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VORTEX, ALEATORY, WORDS OF FAREWELL, KROW, GLORYFUL, GLORYHAMMER, FOREVER ENDS TODAY

STEEL MEETS STEEL FESTIVAL 2013

GLORYHAMMER

Einmal im Jahr kommen die bösen schwarzen Männer (und Frauen) nach Mittelerde, pardon, Castrop-Rauxel, um sich beim Steel Meets Steel mit frisch gezapften Bierchen und leckerer Grillwurst eine auserlesene Zusammenstellung feinster Metalbands anzuschauen – Picknickdecken, Kinder, Hunde und Frisbees inklusive. Richtig evil also. Am frühen Nachmittag des 10. August öffnet das Festival zum zwölften Mal seine Pforten und ist, mit freundlicher Unterstützung des Wettergottes, besser denn je besucht.

Aus der gemütlichen Wochenendatmosphäre werden die Besucher allerdings jäh mit einer lautstarken Ladung Metalcore gerissen. FOREVER ENDS TODAY aus Dortmund eröffnen das Festival, und was da zunächst optisch wirkt, wie eine niedliche Hipster-Studentenband, lässt es auf der Bühne gewaltig krachen. Fronter Borsti röhrt gekonnt ins Mikro, während sich Gitarrero Jan der cleanen Stimmeinlagen annimmt. Die clevere Kombi aus Melo-Core und Dubstep-Elementen weckt schnell das Interesse des Publikums und mit ihrem 'Gangnam Style'-Cover sorgen die Jungs endgültig dafür, dass man sie so schnell nicht vergisst.

AleatoryDerart kraftvoll aus dem Mittagsschläfchen gerissen, sind die Festivalbesucher mehr als bereit für eine konzentrierte Dosis Heavy Rock. Die Bochumer ALEATORY, einstmals als Schülerband entstanden, lassen sich die Spuren des gestrigen Junggesellenabschieds von Klampfer Alexander kaum anmerken und hauen den Festivalgängern eine rotzige Partymischung irgendwo zwischen Mötley Crüe und Judas Priest um die Ohren, was Fronter Jens auch in seinem Bühnenoutfit ganz gut vereint.
Die Saitenfraktion hat offenbar aus früheren Shows gelernt und in Sachen Stageacting einen Zahn zugelegt, was der Band ziemlich gut zu Gesicht steht. Die Songs des Fünfers gehen schnell ins Ohr und sorgen für kollektives Kopfnicken und Fußwippen beim Publikum. Vor allem der gut gewählte letzte Song 'Solid As A Rock' fräst sich nachhaltig ins Ohrwurm-Areal der Zuschauerhirne.

Da man beim Steel Meets Steel Wert darauf legt, alle Spielarten des Metal zu bedienen, dürfen sich die True-Metaller vor der Bühne nun an GLORYFUL aus Gelsenkirchen erfreuen. Sänger Johnny La Bomba macht seinem Namen alle Ehre und Gitarrist Jens Basten dürfte dem einen oder anderen aus der Melodic-Death-Truppe Night In Gales ziemlich bekannt vorkommen.
Ihre Inspiration beziehen die fünf Ruhrpöttler eindeutig von den ganz Großen im klassischen Metal. Das Konzept der Combo geht auf: Mit eine Prise Iron Maiden hier, einer Ecke Manowar da und einem Quäntchen Hammerfall zwischendurch kommt der Fünfer mit Songs wie 'Fist Of Steel'
und 'The Warrior's Code' beim Publikum auffallend gut an. Ein Schelm, wer insgeheim denkt, den einen oder anderen Song schon einmal so oder ähnlich bei einer der genannten Stadionbands gehört zu haben. Gut inspiriert ist eben halb gewonnen...

