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TIMES OF GRACE, EYES OF SOLACE

Münster, Sputnik-Halle

Erste Tour zur ersten Platte: TIMES OF GRACE bringen ihre reife Mischung aus Metalcore, Rock und Pop auf deutsche Bühnen.

Auf die Minute pünktlich um 20 Uhr wabert der erste Nebel von der Bühne, begleitet vom Intro der Vorband EYES OF SOLACE. Mir geht es ähnlich wie den knapp 100 anwesenden Konzertbesuchern: Ich habe noch nie etwas von der Band gehört. Umso überraschender ist das, was von der Bühne kommt: Eine agile, energiegeladene Performance, sehr guter Gesang und dynamischer Metalcore, dem es an Melodien nicht fehlt. Hält man sich allerdings vor Augen, dass Sänger Marc Zillmann und Gitarrist Marc Richter mit Stone The Crow bereits mehrere Alben veröffentlicht und auf großen Bühnen gespielt haben, verwundert dieser sehr solide Auftritt nicht mehr. Zusätzlich kann die Band mit einem exzellenten Sound aufwarten, der allerdings für die paar Nasen, die sich in der Halle verlieren, viel zu laut ist. Diese Band sollte man im Auge behalten, denn hier kann sich absolut etwas entwickeln. Was dann die Personen, die draußen vor der Sputnik-Halle sitzen und die Vorband konsequent ignorieren, irgendwann noch ärgern könnte.

Als TIMES OF GRACE in Form von Jesse Leach und Adam Dutkiewicz ebenfalls pünktlich um 21 Uhr zusammen mit ihren Tourmusikern (Joel Stroetzel (Killswitch Engage), Matt Bachand (Shadows Fall), Dan Gluszak (Ex-Envy On The Coast)) die Bühne betreten, sitzt dann auch niemand mehr draußen, wodurch die Halle nun mit gut 130 Personen gefüllt ist. Das ist allerdings nur ein gutes Drittel von dem, was in der Halle eigentlich Platz hat. Schade. TIMES OF GRACE lassen sich davon aber nichts anmerken und starten ihr Set gut gelaunt mit 'Strength In Numbers'. Direkt ab diesem Zeitpunkt haben sie ihr Publikum für den Rest des Abends in der Hand, das heute mit durchschnittlich Ende 20 überraschend alt ist und auch einen relativ hohen Frauenanteil aufweist. Die Band ist permanent in Bewegung, Stillstand auf der Bühne gibt es nicht. Komischerweise hat die Band einen deutlich schlechteren Sound als EYES OF SOLACE, der besonders im hinteren Bereich der Halle deutlich vermatscht. Jesse Leach schreit und singt sich dessen ungeachtet seine Seele aus dem Leib und stößt dabei manchmal gar in blackmetallisches Gekreische vor, während Bassist Matt Bachand Death-Metal-artig röhrt und Adam Dutkiewicz mit sehr gutem Klargesang überzeugt. Besonders bei 'Willing' und 'Live In Love' hält sich Leach manches Mal zurück und überlässt Dutkiewicz das Feld. Leach merkt man während des Gigs seine ehrliche Freude darüber, zum ersten Mal auf europäischen Bühnen zu stehen, an. Seine Eindrücke der Tour dokumentiert er übrigens auf seinem Foto-Blog auf jesseleach.tumblr.com. Mit zunehmender Spielzeit wird die Band lockerer, was auf das Publikum überspringt, so dass man neben rhythmischem Kopfschütteln sogar einen kleinen Fünf-Mann-Moshpit ausmachen kann. Ja, generell ist das Münsteraner Publikum an diesem Abend körperlich sehr reserviert, singt und schreit dafür aber jede Songzeile begeistert mit. Bis auf 'The Forgotten One' und 'Fall From Grace' wird das komplette Erstlingswerk „The Hymn Of A Broken Man“ gespielt. Allerdings keine Zugabe und auch kein Song von Killswitch Engage, womit einige Zuschauer fest gerechnet haben. Dieses ist aber nur konsequent, verdeutlicht es doch, dass wir es hier mit einem eigenständigen Produkt und keinem Nebenbeiprojekt von Dutkiewicz zu tun haben. Auf der anderen Seite heißt das aber auch, dass nach 50 Minuten Schicht im Schacht ist, was für den Eintrittspreis von 25,- Euro dann doch eine sehr kurze Spielzeit ist.

Konzertbilder von Lars Wieneke