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EXHUMED, TOXIC HOLOCAUST, DESTROYER, DAMAGE SOURCE

Köln, Underground

TOXIC HOLOCAUST

In der Woche vor Karneval ist ganz Köln im kollektiven Schunkeltrauma, in jeder Kneipe sitzen verkleidete Menschen zu entsprechender Musik. Die scheinbar einzige Ausnahme ist der Underground, in dem sich heute vier Thrashbands die Ehre geben und den seichten „Kölschen Tön“ eine ordentliche Portion Stahl entgegenstellen wollen.

 Den Anfang machen vor bereits ansehnlich gefülltem Haus DESTROYER. Die Band geht mit viel Enthusiasmus zu Werke, auch wenn mich das Treiben zuweilen an einen Proberaumgig erinnert, denn das Publikum wird kaum mit einbezogen. Nichtsdestotrotz ist die Meute bester Laune und in der ersten Reihe bangen sich schon die ersten den Teufel aus dem Leib. Insgesamt eine unterhaltsame Band, die jedoch eine richtige eigene Identität vermissen lässt.

Die nächste halbe Stunde gehört den Jungs von DAMAGE SOURCE. Deren Musik, die sich am ehesten in die Sparte des Blackened Thrash einordnen lässt, ist wesentlich grooviger als die von Destroyer und generell die wohl Abwechslungsreichste des heutigen Abends. Mal scheinen Arch Enemy durch, dann bei 'Wide Awake' auch mal Candlemass, aber trotz dieser Bandbreite klingen die Songs immer rund. Der Sound ist zwar eher dumpf, aber das hält das Publikum nicht davon ab, die ersten Zugaberufe des Abends zu tätigen, auch wenn diese nicht erhört werden.

 

Um 21:10 Uhr entern die Bay-Area-Leichenfledderer von EXHUMED die Bühne. Bei besserem Sound und noch etwas vollerem Haus als bei den beiden Vorbands holen die Kalifornier einen Knüppel nach dem anderen aus dem Sack, was das Publikum mit viel Applaus und dem ein oder anderen Pit feiert. Ein charakteristisches Showelement haben die Amis natürlich auch im Gepäck: Während 'Your Funeral, My Feast' läuft das erste Mal eine Art „Mad Butcher“ (inklusive blutverschmiertem Kostüm und Kettensäge) über die Bühne, beim Gitarrensolo in 'Limb from Limb' versucht er Gitarrist Wes Caley per Stromschocks wiederzubeleben, nachdem dieser während des Solos stirbt. Die Wiederbelebung gelingt allerdings erst, nachdem er dem Saitenhexer per Bierbong eine Dose Hopfenkaltschale verabreicht. Die Show endet nach einer Dreiviertelstunde mit dem neuen Song 'Gravewalker' und dem ''Anatomy Is Destiny''-Track 'The Matter of Splatter'. Alles in allem ein energiegeladener Auftritt mit einer grandios eingespielten und aufgelegten Band.

Nach dem Energielevel der drei Vorbands zu urteilen möchte man eigentlich meinen, dass das Publikum zu müde sei, um beim Auftritt von TOXIC HOLOCAUST noch für ordentlich Alarm zu sorgen, aber weit gefehlt: Vom ersten Takt des Openers 'Metal Attack' an bildet sich vor der Bühne ein Pit, der das ganze Konzert über bleibt. Die Band um Fronter Joel Grind ist sichtlich gut aufgelegt und haut routiniert ein Brett nach dem anderen in die thrashhungrige Meute. Zwar wirkt der Auftritt - bedingt durch die relativ kleine Bühne und der Doppelbelastung durch Gesang und Saitensägen -  recht statisch, doch das kompensiert das Powertrio mit purer Spielfreude und Songs, die das Publikum ohne große Animationen abgehen lassen, und so prügeln sich die Jungs aus Oregon durch Abrissbirnen wie 'War Is Hell' oder 'Endless Armageddon' und provozieren dabei einige Crowdsurfer und einen Circle Pit. Das einzige Manko ist, dass die drei bereits nach 45 Minuten von der Bühne schleichen, um sich dann unter lauten Zugaberufen für drei Stücke wieder auf die Selbige zu begeben. Um ca. 23:15 Uhr ist der Spuk dann endgültig vorbei und etliche nassgeschwitzte, aber selig grinsende Metaller (unter ihnen auch auffallend viele Frauen) verlassen den Underground.

So kurz vor Karneval ist es immer schön, wenn es ordentliche Alternativen zur allgegenwärtigen Schunkelmania gibt, und wenn es sich dann auch noch um vier solch gut aufgelegten Bands und ein so konzerthungriges Publikum handelt, kann man eigentlich nur von einem gelungenen Konzertabend sprechen.

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