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TRES HOMBRES

Herne, Musikertreff Stennert

Auf den ersten Blick waren TRES HOMBRES, der Freitags-Headliner des 28. Rock Spektakulum in Herne, im Vorfeld wohl den Wenigsten ein Begriff, doch schnell machte die Nachricht die Runde, dass es sich beim Auftritt dieses Trios um eine kleine Sensation handelt: Nach 20 Jahren würden RAGE-Frontmann Peavy Wagner, Gitarrist Manni Schmidt und Schlagzeuger Christos Efthimiadis (TRI STATE CORNER) wieder gemeinsam auf der Bühne stehen. Rund 500 Zuschauer, teilweise aus Süddeutschland und den BeNeLux-Ländern angereist, wollen sich diese Show trotz reichlich bescheidenem Wetter nicht entgehen lassen.

„Heute sind wir die TRES HOMBRES, das hat mit dieser Pünktchen-Pünktchen-Band rein gar nichts zu tun“, wird Peavy nicht müde, das Thema Reunion der früheren RAGE-Besetzung vom Tisch zu fegen. Vielmehr handelt es sich bei den TRES HOMBRES um ein reines Spaß-Projekt, was das Trio mit dem Einstreuen einiger Coversongs unterstreicht - und Spaß macht der Auftritt tatsächlich vom ersten bis zum letzten Moment. Nach dem gelungenen Black-Sabbath-Cover 'War Pigs' spielen TRES HOMBRES, angefangen mit 'Refuge', jede Menge Klassiker, die langjährige Fans der „Pünktchen-Pünktchen-Band“ im aktuellen Set schmerzlich vermissen, Neuentdecker vermutlich zum ersten Mal live hören und die zum großen Teil an Ort und Stelle im alten RAGE-Proberaum am Stennert geschrieben wurden. Nahtlos geht das nächste, laut bejubelte Stück 'Enough Is Enough' über in 'Invisible Horizons' - laut Peavy noch zu Zeiten verfasst, in denen Micky-Maus-Gesang gang und gäbe war. Ganz astrein klingen einige hohe Töne beim zweistimmigen Gesang zwar nicht, das macht das Herner Dreigestirn allerdings durch unbändige Spielfreude mehr als wett, denn dass die Herren richtig Bock haben, dürfte heute Abend wohl auch in der hintersten Reihe mehr als deutlich ankommen. Zudem wurde für das Konzert offenbar fleißig geübt: Manni Schmidts Gitarrensoli sitzen wie ein Maßanzug und Efthi drischt auf seine Drums ein, als bekäme er für jedes zerstörte Fell eine dicke Prämie. Aber drei Hombres, findet der bestens aufgelegte Peavy, sind noch lange nicht genug: Als Unterstützung kommen Efthis' Tri-State-Corner-Kollegen Ioannis und Vassilios Maniatopoulos auf die Bühne und verleihen 'Shame On You' mit Bouzuki und Darbuka-Trommel den charakteristischen orientalen „Trapped!“-Touch. Damit nicht genug, feiert Mannis ältester Sohn Yannick heute seine Bühnenpremiere und greift bei 'Light Into The Darkness' gemeinsam mit dem stolzen Papa in die Saiten. Apropos Light: Einer der wenigen Kritikpunkte des Abends ist im Gegensatz zum astreinen Sound die etwas übereifrige Lichtshow. Vor lauter Strobo-Effekten erinnert das Konzert oft wahlweise an einen flackernden Schwarzweißfernseher oder ans Blitzlichtgewitter bei der Oscar-Verleihung; für Menschen, die zu epileptischen Anfällen neigen, oder sich ein Konzert nicht nur anhören, sondern auch gern ansehen möchten, ist das jedenfalls nichts. Auch nicht so ganz das Gelbe vom Ei, in der Euphorie des Abends aber leicht verschmerzbar, ist die Wahl des letzten Songs nach dem fulminanten 'Don't Fear The Winter'. Bei AC/DCs 'Highway To Hell' ertönt Peavys Stimme schon arg strapaziert. Über einen weiteren Song der Band, deren Name nicht genannt werden darf, hätten sich viele Fans sicherlich mehr gefreut, nichtsdestotrotz haben die TRES HOMBRES eine denkenswerte Show auf die Bühne gebracht, die dem einen oder anderen Zuschauer mit Sicherheit einige Tränchen der Rührung in die Augenwinkel getrieben hat. „Dass ich das noch erleben darf“ dürfte einer der meistgeäußerten und gedachten Sätze des 75-minütigen Konzerts gewesen sein. Schade, dass ein Auftritt in dieser Form wohl einmalig bleiben wird... oder?




SETLIST TRES HOMBRES

War Pigs (Black-Sabbath-Cover)
Refuge
Enough Is Enough
Invisible Horizons
Killed By Death (Motörhead-Cover)
Baby, I'm Your Nightmare
Shame On You
Death In The Afternoon
Fast As A Shark (Accept-Cover)
Light Into The Darkness
Firestorm
Don't Fear The Winter
Highway To Hell (AC/DC-Cover)

 

Pics: Alexandra Michels

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