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KISSIN' DYNAMITE, BULLETRAIN, CHASE THE ACE, THE CRUEL INTENTIONS, ADDICTION, TOXIC ROSE

SLEAZE FEST 2016

Sleaze Fest 2016

Ende Februar ist in Bochum wieder Glam-Metal-Zeit: Nachdem die Shout-It-Out-Loud-Nachfolgeveranstaltung Sleaze Fest im vergangenen Jahr einen vielversprechenden Start hingelegt hat, geht es jetzt in die zweite Runde. Mit dabei: Die deutschen Senkrechtstarter von KISSIN' DYNAMITE, die schwedischen Grusel-Glammer TOXIC ROSE und eine gute Handvoll andere Bands.

Nachdem Kollege Bittner im letzten Jahr noch in voller Ledermontur aufgelaufen ist, sich dank des Konsums von gefühlten 50 Bierchen aber erfolgreich um die Nachberichterstattung herumgemogelt hat (wir berichteten seinerzeit), winkt er diesmal gleich im Vorfeld ab: "Nee, Vince, das können mal schön Alex und du erledigen. Ich bin raus!" Gesagt, getan. Besagtes Frollein Michels beißt sich also noch vor Beginn der Konzerte (selbstredend wie immer stilsicher im hautengen Latexdress gekleidet) mit ihrer Kamera in der ersten Reihe fest, während ich erst mal die Lokalität checke. Die Räumlichkeiten der Matrix sind hinlänglich bekannt, wurden aber im Verlauf des vergangenen Jahres umgebaut und modernisiert. Ein positiver Nebeneffekt davon ist, dass sich die ohnehin schon relativ kurzen Wartezeiten an den Theken noch weiter verkürzen, außerdem gibt es neben einem Stand, an dem das Merchandise der auftretenden Bands verkauft wird, noch einen zusätzlichen Bereich, in dem weitere Shirts, Kleidchen und Accessoires feilgeboten werden. Davon ab ist alles beim Alten: Die Bühne ist vorn, die Tube ziemlich tunnelig, und der Sound zumindest anfangs noch suboptimal, im Laufe der Veranstaltung dann aber zunehmend besser.

ADDICTION haben die gleichermaßen ehrenvolle wie undankbare Aufgabe, den Nachmittag vor einer Handvoll Hanseln zu eröffnen, und schlagen sich dabei bestenfalls mittelprächtig. Das Publikum ist sturznüchtern und wenig feierwütig, die Performance lässt trotz ordentlicher Songs zu wünschen übrig, was vermutlich der mangelnden Auftrittserfahrung der jungen griechischen Truppe geschuldet ist.

Als nächstes dürfen BULLETRAIN aus Schweden auf die Bretter, die in allen Belangen stärker als ihre Vorgänger rüberkommen. Attitüde und Songs sitzen, Sänger Sebbe ist eine echte Frontsau, der die Herzen der Damen in den ersten Reihen (nicht wahr, Frau Michels?) mit seiner blonden Lockenpracht und seinem gekonnten Hüftschwung zum Schmelzen bringt, und auch das restliche Publikum kommt langsam in Stimmung.

Das erste Highlight des inzwischen nicht mehr ganz so jungen Tages sind jedoch CHASE THE ACE: Der britische Vierer ist schon auf Platte stark, zieht aber live alle Register und liefert eine arschtighte, mitreißende Rock'n'Roll-Performance ab. Besonders gut kommt das Creedance-Clearwater-Revival-Cover 'Fortunate Son' an, das ein Großteil der Anwesenden aus vollem Hals mitsingt.

Die schwedisch-norwegische Connection THE CRUEL INTENTIONS profitiert im Anschluss merklich von der fortgeschrittenen Stunde und dem damit einhergehenden Pegel eines Großteils der Gäste, denn der Zuschauerbereich hat sich im Verlauf der letzten Stunde in eine homogene, tanzende Masse verwandelt, die in bester Feierlaune ist. Die Jungs feuern einen Kracher nach dem anderen ins Publikum, sind hervorragend aufeinander eingespielt und kommen grundsympathisch rüber.

Gleiches gilt für TOXIC ROSE, die – ganz in der Tradition von Sister im vergangenen Jahr – diesmal für den düsteren Part des Abends verantwortlich zeichnen. Rein optisch eher Black Metal als Glam (Corpsepaint, Nieten und Leder), musikalisch eine Mischung aus Sister und Crashdiet (wenig verwunderlich, denn an den Drums sitzt immerhin der kleine Bruder des Crashdiet-Gitarristen Martin Sweet), zocken die Burschen souverän ihr Set herunter und erspielen sich quasi im Vorbeigehen den einen oder anderen neuen Fan. Man darf gespannt auf das Debütalbum der jungen Truppe sein, das noch in diesem Jahr erscheinen soll.

Dass KISSIN' DYNAMITE keine halben Sachen machen, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Die fünf Jungs aus dem Schwabenländle sind derzeit eine der hoffnungsvollsten jungen Bands, haben eine Handvoll starke Platten veröffentlicht und zahllose Gigs im In- und Ausland gespielt. Mit seinem letzten Album ("Megalomania", 2014) hat sich der Fünfer dank des Einbaus von zahlreichen "modernen Elementen" wie Synthies und Dance-Beats gewissermaßen selbst ein wenig neu erfunden, was ihm zwar zahlreiche neue Fans gebracht, gleichzeitig aber auch ein wenig an der vorhandenen Fanbase gekratzt hat. Nichtsdestotrotz ist vom ersten Ton an klar, wer heute der Chef im Haus ist: KISSIN' DYNAMITE haben von allen Bands im Billing nicht nur die größte Auftrittserfahrung, sondern auch die höchste Hitdichte in ihrer Setlist, und dementsprechend geht das Publikum ab wie Schmitz' Katze. Durchweg runde Sache!

Im Anschluss an die Konzerte feiern die Gäste noch bis in die frühen Morgenstunden im Rockpalast der Matrix, wo es im Rahmen der Partymonium nicht nur Gesang, sondern auch reichlich Wein und Weib gibt. Wir klinken uns an dieser Stelle aus - schön war's. Bis zum nächsten Jahr!

 

Pics: Alexandra Michels

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