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TRIVIUM

Münster, Sputnikhalle

TRIVIUM

TRIVIUM sind diesen Sommer auf allen großen Festivals in Europa unterwegs und nutzen zusätzlich noch einige ihrer Day-Offs für Headliner-Gigs, davon allerdings nur zwei in Deutschland. Überraschend findet einer dieser Auftritte im beschaulichen Münster statt und steht leider von Anfang an unter keinem guten Stern. Das Datum war natürlich lange fix, aber wer auch immer diesen Gig geplant hat, hat vorher nicht bedacht, dass an diesem Tag Deutschland im Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft stehen könnte. Und so kam es dann auch.

Sämtliche Konzertbesucher an diesem Abend sind beinharte TRIVIUM-Fans, die aus ganz Deutschland angereist sind, wie man an den Autokennzeichen vor der Halle sehen kann. Aus Münster und Umgebung ist hingegen so gut wie niemand da. Dummerweise erfahren die meisten der Weitgereisten daher erst direkt am Einlass um 19 Uhr, dass die Vorband kurzfristig ausgefallen ist und stattdessen das Fußballspiel Deutschland-Griechenland auf einer großen Leinwand übertragen wird. Die Sputnikhalle hat dieses zwar zwei Tage vorher auf ihrer Homepage bekannt gegeben, aber die Info hat die meisten Konzertbesucher nicht mehr rechtzeitig erreicht, so dass sich sehr schnell ziemlich schlechte Stimmung breit macht. Es gibt nicht wenige, die ihr Geld zurückverlangen oder direkt wieder fahren wollen, aber aufgrund des weiten Anreiseweges dennoch bleiben. Als das Spiel um 20:45 Uhr angepfiffen wird, sind außer manchen Fußballhassern die meisten dann doch in der Halle und es kommt sozusagen zu einem Metal-Public-Viewing. Dennoch ist es sehr voll in der Halle und je näher der Auftritt von TRIVIUM rückt, desto mehr Menschen finden sich ein. Am Ende ist der Laden pickepackevoll bis unters Dach ausverkauft.

Pünktlich nach Abpfiff geht der Beamer aus und um 23 Uhr betreten TRIVIUM die Bühne. Da die Konzertbesucher bereits seit vier Stunden auf ihre Helden warten, ist die Stimmung von dieser Sekunde an euphorisch (was auch daran liegt, dass seit mindestens schon vier Stunden kräftig getankt wurde). Mit 'In Waves' beginnt die Band ihr 75-minütiges Set und knallt von Anfang an hoch energetisch von der Bühne. Da der Laden gerappelt voll ist, will der Soundmann wohl den Sound so laut fahren, dass auch jeder in der letzten Reihe noch ein sattes Pfund auf die Ohren bekommt. Leider passt dabei manches nicht, so dass die Boxen seltsam ächzen, krächzen und der Sound ziemlich verzerrt ist. Dafür ist es direkt vor der Bühne definitiv viel zu laut. Hier wäre weniger definitiv mehr gewesen. Mit 'Pull Harder On The Strings Of Your Martyr' machen TRIVIUM weiter und die gesamte Sputnikhalle klinkt komplett aus. Ab hier hat die Band bereits gewonnen und könnte auch „Alle meine Entchen“ spielen und würde trotzdem abgefeiert werden. Zurecht, muss man attestieren, denn die mittlerweile riesige Bühnenerfahrung bringen sie auch wunderbar in der eher kleinen Sputnikhalle auf die Bretter. Da es so voll ist, tummeln sich auch einige Leute schräg vor der Bühne und haben dort einen eher schlechten Blick. Was die Band bemerkt, so dass über den Umweg einer Bassbox immer mal wieder der Ausflug zu genau diesen Fans genommen wird, um ihnen nahezukommen und für sie zu posen. Großartig!
Das Hauptaugenmerk der Songs liegt auf dem aktuellen Album „In Waves“, von dem unter anderen 'Dusk Dismantled' und 'Black' gespielt werden, sowie auf dem zweiten Album „Ascendancy“, von dem auch 'Drowned And Torn Asunder' und 'A Gunshot To The Head Of Trepidation' zum Zuge kommen. Aber auch von „Shogun“ und sogar „Ember To Inferno“ werden Songs gespielt, was die schwitzende, pogende und moshende Menge begeistert aufnimmt.

Nach 75 Minuten ist inklusive der obligatorischen Zugaben dann allerdings schon Schluss und es hätte durchaus erwartet werden können, dass die Band heute länger spielt, da sie immerhin die einzige Band war. Dennoch geht kein einziger der Konzertgänger enttäuscht nach Hause, da alle ausgepumpt und begeistert sind, von dem, was sie gerade erlebt haben. Man muss einfach ganz simpel festhalten: TRIVIUM wurden hart gefoult, haben den Elfmeter aber traumhaft verwandelt.