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SPIRITUAL BEGGARS, WOLVESPIRIT, JESUS CHRÜSLER SUPERCAR

Aschaffenburg, Colos-Saal

Schön, dass Michael Amott abseits seiner Verpflichtungen mit Arch Enemy noch Zeit für seine Nebenbaustelle SPIRITUAL BEGGARS findet und nahezu parallel zu deren neuem Album „Sunrise To Sundown“ auch einige Gastspiele mit der Truppe einrichten kann. Schade nur, dass das Colos-Saal bei einem fanfreundlichen Eintrittspreis von 22 Euro nicht rappelvoll ist.

Im Rahmen der Einstimmung auf die Show wird einem wieder einmal bewusst, dass Amott schon seit 1994 dem Sound der späten Siebziger und ganz frühen Achtziger huldigt, und damit der viel später einsetzenden Retrowelle einen enormen Vorschub geleistet hat. Seitdem passt seine Truppe in keine Schublade, wer aber mit Uriah Heep, frühen Rainbow, Deep Purple und MSG sozialisiert wurde, der muss dem Mann aus Halmstad dankbar sein,
wie gekonnt der Gitarrist den Spirit dieser Phase authentisch aufleben lässt.

Bei der Setlist legen SPIRITUAL BEGGARS mit neun der 18 (!) Songs den Schwerpunkt auf die beiden letzten Veröffentlichungen und damit auf die Ära mit ihrem dritten Sänger Apollo Papathanasio, der auch heute einen guten Job als Frontmann macht. Überhaupt harmoniert die Allstarbesetzung (zur der noch Ludwig Witt von Grand Magus, Tastenzauberer Per Wiberg sowie Tausendsassa Sharlee D'Angelo von u.a. Arch Enemy, Witchery und Night Flight Orchestra zählen) wunderbar und unterstreicht damit deren Facebook-Beschreibung „Real music by real musicians“. Und wenn dem Gitarristen bei den Jams einige Male ein Lächeln aus dem Gesicht fällt, zeigt das wie viel Herzblut für ihn mit dieser Band verbunden ist. Würde man den Ausnahmegitarristen (ja, er braucht den ganzen Abend nur eine Dean-Gitarre, die zugleich seinen Michael-Schenker-Einfluss verrät) vor die Entscheidung stellen nur eine seiner Bands weiterzuführen, er würde sich sicher für die Beggars entscheiden. Offen bleibt allerdings die Frage, wieso man auf der SPIRITUAL BEGGARS-Facebookseite die heutige über neunzigminütige Show mit „Aschaffenburg, das war porno!“ bezeichnet. Geil war es auf jeden Fall!

Zum Vorprogramm: Da tauchen erst mal die unangekündigten JESUS CHRÜSLER SUPERCAR auf. Mit den Schweden sind wohl die Wenigsten im Publikum vertraut, was sich aber rasch ändert, denn die Nordlichter bieten mit ihrem Kurzset (24 Minuten) coolen Death'n'Roll, der Spaß macht, Klasse hat, und bei den beiden Schlussnummern fast im reinen Death Metal endet. Im Mittelpunkt des Trios, welches sich auf der Tour mit einem zweiten Gitarristen verstärkt hat, steht Frontmann und Basser Robban Bergeskans, der stark an den schrulligen Catweazle erinnert. Wer sich Anfang des Sets noch darüber ärgert, dass die dritte Band im Billing den Abend unnötig verlängert, sollte von der Truppe aus Stockholm eines besseren belehrt worden sein.

WOLVESPIRIT haben unlängst im Vorprogramm von Uriah Heep überzeugt und sind in ihrem Genre die beste deutsche Band (mit der Meinung stehst du redaktionsintern aber alleine da - Red.). Auch heute passt der Psychedelic Hardrock perfekt zum Headliner. Mit Frontlady Debbie Craft hat man zudem die wohl einzige Sängerin, die man aufgrund der Schellen am ihrem Kleid auch hören kann, wenn sie nicht singt (Wahnsinn, wir rufen direkt beim Guiness-Buch der Rekorde an! - Red.) . Als Dancing Queen ist die Amerikanerin nonstop in Bewegung und driftet nur mit ihrer Teddybär-Nummer (Wäh? - Red.) einmal fast ins Peinliche. Da man Übernummern wie 'I Am Free' oder das abschließende 'Moonlight' mit dem Wahnsinnschorus im Programm hat, bietet das Quartett um die Eberlein-Brüder die volle Bedienung für alle, die es stilvoll Retro mögen. Wird Zeit, dass man die Würzburger als Headliner auf der Bühne sieht.

 

SETLIST SPIRITUAL BEGGARS

Left Brain Ambassadors
Sunrise To Sundown
Young Man, Old Soul
Hard Road
Euphoria
Diamond Under Pressure
One Man's Curse
One Man Army
Dark Light Child
Wonderful World
Fools Gold
Drum Solo
Dreamer
Turn The Tide
Lonely Freedom
Wise As A Serpent
Beneath The Skin
Blind Mountain
Mantra

Foto: Masa Noda (Promo)

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