zu headbangen, stellen sich in die erste Reihe und Sänger Ray West reagiert darauf, indem er sein Mikrofon samt Ständer ins Publikum hält. Die Band spielt nur neun Songs, doch am Ende des Slots sind drei von vier Bandmitgliedern oberkörperfrei. Die Hitze breitet sich so langsam im Rockpalast aus. Am Ende gibt es mit 'Revolution Maker' eine Zugabe, dann sind die Adler verschwunden.

Als nächstes sind BABYLON A.D. an der Reihe und es scheint, als würde das Charisma der Sänger mit jedem Programmpunkt steigen. Im Gegensatz zu Spread Eagle treten Babylon A.D. mit Spannung und Lichteffekten aufs Parkett. Sie starten mit 'Back To Babylon' und spielen gleich danach einen ihrer größten Hits, 'Hammer Swings Down'. Mehr und mehr Gäste singen mit. Ihre bekannteste Nummer 'Bang To The Bells' spielen Babylon A.D. in der Mitte des Sets, gegen Ende werden die Fans auch mit 'Kid Goes Wild' glücklich gemacht. Zwar hat die Band eine Setlist vor der Nase liegen, hält sich jedoch nicht zu hundert Prozent daran. Wäre auch Unsinn, denn die geplante Liste enthält sieben Zugaben.

Auch wenn VAIN in den vergangenen Monaten schon ein paar Mal in Deutschland und Europa gespielt haben, freuen sich viele Besucher am meisten auf sie. Als Davy Vain die Bühne ohne Schuhe und Socken betritt, beschwert er sich erst einmal vor Ironie (und Schweiß) triefend darüber, dass er für die Kälte hier falsch gekleidet sei. Optisch die Show stiehlt dem Sänger mit der wirklich einzigartigen Stimme jedoch Bassist Ashley Mitchell, der mit seiner wie aus Flicken zusammengesetzten, blau-und-schwarz-glitzernden Samthose alle Blicke auf sich zieht. Auch hier bestätigt sich die Charisma-These: Davy Vain liebt es, mit dem Publikum zu scherzen. Er schaut sich im Raum nach bekannten Gesichtern um, dann ruft der Sänger in den Raum ohne das Mikrofon zu benutzen. Er ist locker laut genug. Ebenso ein Fan, der ein ungefragtes Stimmsolo einlegt und dafür von allen bewundert wird. Der beste Moment ist, als Davy eine Geschichte über „crazy pussy“ erzählen will, aber permanent vom Sound des hakenden Verstärkers unterbrochen wird, sowie davon, dass jeder lieber dem Techniker bei der Reparatur zusieht. Um die Zeit zu überbrücken, verrät Davy, dass Gitarrist Jamie Scott heute Geburtstag hat und der ganze Raum singt ihm ein Ständchen. Die Verbindung zu den Fans ist da, auch wenn die Texte noch immer nicht gut zu verstehen sind. Leider müssen alle Bands ein wenig hetzen, um rechtzeitig fertig zu sein. Mit 'Beat The Bullet' geben Vain nur eine Zugabe, manch einer hätte gerne mehr gehört. Doch um 23:30 Uhr ist der Spaß vorbei und die Sleaze-Fans dürfen wieder raus in die erfrischende Nachtluft.

SETLIST VAIN

Secrets
Love Drug
Greener
Icy
Down For The 3rd Time
Dark City
Smoke And Shadows
Quick Step To Love
1000 Degrees
No Respect
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Beat The Bullet