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THE PRIVATEER, KOENIX, FIRTAN

Crash, Freiburg

THE PRIVATEER

Als Hochburg des Schwermetalls ist Südbaden nicht bekannt. Dass es aber trotzdem eine Szene gibt, zeigt sich immer wieder in diversen kleinen Konzerten. Gleich drei Bands aus der Umgebung geben sich an diesem Freitag im Crash die Ehre und zeigen, dass recht unterschiedliche Stilrichtungen an einem Konzertabend funktionieren können.

Den Anfang machen die Schwarzmetaller von FIRTAN. Die Lörracher Buben, die in ihrer Freizeit offenbar gerne den skandinavischen Größen der Szene (vor allem Dimmu Borgir und Anverwandte sagen immer wieder leise Hallo) frönen, treten nach kurzem Geigenintro sofort aufs Gaspedal. Die Show der Jungspunde ist sehr kurzweilig, besonderes Schmankerl ist sicherlich das Taake-Cover 'Nattestid', wobei die eigenen Songs ebenfalls stark sind. Nur der viel zu laute und zum Teil übersteuerte Sound (der auch bei der Privateer-Show später bleibt) trübt den Spaß doch ziemlich. Das ist ziemlich schade, vor allem weil die Herren eine große Spielfreude ausstrahlen und die bereits anwesenden, geschätzten 70 Nasen gut mitgehen. Lediglich die Ansagen und Anfeuerungen sind noch ein wenig schüchtern, was aber angesichts des Alters der Jungs nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte. Zum Schluss werden sie dann folgerichtig für eine Zugabe zurück auf die Bühne gebrüllt.

KOENIXDie zweite Band des Abends ist eigentlich keine schwermetallische, fügt sich aber trotzdem gut in den Abend ein. Die Schweizer KOENIX sind in der akustischen Mittelaltermusik zu Hause, aber von der Power und Spielfreude dieses Sextetts kann sich manche „herkömmliche“ Band noch eine dicke Scheibe abschneiden. Die Jungs verbreiten bei ihrem ersten Auftritt in Freiburg mit ihren instrumentalen Weisen gute Laune, vor der Bühne tanzen und schunkeln nicht wenige (mental) Langhaarige freudig mit, und der Auftritt wird zurecht mit lautem Applaus belohnt. Außerdem sind sie die einzige Band des Abends, bei der der Sound nicht so laut ist, dass die Boxen kratzen.

Die Freude ist groß im THE PRIVATEER-Lager: Das Labeldebüt „Monolith“ ist erschienen, und dieser Fakt soll heute ausgiebig gefeiert werden. Um 23: 10 Uhr entert die Crew um Frontpirat Pablo Heist die Bühne und startet mit Vollgas in ihren Zwei-Stunden-Set. Dabei erweist die Band sich als eingespielte Truppe, die sowohl mit ihrer Bühnenshow als auch mit den Ansagen (die sich Pablo mit dem gewohnt barfüßigen Bassisten Jonas teilt) zu unterhalten weiß. Musikalisch gibt es eine bunte Mischung aus Heavy-/Death-/Pagan-Metal mit Folk-Schlagseite und einem ordentlichen Schluck Rum. Eben jenen lässt die Band dann auch während 'Blackbeard' verteilen, so dass jeder Besucher gut gestärkt in die zweite Konzerthälfte gehen kann. Diese ist dann auch mit einigen Mitsingpassagen garniert, besonders 'Jolly Rogers', der laut eigener Aussage „erste Song, den wir je geschrieben haben“, wird besonders laut mitgegrölt. Der reguläre Set wird vom letzten Track des neuen Albums, 'In the Nought of the Wind', beendet, aber natürlich müssen die sechs Piratinnen und Piraten nochmal zur Zugabe antreten, in der nochmal die Stimmen der anwesenden Zuschauer auf die Probe gestellt werden. Um kurz nach eins ist der Spuk dann vorbei, und die Anwesenden werden wahlweise in die eiskalte Nacht oder zu einem eiskalten Getränk geschickt.

Insgesamt ein durchaus unterhaltsamer Abend, der sich trotz oder gerade wegen der stilistisch unterschiedlichen Bands durch ein durchgängig hohes Stimmungsniveau auszeichnet. Was mich hingegen ziemlich genervt hat, war der zum Teil fast unerträglich laute und übersteuerte Sound, der gerade FIRTANs Show erheblich störte.

 

Pics: Maximilian Blom