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ZWIELICHT, FÄULNIS, KHTHONIIK CERVIIKS, ULTHA, UNRU

UNAUSSPRECHLICHE CULTHE II

FÄULNIS

Seitdem das Team der Unaussprechlichen Culthe ihr Partykonzept zu Black Metal, Doom, Sludge und Artverwandtem auf Konzerte ausgeweitet hat, entwickelt sich in der Münsteraner Provinz eine kleine Underground-Perle. Beim Termin im noch jungen Jahr 2015 ist die Bude jedenfalls ansprechend voll. Erwähnt werden soll neben fairen 12 Talern Eintritt im VVK auch der große Merch-Stand, der mit dunklen Tischlaken und Kerzen stimmungsvoll hergerichtet ist.

Events innerhalb bestimmter Subszenen funktionieren am besten, wenn unbekanntere Bands, einige aktuell im Underground angesagte und ein etablierter Headliner zusammentreffen. Klingt nach Schema F, funktioniert aber. ZWIELICHT aus dem nördlichen Ruhrpott starten mit einiger Verspätung (eine der Nachfolgebands steckt im Stau fest – ms), profitieren deswegen aber von zahlreich anwesenden Gästen. Man knattert meistens im Uptempo, mal mit Variation in simplen, oft rock-'n'-rolligen Riffs durch ein halbstündiges Set, das sich hauptsächlich aus dem Material der aktuellen Platte „With Love From Sinister“ zusammensetzt. Optisch fahren ZWIELICHT traditionellen Corpsepaint-Look auf, nur der ungeschminkte Bassist im Black-Sabbath-Shirt fällt auf.

ULTHA sind dann das erste Beispiel, wie man mit einer Gründung im vergangenen Jahr und nur zwei Demotracks im Rücken den ganzen Laden füllt. Reduktion auf rotes Licht und viel Nebel, Wechselgesang aus entrücktem Kreischen und bulligen Growls, Blast trifft Doom. ULTHA machen heute vieles richtig und wissen die Anwesenden mit ihrem atmosphärisch-düsteren Sound einzunehmen. Ansagen gibt’s durchweg keine, nur die Wall of Sound aus der sich am Ende ein schrilles Solo erhebt und die Instrumente danach gemeinsam ausdröhnen.

Die Bielefelder UNRU bespielen zur Zeit in regelmäßigen Einzelgigs und Weekendern die alternativen Bühnen des Landes. Ein Demo plus diverse Splitbeiträge haben genügt, um erstaunlich viele Fans in den Netzwerken mit ihren Berliner Kollegen Sun Worship zu erreichen. Leider springt der Funke bei mir heute überhaupt nicht über. Die Songs sind endlos langatmig und kennen quasi nur Extreme zwischen schneller und schleppend-zäher Monotonie. Außerdem geht mir der ewig gleich phrasierte Gesang ähnlich auf den Keks wie die vom Publikum abgewandte Haltung des Sängers. Mit dynamischerem Songwriting oder wenigstens variabler zweiter Gitarre würde mir die Chose schon viel besser gefallen. Aktuell überwiegt das Bedürfnis, sich ebenfalls umzudrehen.

Auweia, sitze ich jetzt schon so tief zwischen den Stühlen, dass weder die Hipster-BM-Fraktion, noch das Old-School-Kommando bei mir für Begeisterung sorgt? Stumpf ist bei dem technisch hoch versierten Trio gar nichts, nur sind KHTHONIIK CERVIIKS so tieffrequent und brachial unterwegs, dass viele Details nur an den flitzenden Fingern der Herren am Vier- und Sechssaiter zu erkennen sind. Hier soll nichts ästhetisch sein, sondern in erster Linie apokalyptisch lärmen. Beinharte Death/Black-Fans der alten Schule, für die Belphegor und Behemoth zu gut produziert sind, schwingen auch heute die Rübe und kaufen die kürzlich über Iron Bonehead als Tape und Vinyl erschienene Langrille „Heptaëdrone“. Alle anderen gehen rauchen und Bier trinken.

Bei den Hamburgern FÄULNIS dreht sich wie immer alles um die Bühnenperformance vom mittlerweile im Nordrhein-Westfälischen Exil lebenden Frontmann Seuche. Damit ist Münster schon ein kleines Heimspiel, bei dem die vorderen Reihen mächtig abgehen und die kaputten Songtexte mitsingen. Während die Hintermannschaft souverän neue, wie alte „Hits“ zockt, taumelt der Chef im zerschlissenen Napalm-Death-Shirt und Hosenträgern über die Bühne, schreit sich die Seele aus dem Leib und kommt, als, sorry, psychotischer Penner sympathisch asi und echt rüber. Nachdem 'Weil wegen Verachtung', 'Scheiße Rückfall' und das obligatorische 'Landgang' noch richtig mitgefeiert wurden, geht dem Publikum gegen Ende zunehmend der Elan flöten. Mit 'Hiroshima' und 'Weiße Wände' machen FÄULNIS nach einer Stunde den Sack zu. Weiter so Leute, ein bisschen Punk kann der BM-Szene nicht schaden.

 

Pics: Dominik Brüchler