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THE GREAT OLD ONES, VYRE, IZAH, PHANTOM WINTER

UNAUSSPRECHLICHE CULTHE III

UNAUSSPRECHLICHE CULTHE III

Die kalte Jahreszeit ist gekommen. In Münster bedeutet das meistens noch mehr Regen und graue Wolken als es ohnehin schon gibt. Das dritte „Unaussprechliche Culthe-Fest“ präsentiert indoor und trocken ein breitgefächertes Line-up zwischen den Stimmungsfacetten Weltall, erdiger Wärme, Winter und antarktischem-Lovecraft-Horror.

Erstaunlicherweise passen die mit einer Divisionsstärke von neun Musikern angereisten VYRE alle auf die im vergangenen Sommer renovierte und vergrößerte Café Sputnik-Bühne. Die Show der Bielefelder geizt nicht mit visueller und akustischer Opulenz. Bunte Space-Optik mit roten Leuchtröhren, gelben Rundumkennleuchten (ja, die heißen so – MS.) und orange-blauen Raumanzügen zeigt, dass die Band sich und ihr Image mit genug Ironie betrachtet und damit nicht albern wirkt. Ihr progressiver Black Metal wartet hingegen mit ernsthaften, vielseitigen, wenn auch kopflastigen und wenig eingängigen Arrangements auf. Die Instrumentierung mit klassischer Metalbesetzung, dritter Gitarre, E-Geige, -Cello und Keys ist sehr ambitioniert. Manchmal weiß ich bei aller Fülle nicht, wo ich zuerst hinhören soll und verliere den Faden. Trotzdem: VYRE bereiten den bereits rund 70 anwesenden Gästen einen gelungenen Start in den Abend. Nach vier Zehn-Minuten-Liedern ist nach „Naughtylus“ die erste Umbaupause angesagt.

Die Überraschung des dritten Culthe-Festivals kommt mit den Niederländern IZAH über Münster. Ich kannte zwei Songs des Sextetts von der 2008er EP „Finite Horizon/Crevice“, war aber keinesfalls auf diese emotional ergreifende Darbietung voller Energie, Wärme und einem unbeschreiblichen Gespür für Dramaturgie eingestellt. Geprägt von einem leichten Postrock/Hardcore-Duktus führen IZAH in das Klanguniversum ihres Albums „Sistere“ ein und drücken eine voluminöse Soundwand in den Club. Die zwei sich sehr langsam entwickelnden Songs („Duality“, 15min, „Sistere“, ´30min) mäandern zwischen Sludge-Riffing, technischen Math-Momenten und hypnotisierendem Black Metal samt sphärischer Leadmelodien, die perfekt ins Herz zwischen Lebensfreude und Schwermut treffen. Hinzu kommt ein elektronischer Einschlag durch Laptop-Einsatz und den Analog-Synthesizer von Sänger Sierk Entius, dem er zwischen gebrüllten oder clean gesungenen Passagen zusätzliche Effekte entlockt. Die Qualität IZAHs wissen auch die inzwischen knapp hundert anwesenden Gäste zu schätzen. Selbige frequentieren fleißig den Merch-Stand der Band.

PHANTOM WINTER haben ihre komplette Backline selbst mitgebracht, was auf der Bühne zunächst für viel Gewusel und Umbauten sorgt. Zum Einstieg in die Welt des Winterdoom gehen zu „Corpses Collide“ alle Lichter aus. Einzelne eisblaue Spots tauchen die Bühne in kalte, düstere Atmosphäre und die mittige, gegenüberstehende Positionierung von Christian Krank (Shout-Vocals) und Andreas Schmittfull (Screams, Gitarre) erinnert flüchtig an Mantar. Vom reinen Erleben wuchtiger Drums und tiefer Frequenzen fahren PHANTOM WINTER den brachialsten Sound des Abends auf. Neben den inbrünstig kreischenden, agilen Frontmännern hält der Rest der Besatzung sich songdienlich zurück. Die Setlist folgt dem exakten Verlauf des Debütalbums „Cvlt“, was ich als passend und schlüssig empfinde. Im Zuge dessen ruft die konsequente Zähflüssigkeit des Materials ambivalente Reaktionen zwischen zu stark empfundener Monotonie oder intensiv-niederziehender Sogwirkung hervor. Bassist Martin bringt es im anschließenden Gespräch auf den Punkt: „Es muss dröhnen. Das macht unseren Sound aus.“

Seit dem Release ihrer Alben „Al Azif“ und dem in der Sparte neuzeitlichen, düsteren Black Metals schwer angesagten „Tekeli-li“ sind die Lovecraft-Interpreten THE GREAT OLD ONES aus Bordeaux mit ihrem eigenständigen Stil auf Erfolgskurs. Die Live-Performance steht den massiven Klangmonumenten auf Platte in nichts nach. Bei finsterer Beleuchtung des bandeigenen Lichttechnikers beginnt vor einer Backdrop-Illustration ihres Inspirators aus der Feder Jeff Grimal’s (Gitarre, Vocals, Artworks) die gut einstündige Zeremonie mit „Antarctica“. Abseits von „The Elder Things“ greift man überraschenderweise auf gleich drei „Al Azif“-Tracks, sowie einen unbetitelten neuen Song zurück. All das bei wunderbar dynamischem Zusammenspiel aller Instrumente und einem sichtbar begeisterten Publikum, das nahe zur Bühne vorrückt und mitgerissen in Cthulhus Reich abtaucht. Den fünf Franzosen muss abschließend mit großem Respekt attestiert werden, ein  professionelles Konzert gespielt zu haben, obwohl kurz zuvor die tragischen Ereignisse aus Paris bekannt wurden und die Musiker um das Leben von Pariser Freunden zu fürchten hatten. Danke an Bands und Crew für diese Bereicherung des Live-Sektors in „Metal-City“ Münster.

Setlist Izah
Duality
Sistere

Setlist Phantom Winter
Corpses Collide
Finster Wald
Svffer
Avalanche Cities
Wintercvlt

Setlist The Great Old Ones
Antarctica
Visions of R’yleh
Jonas
The Elder Things
The Truth
New Song

 

Pics: Dominik Brüchler