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TAU CROSS, INDIAN NIGHTMARE, MAGGOT HEART

Berlin, Badehaus

TAU CROSS

Die bereits Ende der Siebziger Jahre in Großbritannien gegründeten Amebix zählten zu wichtigsten Wegbereitern des Metal-Punk-Sounds. Sie waren nicht nur genreprägend, sondern gleichzeitig Genregrenzgänger, die Elemente des Crustpunk, Industrial, Metal und Neo-Folk vereinten. Nachdem Amebix nach „Sonic Mass“ 2012 endgültig die Streitäxte niederlegten, hat Frontmann Rob Miller mit TAU CROSS eine neue musikalische Heimat gefunden. Das multinationale Kollektiv, das neben Miller noch mit Voivod-Schlagzeuger Away sowie Mitgliedern der Crustbands War//Plague und Misery aufwartet, macht sich im Sommer 2017 erstmals für zwei Shows auf nach Deutschland. Das Vorprogramm der TAU CROSS-Show am 7. August in Berlin bestreiten mit INDIAN NIGHTMARE und MAGGOT HEART zwei der derzeit spannendsten Bands der Hauptstadt.

Gerade einmal zweieinhalb Monate ist es her, dass MAGGOT HEART beim Live Evil Festival ihr Konzertdebüt gegeben haben. Seitdem war Linnéa Olsson (u.a. Sonic Ritual, Ex-Beastmilk, Ex-Grave Pleasures) mit ihrem Soloprojekt keineswegs untätig und hat die Debüt-EP „City Girls“ im Vorprogramm von Occvlta und auf dem Chaos Descends Festival vorgestellt. Die Live-Praxis hat MAGGOT HEART sichtlich gut getan. Die Band bringt an diesem Abend ein intensives, ansteckendes Set auf die Bühne. Songs wie 'Razorhead' oder 'Final Solution' verkörpern treibenden, düsteren Rock’n’Roll mit einer wütenden Punkseele und warten mit Hooks auf, die sich beharrlich in den Gehörgängen festsetzen. Toller Einstieg in den Abend, der Lust auf ein erste MAGGOT HEART-Full-Length macht.

Waaaah, was für eine unfassbare Energie, die die Herren von INDIAN NIGHTMARE da an den Tag legen. Kaum eine andere Band, die ich live gesehen habe, schafft es eine derart enge Verbindung zwischen sich und dem Publikum aufzubauen und ein solches Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln. Das Multikulti-Gespann mit Mitgliedern aus Mexiko, Indonesien, Italien und der Türkei drückt gleich beim Opener „Circles of Fire“ das Gaspedal bis zum Anschlag durch und versetzt uns mit einem explosiven Speed/Thrash/Heavy Metal-Gemisch und herrlich räudiger UK-Crustpunk-Schlagseite geradewegs zurück in die frühen Achtziger Jahre. Die Matten fliegen zu hohen Speed Metal-Screams, pfeilschnellen Riffs und Gitarrenleads, die sich beispielsweise bei 'Betrayers' immer wieder mit stampfenden Passagen abwechseln. Mit 'War Metal Punks', das ein ums andere Mal an Voivod’s 'War and Pain' erinnert, und einem tobenden Moshpit vor der Bühne geht eine mitreißende, grandiose Show zu Ende.

Auch wenn Indian Nightmare aus Zeitgründen keine Zugabe vergönnt ist, bleiben sie doch symbolisch auf der Bühne. TAU CROSS-Fronter und Chefdenker Rob „The Baron“ Miller bestreitet den heutigen Gig in einem Shirt des Berliner Metal-Punk-Tribes. Die TAU CROSS-Performance verbindet geradlinige, nach vorn gehende Punknummern wie 'Prison' mit wuchtigen Mid-Tempo-Riffs, atmosphärischen Passagen sowie Industrial und Post-Punk-Einflüssen bei 'Bread and Circuses'. Über allem thront der eindringliche, Mark und Bein erschütternde Gesang des charismatischen Fronters. Während das aktuelle TAU CROSS-Langeisen 'Pillar of Fire' mit vielen leisen Momenten und subtilen Überraschungen aufwartet, die sich erst nach dem zehnten Durchlauf erschließen, stehen live vor allem die rohe Authentizität und Energie der Band im Fokus – gleich einer dystopischen düsteren Soundlawine die das Publikum mit jedem Song ein Stück mehr erfasst.



Setlist Maggot Heart:

No Light In You
Neuromancer
Razorhead
City Girls
Show Them Your Teeth
Final Solution

Setlist Indian Nightmare:

Circles Of Fire

Thunderblade

Bastions of Nightmares

Fire Meets Steel

Iron Hammers

Welcome To The World

Betrayers

Yang Terampas Dan Terhisap

War Metal Punks










Pics: Robert Hanna (www.robhanna.com)