Vortex

Band Nummer vier kommt aus den Niederlanden und ist schon ein richtiges
Steel-Meets-Steel-Urgestein: Zum vierten Mal spielen die Publikumslieblinge VORTEX bereits in Castrop-Rauxel und erobern auch die Sympathien der Festival-Neulinge im Sturm. Mit ihrem selbst definierten „New Wave Of Dutch Heavy Metal“-Set, Old-School-Lederoutfits, Wunderkerzen und einer ordentlichen Portion Schminke im Gesicht des Filzperücke tragenden Sängers Jurjen fahren die Herren alle Klischees auf, die es im klassischen Metal und Hard Rock nur zu finden gibt - und nehmen sich selbst dabei kein Stückchen ernst. Ihre Musik dagegen schon.
VORTEX erinnern stilistisch an die alte Schule von Kiss, Alice Cooper und Konsorten, ohne jedoch von ihnen abzukupfern. Wie viel Spaß die Truppe auf der Bühne hat, kann man dem breiten Grinsen und den herrlichen VORTEX-Grimassen der Musiker ohne Weiteres entnehmen. Kein Wunder, dass die Niederländer sich schon seit mehr als 30 Jahren im Metal-Dschungel behaupten können.

Höchste Zeit, ein wenig Abwechslung der brachialen Gangart aufzufahren.
Ein ordentliches Death-Metal-Brett liefern im Anschluss die Münsteraner WORDS OF FAREWELL ab. Die erdigen Growls von Fronter Alexander werden mit melodischen Keyboard-Klängen untermalt und lassen somit unweigerlich die Assoziation mit der guten alten Göteborg-Schule aufkommen. Durch deutlich hörbare Progressive-Einflüsse mischen die Jungs ihren Stil allerdings erfrischend anders auf und ballern den Zuschauern nicht nur die volle Dröhnung Geknüppel, sondern auch einige Gratis-T-Shirts vor den Latz. Dem Publikum gefällt beides, und von WORDS OF FAREWELL dürfte es in Zukunft noch einiges auf die Ohren geben.

KrowZiemlich international wird es im Anschluss. Die brasilianischen Death-Thrasher KROW bitten zum Todesblei-Samba und reißen ihre zahlreich erschienenen Fans vom ersten Song an mit. Leider muss die Combo, die direkt einer Haarshampoo-Werbung entsprungen zu sein scheint, ihren groovigen, stark an die frühen Sepultura erinnernden Set aber schon nach einer halben Stunde abbrechen, da sich Fronter und Gitarrero Guilherme vor der Show amtlich den Fuß verletzt hatte und mit zusammengebissenen Zähnen auf die Bühne humpelt – dafür sei ihm größter Respekt gezollt.
Trotzdem schade, denn von KROW hätten die meisten Anwesenden wohl gern noch mehr gehört.

Um die Wartezeit zu überbrücken, werden allerdings weder Kosten und Mühen gescheut: Eternal-Concert-Institution Hoschi gibt sein Bestes als Stand-up-Comedian und macht seiner Liebsten gar auf der Bühne einen Heiratsantrag. Nach so viel Death Metal braucht man schließlich auch was fürs Herz.

Gegen 20:35 Uhr entern schließlich die Headliner GLORYHAMMER unter lautem Jubel des Publikums die Bühne und zocken ihr komplettes Debütalbum „Kingdom Of Fife“ für das „mächtige Königreich Castrop-Rauxel“. Die schottische Band um Alestorm-Tastenmann Christopher Bowes inszeniert sich in farbenfrohen Rüstungen als edle Ritterrunde aus einer mittelalterlichen Parallelwelt mit Drachen, Magiern und Einhörnern und geht mit den Zuschauern auf eine verzwickte Quest. Deren Ziel ist es, auf einem mächtigen Drachen zu reiten, die schöne Prinzessin zu retten und den garstigen Zauberer am Keyboard in seine Schranken zu weisen. Zu hören gibt es – man ahnt es schon – bombastischen Power Metal mit leichtem Mittelalter-Einfluss. Nervig oder langweilig sind GLORYHAMMER aber nicht – ganz im Gegenteil. Die selbstironischen Showeinlagen und Ansagen des Front-Ritters Thomas zeigen, dass die Schotten mindestens so viel Spaß daran haben sich selbst auf die Schippe zu nehmen, wie ihr Publikum. Bei den Singspielchen der Jungs macht die schwer begeisterte Menge, bewaffnet mit aufblasbaren Gummihämmern, nur allzu gern mit. Kein Wunder – Songs wie 'Angus McFife' oder 'Quest For The Hammer Of Glory' gehen sofort ins Ohr und zwingen einen fast schon zum Mitsingen. Zu dumm, dass GLORYHAMMER ihr Merchandise zu Hause vergessen haben – nach diesem glorreichen Hammerkonzert wären sie wohl einiges davon losgeworden.

Gloryhammer

 

Pics: Alexandra Michels