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SPACE CHASER, DEAD SUN HALO, MOPED

Siegen, Vortex

SPACE CHASER gehören spätestens seit ihrer „Decapitron“-EP zu den ganz heißen Eisen im deutschen Thrash-Untergrund. Demnächst kommt ihre zweite Platte „Dead Sun Rising“ in die Läden, doch vorher machen sie noch die Bühnen der Republik unsicher, so wie am heutigen Abend im Vortex in Siegen. Auch die zweite Band des Abends kann man mit Spannung erwarten, denn bei DEAD SUN HALO handelt es sich um die neue Band von ex-Accuser-Gitarrist René Schütz.

Den Start machen aber um 21 Uhr erstmal MOPED aus dem nahegelegenen Betzdorf, die im Laufe ihres Sets alle Proll-Klischees bedienen: Cappies, nach jedem Song einen Schnaps trinken (immerhin Whiskey!), Bierdosen-Wettsaufen mit dem Publikum und ein Porno-Dialog-Sample zum Fremdschämen. Musikalisch gibt es handwerklich annehmbaren Rock'n'Roll mit leichter Hardcore-Punk-Schlagseite, der allerdings auf Dauer doch recht monoton ist. Einziger Lichtblick ist das kompetent gezockte Gang-Green-Cover 'Alcohol'.

Das sehen offensichtlich einige wie ich und verbringen Teile des Sets lieber vor der Tür, um auf DEAD SUN HALO zu warten. Die Truppe, in der neben Schütz auch ex-Sencirow-Basser Holger Fischer aktiv ist, hat sich dem proggigen (Neo-)Thrash-Metal verschrieben. Neben bereits bekannten Stücken ihrer ersten EP „Crusade Against Myself“ gibt es auch neue Songs wie das etwas plakativ betitelte, aber musikalisch starke 'In The Name Of God, You Suck!' zu hören. Der Sound der Truppe kommt bei den Anwesenden ebenfalls gut an, der laute Applaus zwischen den Liedern mündet in (leider nicht erhörten) Zugaberufen. Als Glücksgriff erweisen sich dabei die beiden Jungspunde in der Truppe: Mit Steffen Schmidt hat Schütz einen technisch fitten Counterpart am Sechssaiter gefunden, die beiden harmonieren perfekt miteinander und scheinen sich auch gegenseitig zu beflügeln. Die selbsternannte „vokalistische Blutgrätsche“ Simon Müller auf der anderen Seite kann von tiefen Growls über Clean-Gesang bis Gekeife alles und macht auch als Frontmann eine gute Figur. Eine gute Liveband sind sie schonmal, jetzt darf man mit Spannung auf den Album-Einstand warten!

Diesen Einstand haben SPACE CHASER schon vor zwei Jahren gefeiert. Die Berliner sind da, „um Schädel zu spalten“ (O-Ton Fronter Siggi) und setzen dieses Versprechen von Anfang an in die Tat um. Das Publikum braucht indes einen Moment, um mit dem präzisen und bei gutem Sound vorgetragenen Old-School-Thrash warm zu werden, doch spätestens beim dritten Song 'Loaded To The Top' zeigen nicht nur zahlreich fliegende Haare, dass es den Anwesenden gefällt. Selbiges gilt auch für die Ansagen, die nach anfänglicher Zurückhaltung dankbar mitgenommen werden. Aktivpunkt auf der kleinen Bühne ist neben dem Sänger auch Gitarrist und Bandkopf Leo, der quasi konstant an der Bühnenkante steht, dort das Publikum anheizt und irgendwann zusammen mit Siggi die Ansagen macht. Schwerpunktmäßig gibt’s Songs der Debütplatte „Watch The Skies“ zu hören, mit 'The Harbringer' (ein klassischer Thrasher mit eingängigem Chorus), 'Xenomorph' (das in der Strophe an eine Mischung aus Mid-Tempo-Slayer und US-Metal erinnert) und 'Skate Metal Punks' haut man aber auch drei Songs des anstehenden Drehers „Dead Sun Rising“ ins Rund. Letzterer ist schon von der gleichnamigen EP bekannt und tritt den ersten Pit des Abends los. Nach 45 viel zu kurzen Minuten verabschiedet sich die Band offensichtlich ohne geplanten Zuschlag von der Bühne, doch den vehementen Zugabe-Forderungen wird nach kurzer Absprache noch nachgekommen: Zum Abschluss gibt es das Slayer-Cover 'Aggressive Perfector' zu hören. Wenn die Bay-Area-Legenden heutzutage nur ansatzweise so viel Power und Spielfreude hätten wie die Berliner...
Um kurz vor zwölf ist der Spaß dann vorbei und Musiker und Fans stehen noch auf ein, zwei Kaltgetränke an der Theke oder am Merchstand. Gemeinsam stoßen sie auf ein gelungenes Konzert an, das etwas besser hätte besucht sein können, aber ansonsten recht wenig Grund zur Kritik gibt.

 

Pic SPACE CHASER live: Maximiliam Blom