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SKULL FIST, SUICIDAL ANGELS, EVIL INVADERS, CRISIX

Essen, Turock

SUICIDAL ANGELS

Kuttenalarm in der Essener Innenstadt: Gleich vier Truppen der Marke „junge, traditionsbewusste Metalband“ spielen am heutigen Freitagabend im Turock auf, was selbstverständlich die ebenso traditionsbewusste Ruhrpott-Thrash-Szene auf den Plan ruft. Beste Voraussetzungen also für einen grandiosen Konzertabend.

Den eröffnen um halb acht die Spanier CRISIX mit 'Conspiranoia', dem Opener ihres aktuellen Langeisens „From Blue To Black“. Exakt diesen einen Song braucht das schon recht zahlreich anwesende Publikum, um mit dem Auf-die-Zwölf-Thrash der Jungs warmzuwerden, bereits beim nachfolgenden 'Rise...Then Rest' entsteht ein amtlicher Moshpit. Kleinere Soundprobleme wie ein knackendes Kabel werden durch pure Spielfreude und Publikumsinteraktion wieder wettgemacht. Höhepunkt des letzteren ist sicherlich das „Football Of Death“, bei der Fronter Julián Baz zwei Luftballons in eine Wall Of Death wirft. Ein sehr starker Opener!

Dem stehen die EVIL INVADERS natürlich in nichts nach. Die Belgier gelten zurecht als eine der stärksten Livebands der jungen Thrash-/Speed-Szene und beweisen das heute ein weiteres Mal nachdrücklich. Von Anfang an versprüht die Truppe pure Energie, die mit kleinen Showeffekten (zwei Podien mit Nebelmaschinen und Licht, Ventilator) noch besser zu Geltung kommt, und lässt sich von der gnadenlos ausrastenden Meute noch zusätzlich anstacheln. Wenn man Anlässe zum Meckern sucht, findet man sie auch hier beim Sound, der ein bisschen differenzierter sein könnte – etwas, das man bei beiden anschließenden Bands ebenfalls anbringen könnte – aber wer den Laden als zweite Vorband schon so auseinandernimmt und selbst bei neuen Songs wie 'Raising Hell' einen Moshpit durch das halbe Auditorium verursacht, kann über sowas sicherlich hinwegsehen. Das Publikum ist jedenfalls so begeistert, dass die Truppe nochmal für eine Zugabe auf die Bühne gebrüllt wird.



Schon jetzt frage ich mich, wie die nachfolgenden Bands dieses Energielevel halten wollen, aber ich habe die Rechnung ohne SKULL FIST gemacht. Die auf dieser Tour zum Quintett angewachsenen Speedster (der sonst für die Vocals zuständige Gitarrist Zach Slaughter darf wegen Stimmbandzysten nicht singen und wird von Aggressor-Fronter Brian Stephenson ersetzt) geben vom ersten Ton an Vollgas und nehmen das Publikum für sich ein. Wer im Vorfeld dachte, dass die Truppe vielleicht ein wenig zu soft für das Billing sei, wird eines besseren belehrt. Die Jungs sind heute die gefühlten Headliner, die Meute zeigt sich erstaunlich textsicher und feiert die Kanadier u.a. mit den ersten Crowdsurfern des Abends ab. Dabei erweist sich der Ersatz-Fronter als Goldgriff: Stephenson feuert die Meute immer wieder an und sein charismatisches Auftreten gibt dem Gig das gewisse Etwas. Zum großen Finale 'No False Metal' nimmt Zach noch seinen Mitgitarristen Jonny Nesta auf die Schultern, um mit ihm einen „Doppel-Lead-Turm“ zu bilden.Nach 45 Minuten Alarm gehen die Jungs dann unter Zugaberufen von der Bühne, um den SUICIDAL ANGELS Platz zu machen.



Deren Bühnenshow wirkt nach der ganzen Action der Vorbands eher statisch, aber nicht weniger wirkungsvoll. Ich weiß nicht, was die Turock-Betreiber heute ins Bier gemischt haben, aber die Fans holen nochmal alles aus sich heraus und moshen, crowdsurfen und bangen, als hätte es die drei Bands vorher nicht gegeben. Die Band dankt es mit einem Gig, den man getrost unter den Stichwörtern „supertight“ und „brachial“ in die Lehrbücher schreiben kann. Auch die Setlist lässt wenig Wünsche offen: Nach dem Eröffnungstriple vom aktuellen Album „Division Of Blood“ knüppelt man sich quer durch den Backkatalog, aufgelockert wird das Ganze von den sympathisch-denglischen Ansagen des Fronters Nick Melissourgos. Selbst das klassische und deshalb gerne mal peinliche Antreten von linker und rechter Raumseite im Schreicontest bei 'Seed Of Evil' gelingt und wirkt nicht gewollt oder aufgezwungen. Um exakt 23:35 Uhr verklingt dann der letzte Ton von 'Apokathilosis' und schickt die versammelte Kuttenträgerschaft an die Theke oder in die laue Essener Nacht.

Häufig wird in letzter Zeit darüber philosophiert, wer denn mal die nächsten großen Festival-Headliner werden könnten. Wenn sich das nur an der Bühnenshow misst, hat man an diesem Abend mindestens drei potentielle zukünftige Headliner gesehen. Um es mit den Worten von Nick zu sagen: „Danke fuckin' schön, Essen!“ und Danke fuckin' schön für dieses Billing!

 

Pics: Maximilian Blom

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