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TRIBULATION, TREPANERINGSRITUALEN, YURI GAGARIN

Göteborg, Pustervik

TRIBULATION

TRIBULATION zählen zu den eigenständigsten und eigenwilligsten Vertretern der Metal-Zunft. Atmosphärischer Death Metal trifft auch Vintage Rock und psychedelische Momente, Iron Maiden, Bathory oder Morbid Angel tummeln sich neben Danzig oder Type O Negative. Nach ausgiebigen Touren mit Ghost, Deafheaven, Grave Pleasures oder Youth Code beschließen TRIBULATION den Konzertreigen für ihr aktuelles Album „Children Of The Night“ mit zwei Shows in Spielfilmlänge in ihrer schwedischen Heimat. Los geht es am 29. Oktober 2016 im Göteborger Club Pustervik. Vielen Dank an Anna Fabbri Photography für die Bereitstellung der Fotos zu diesem Live-Review.

Ungewöhnlich früh, um 18:45 Uhr, eröffnen TREPANERINGSRITUALEN, das Solo-Projekt von Thomas Ekelund (ehemals Dead Letters Spell Out Dead Words), den Abend. Gerade einmal eine Handvoll Konzerthungrige haben sich zu diesem Zeitpunkt im Club Pustervik verloren, als das Göteborger Szene-Urgeistein mit Synthesizer im Gepäck und einem in Blut getränkten Leinensack über dem Kopf zur Tat schreitet. Drückend, hypnotisch und reichlich verzerrt wabern Songs von „Perfection And Permanence“, „Veil The World“ oder „Papist Pretender“ aus den Boxen. So roh und minimalistisch die performten Stücke auf den ersten Blick auch klingen, so schwer fällt es das Material von TREPANERINGSRITUALEN einzuordnen. Noise, Ambient, Industrial, Black Metal-Referenzen und Punk-Attitüde verschmelzen zu einer düsteren, den ganzen Saal erfüllenden Atmosphäre. Stimmlich variiert die Performance zwischen Schreien, Growls und eindringlichen Spoken-Word-Passagen. Mit wenigen Mitteln gelingt TREPANERINGSRITUALEN eine vereinnahmende Performance, die anziehend und unbequem zugleich ist. Dem interessierten Hörer sei das 2014er Machwerk „Perfection And Permanence“ als Einstiegsdroge empfohlen.



Deutlich lebensbejahender und beschwingter geht es nach kurzer Umbaupause mit den ebenfalls aus Göteborg stammenden YURI GAGARIN weiter. Augen schließen, eintauchen, treiben lassen - das erst 2012 gegründete Quintett benötigte weder Gesang noch Ansagen, um mich für sich zu gewinnen. Die größtenteils vom aktuellen Album „At The Center Of All Infinity“ stammenden Tracks kann man am Besten als „Heavy Space Rock“ charakterisieren. Die gut aufeinander eingespielte Band präsentiert psychedelisch anmutende Sounds, die nicht nur einmal an Hawkwind erinnern, sich aber nicht in langen Jams verlieren, sondern gut nach vorn gehen. Das deutlich angewachsene Publikum dankt es YURI GAGARIN mit wohlwollendem, aber noch verhaltenem Kopfnicken. Nach nur 30 Minuten Spielzeit ist das Space-Rock-Gastspiel viel zu früh vorüber.



Während viele Zuschauer noch in sicherer Bar-Entfernung YURI GAGARIN lauschten, drängt das Konzertvolk nun dicht an dicht, als TRIBULATION zum schwedischen Folklore-Opus 'Trollens Brudmarsch' die Bühne betreten. Bereits mit dem eingängigen Opener 'Melancholia' haben TRIBULATION das bunt durchmischte Publikum auf ihrer Seite. Kuttenträger, Gothic-Fans oder Stoner Rocker feiern treibende Songs wie 'Winds' oder das atmosphärische 'Strange Gateways Beckon' gemeinsam ab. Die Band präsentiert ein abwechslungsreiches, dynamisches und überaus tight dargebotenes Set, das sich vor allem auf das aktuelle Album „Children Of The Night“ konzentriert, aber ebenso düstere, proggige Momente wie 'Suspiria de Profundis' vom Vorgängeralbum „The Formulas Of Death“ beinhaltet. Old-School-Death-Metal-Fans kommen vor allem bei 'Seduced By The Smell Of Rotten Flesh' vom 2009er Werk „The Horror“ auf ihre Kosten.

Die Show vereint ganz unterschiedliche Bühnenpersönlichkeiten. Während insbesondere Gitarrist Jonathan Hultén mit einem Make-Up, das selbst gestandene Maskenbildner neidisch werden lässt, und orientalisch anmutender Kostümierung förmlich über die Bühne schwebt, thront Sänger und Bassist Johannes Andersson mit kräftigen Vocals hinter dem Mikrofonständer und bildet den Ruhepunkt des Geschehens. Allen vier Musikern ist jedoch eine starke musikalische wie visuelle Präsenz auf der Bühne gemein. Vier? Nein, halt, TRIBULATION haben sich mit Sofia Rydahl (Häxhammaren) erstmals Verstärkung am E-Piano ins Boot geholt, die den Schweden die Möglichkeit bietet, ihr Live-Repertoire zu erweitern und einen Song wie 'Strains Of Horror' erstmals auf die Bühne zu bringen. Das instrumentale Intermezzo 'Cauda Pavonis' in der Mitte des Sets wird zudem von einer Tanzperformance begleitet – auf schon fast spielerisch leichte Weise gelingt es TRIBULATION, verschiedene Kunstformen zu verschmelzen.

Abgerundet wird die ambitionierte, fesselnde Performance von einem tollen Sound und einer guten Lichtshow, die dem Konzert zusätzlich einen cineastischen Anstrich verleiht. Mit diesem Auftritt haben TRIBULATION zementiert, dass sie zu einer der wichtigsten, Genregrenzen auslotenden und Stereotypen hinterfragenden Bands zählen. Bitte mehr davon!

Fazit: Ein gelungener, facettenreicher Konzertabend. Einziges Manko: Der frühe Start um 18.45 Uhr und die sehr knapp bemessene Spielzeit von 30 Minuten für beide Supportbands, während TRIBULATION stattliche 90 Minuten zur Verfügung stehen. Im Anschluss verwandelt sich der Konzertraum im Club Pustervik zu einer 60s-Soul-Party, bei der noch bis in die frühen Morgenstunden das Tanzbein geschwungen wird.

 

SETLIST TRIBULATION

Trollens Brudmarsch

Melancholia

Winds

Seduced By The Smell Of Rotten Flesh

Suspiria de Profundis

Rånda

Ultra Silvam

Cauda Pavonis

In The Dreams Of The Dead

Guitar Solos

The Motherhood Of God

Strains Of Horror

Strange Gateways Beckon

When The Sky Is Black With Devils

 

Pics: Anna Fabbri

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