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THE 69 EYES, NIM VIND

Hannover, Musikzentrum

THE 69 EYES

Die kanadische Band NIM VIND eröffnet überpünktlich den Abend in Hannover, flirtet mit den „Beautiful German Girls“ und verweist mehrfach auf den eigenen Merch-Stand. Musikalisch liefern sie ordentlichen Horrorpunk mit poppigen Elementen ab. Das Publikum nimmt die „Musik für Außenseiter“ positiv auf. Umhauen können sie aber nicht so wirklich.

Bis die fünf „Helsinki-Vampires“ endlich die Bühne im Musikzentrum betreten, dauert es ein Weilchen, vielleicht muss noch die Sonnenbrille poliert oder die Frisur festgesprüht werden. Aber das Warten lohnt sich. Nach dem Chanson-Intro geht es ohne Ansage direkt los mit dem rasanten Opener 'Framed In Blood'. Den finnischen Boys ist die Spielfreude physisch anzumerken. Die charakteristische Stimme von Sänger Jyrki 69 ist eingängig, tief und prägnant. Seine Elvis-Begeisterung äußert sich heute Abend nicht nur in seinem Outfit, auch der Hüftschwung kann dem Vergleich mit dem King durchaus standhalten.
Das Set der 69 EYES bietet ein gutes Gemisch an Songs, vor allem von der aktuellen Platte „Universal Monsters“, die ja auch Namensgeberin der diesjährigen Tour ist. Die Fans kommen ganz auf ihre Kosten, denn Publikumslieblinge wie 'Betty Blue', 'The Chair' oder 'Never Say Die' sind auch Teil der Show. Die Begrüßung erfolgt dann überraschend auf Deutsch und in einem performativen Akt erschafft Jyrki 69 nebenbei mindestens 350 „Hannover-Vampires“. Die Stimmung im Musikzentrum ist positiv aufgeheizt, spätestens ab dem fünften Song 'Gothic Girl' tanzt und singt die Menge begeistert mit. Zusätzlich gibt Jyrki 69 einige Moonwalk-Einlagen zum Besten und schwingt den Mikroständer so furios umher, dass seine Gitarre spielenden Nachbarn ein bisschen enger zusammenrücken. Der für den kranken Jussi 69 eingesprungene Live-Drummer, ein guter Freund der Band, lässt sich davon nicht beeindrucken und bearbeitet sein Schlagzeug munter weiter, während die Bewegungsfreiheit der anderen drei knapper bemessen ist. Insgesamt präsentieren sich THE 69 EYES an diesem Abend von ihrer besten Goth'n'Roll-Seite, das bestätigt sich auch in der freudigen Atmosphäre und der bewegungseuphorischen Anhängerschaft. Altersmäßig ist vom jungen Gothic-Girlie bis zum flotten Mittsechziger mit Vorliebe für Lederhosen alles dabei. Es entsteht der Eindruck, dass sich hierhin nur wirkliche Fans (ausstaffiert mit passendem Merch) versammelten haben und keine zufälligen Besucher. Dem Vorwurf, dass die letzten Alben deutlich nachgelassen haben, begegnen THE 69 EYES mit einer großartigen Live-Show und dem Wissen, wie sie auf der Bühne überzeugen. Vielleicht sollten sie für Album Nummer 12 (falls geplant) gar nicht erst den Sargdeckel lüften, sondern stattdessen mit ihren bisherigen Gothic-Rock-Hymnen durch die Lande touren, denn damit würden sie auf jeden Fall vielen düsteren Gestalten eine große Freude bereiten. Sonnenbrille auf!