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THE DEVIL'S BLOOD, URFAUST, ASCENSION, ONE TAIL, ONE HEAD, MARE, GOAT TORMENT

Brüssel, Magasin 4

Für ihre Record-Release-Show in Brüssel haben sich The Devil's Blood etwas besonderes ausgedacht: Im Magasin 4 gibt es ein Minifestival mit Okkult-Bands verschiedener Genres – ein Mix, der erstaunlich gut funktioniert, wenn man die Besucherzahlen und die Publikumsreaktionen als Maßstab nimmt. Dass alle diese Bands nicht gerade Stammgäste auf den Livebühnen sind, macht das Billing umso reizvoller. Somit ist das Magasin 4 von Anfang an gut gefüllt, und das preiswerte Merch findet schnell seine Abnehmer – vor allem Urfaust können sich über großen Andrang freuen. Dankenswerterweise hält sich der braune Anteil im Publikum stark in Grenzen, für Politik interessiert sich heute kaum jemand.

The Devil's Blood Release-ShowGOAT TORMENT sind Opener und vermutlich die „konventionellste“ Band des Abends. Ruppiger Black Metal in Dreierbesetzung steht auf dem Programm. Das Songmaterial ist okay, der Sound leider grottig, weshalb der Auftritt nicht so recht zünden will. Die Auszieheinlage am Ende hätte man sich auch lieber sparen sollen, denn Erotik und Blastbeats passen nur sehr mäßig zueinander.

MARE haben bisher drei Demos und zwei EPs am Start und sind inzwischen ein Geheimtipp. Nimmt man den heutigen Auftritt zum Maßstab, haben die Norweger aber definitiv Potenzial für viel mehr. Die Bühne wird von Kerzen ausgeleuchtet, die Scheinwerfer bleiben aus und das Quartett zelebriert seinen epischen, faszinierenden Black Metal – absolute Gänsehaut! Die Vocals vom auffällig bartlosen und rein weiß geschminkten Fronter sind verstörend und eher mystisch als fies, was den fünf überlangen Songs ausgezeichnet steht. Viel besser und vor allem eigenständiger kann man diese Art Black Metal nicht spielen.

URFAUST gehen heute als Publikumslieblinge unter den Vorbands durch. Die ersten Reihen füllen sich schlagartig, als das Duo wie im Rausch mit seinen Klangwerken loslegt. Einfache Gitarrenriffs, schleppendes, ultrasimples Drumming und dazu ein klagender, jammernder, manchmal auch kreischender Fronter – Maximale Wirkung. Gerade die hypnotische Simplizität ihrer Songs macht den Reiz und die Einzigartigkeit dieser Combo aus. Man frage mich nicht nach einzelnen Songs, denn das hier ist ein einziger, akustischer Trip.

ONE TAIL, ONE HEAD beschleunigen danach wieder und bringen das Publikum schnell auf Betriebstemperatur. Ihre stark punkigen Songs treffen punktgenau ihr Ziel – vom Sound her fühlt man sich an Mayhems Debüt „Deathcrush“ mit technisch fähigeren Musikern und Songwritern erinnert. Im Publikum bildet sich nach ein paar Songs sogar ein Moshpit, und auch die Musiker rennen wie Berserker über die Bühne und reißen dabei mehrmals beinahe den vorne platzierten Altar um. Pure Raserei!

Es ist schon ziemlich beeindruckend, wie gut ASCENSION aufeinander eingespielt sind, bedenkt man, dass das einer der ersten Gigs der Band überhaupt ist. Die fließenden, ineinander übergehenden Strukturen werden formvollendet in den Liveversionen umgesetzt und die finstere Melodik lässt einem die Gänsehaut über den Rücken kriechen. Obwohl musikalisch anders gelagert, erinnert diese Mischung aus technisch brillanter Spielweise und tiefschwarzem Gefühl ein ums andere Mal an Dissection – und macht die Truppe in diesem hochklassigen Billing zu einem würdigen Co-Headliner.

The Devil's Blood - The Thousandfold EpicentreTHE DEVIL'S BLOOD ernten heute die Früchte, die sie seit der „Come, Reap“-EP gesät haben: Sie haben ein großartiges neues Album veröffentlicht und sind live trotz Besetzungswechsel in bestechender Form. 'Wings Of Gloria' ist ein großartiger Opener, der das heute leider nicht gespielte 'Come, Reap' durchaus zu ersetzen vermag. Danach fahren die Holländer eine Werkschau aus allen Veröffentlichungen auf, wobei der Fokus natürlich auf dem aktuellen Langspieler „The Thousandfold Epicentre“ liegt. Dabei ist es immer wieder angenehm, wie sehr die Holländer live ihre Songs gegenüber den Studioversionen variieren. So gibt es diesmal bei 'Graveyard Shuffle' ein ruhiges, betörendes Intro, während 'The Madness Of Serpents' (Absoluter Höhepunkt!) in einer psychedelischen Klangorgie endet. Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen natürlich Sängerin F, die heute erst nach ein paar Songs zu Hochform aufläuft, und Mastermind SL, dem mit seiner beeindruckenden Ausstrahlung niemand so einfach die Show stiehlt. Deren Mitmusiker sind dennoch in der Lage, eigene Akzente zu setzen, vor allem das Drumming soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben – hier ist genau die richtige Mischung aus der Basis-Rhythmusarbeit und songdienlichen Fills am Werk. Mit 'Christ Or Cocaine' verabschieden sich THE DEVIL'S BLOOD, die als Band nun auf ihrem Zenit angekommen sind. Oder soll dieses grandiose Konzert wirklich noch zu steigern sein?

 

Setlist The Devil's Blood:

Unending Singularity
On The Wings Of Gloria
River Of Gold
The Fire Burning
The Thousandfold Epicentre
House Of 10.000 Voices
Die The Death
The Heavens Cry Out (For The Devil's Blood)
Rake Your Nails Across The Firmament
She
The Graveyard Shuffle
Voodoo Dust
The Madness Of Serpents
Christ Or Cocaine

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