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BELTEZ, TERZIJ DE HORDE, LARVAE

Münster, Café Sputnik

UNAUSSPRECHLICHE CULTHE

In Folge des groß angelegten Tagesfestivals im Frühjahr, geht das Veranstalterteam der Unaussprechlichen Culthe es im Spätsommer reduzierter an und präsentiert ein kleines, aber feines Line-up aus Bands, von denen zuvor noch nicht jeder gehört haben mag.

Vor erfreulich gut gefüllter Hütte starten LARVAE aus der Region Münster/Osnabrück in den Abend und schieben mit drei Gitarren und kraftvollen Growls direkt eine Sludge-Dampfwalze an, die bei aller Vehemenz wirklich vielseitiges Material unter der Haube hat. Erst vor kurzem erschien die Debüt-EP „And It Dang Death“ als Eigenproduktion, deren Songwriting die Handschrift erfahrener Musiker trägt. Der Gesang ist meistens klassisch Death-lastig und das Drumming deckt von leisen und doomigen Teilen bis Vollgas alles ab, was dieser Stil hergibt. Besonders aber beeindruckt das Ineinandergreifen der Saiteninstrumente, deren Zusammenspiel in organischen Übergängen die laut/leise-Dynamik nutzt. Nun gilt es auf weitere Konzerte und ein professionell produziertes Album zu hoffen.

Die Umbaupause vor BELTEZ verlängert sich durch technische Probleme am Equipment, welche die Band schließlich souverän in den Griff bekommt. Im westdeutschen Black-Metal-Underground genießt die seit nunmehr dreizehn Jahren existierende Combo einen guten Ruf, auch wenn erst zwei Longplayer in der Diskografie zu finden sind. Frontmann Marc keift oft langgezogen, mehr der Atmosphäre als einzelnen Worten verpflichtet und verzichtet auf Pubklikumsinteraktion. Neben zwei einleitenden Tracks des 2013er-Releases „Tod Part I“, das mehr der melodischen Genreinterpretation Dissections nahe stand, besteht die zweite Hälfte des Sets aus unveröffentlichten Songs des für Frühjahr 2017 angekündigten Albums. Insbesondere bei ‚Adamantinarx‘ macht sich bemerkbar, dass BELTEZ ihren Fokus auf sphärischere Akkorde gelegt haben, die von stoischer Raserei begleitet werden. Die zwei weiteren neuen Tracks variieren stärker im Tempo, definieren die musikalische Kurskorrektur dennoch passend mit.

Nachdem der Club bislang mit knapp hundert Gästen angenehm gefüllt war, lichten sich die Reihen bei TERZIJ DE HORDE ein wenig. Schade für das niederländische Quartett, deren stoischer, schräger Black Metal sauber umgesetzt, aber für manche offensichtlich zu anstrengend ist. Ob im Blastspeed oder abgebremst, die Musiker wirken immer etwas kauzig und doch introvertiert auf sich selbst konzentriert. Das Kontrastprogramm bildet Sänger Joost, der sich besonders in der zweiten Hälfte der Show mehr vor als auf der Bühne aufhält und mit kurzem blonden Haar, Vollbart und zornigen Blickes durch die verbliebenen Reihen tobt. Authentisch, hätte vor entsprechend vollerem Laden aber noch besser gewirkt. Es bleibt zu hoffen, dass der Black Metal-Szene im nach wie vor vom Ruhrgebiet isolierten Münster Konzerte wie heute erhalten bleiben. So sieht ein lebendiger Underground mit Bands aus, die Bock auf eigenständige Musik haben und für alle Hörer die auch mal über den Tellerrand blicken möchten. Am 23.9. folgt im gleichen Gebäude ein weiteres Qualitätspaket mit Mutilation Rites, Wiegedood und Ultha.

 

Pics: Dominik Brüchler