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SKID ROW, UGLY KID JOE, DEAD CITY RUINS

Bochum, Matrix

UGLY KID JOE

Am 9. November 2013 verwandeln sich die altehrwürdigen Gemäuer der Bochumer Matrix in eine Pilgerstätte für passionierte Hardrocker aller Altersklassen: Die Sleaze-Legende SKID ROW sucht mit ihrer neuen „United World Rebellion: Chapter One“-EP im Gepäck die Bochumer Matrix heim. Ebenfalls an Bord sind die Newcomer DEAD CITY RUINS und UGLY KID JOE, die schon das eine oder andere Mal die Media Control Charts geentert haben.

DEAD CITY RUINSWer hat denn da an der Uhr gedreht? Im Grunde keiner, DEAD CITY RUINS können es nur offenbar kaum erwarten, endlich deutsche Bühnenbretter zu betreten, und stürmen knapp zehn Minuten zu früh auf die Matrix-Stage. Vor leeren Reihen müssen die Australier aber dennoch nicht zocken, denn die Bude ist schon zu früher Stunde erstaunlich gut gefüllt. Der Fünfer aus Melbourne sorgt mit einer energiegeladenen Performance und eingängigen Hardrock-Nummern dafür, dass es auch so bleibt. Fronter Jake Wiffen macht sich mit jedem Quadratzentimeter der Spielstätte persönlich bekannt, rast wie ein Irrer über die Bühne, springt oder klettert auf alles, was einigermaßen niet- und nagelfest ist, und geht mit dem Publikum auf Tuchfühlung. Momentan sammeln DEAD CITY RUINS mit einer Crowdfunding-Kampagne die Kröten für ihre nächste Langrille zusammen. Wenn der Funke bei all ihren Support-Shows so sehr überspringt wie heute, dürfte sich auf ihrem Konto schon bald ein beachtliches Sümmchen anhäufen.

UGLY KID JOEUGLY KID JOE müssen sich ihren Bekanntheitsgrad nicht mehr mühsam erspielen – vor ihrer Auflösung 1997 gehörte die Combo zu den ganz Großen und vor allem auch im Mainstream Erfolgreichen der Rock-Szene. 2010 juckte es den Herren dann auch wieder unerträglich in den Fingern. Glücklicherweise hat die Combo dem Kribbeln nachgegeben, und macht bei ihrem heutigen Auftritt auch dem letzten Zweifler klar, dass man noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Schon bei den ersten Nummern 'V.I.P.' und 'Neighbor' entpuppen sich die Kalifornier mit ihrem aufstachelnden Rotz 'n' Roll als Partykanonen, und geschont wird sich bei dem gut einstündigen Gig ohnehin nicht. Wie die Stehaufmännchen wirbeln, hüpfen und pogen UGLY KID JOE über die Bretter – und nutzen die soliden Wände sogar für einige verrückte Parcours-Einlagen. Dass man die Songs bei so viel Action überhaupt erkennt, ist schon erstaunlich – dass sie absolut tight rüberkommen und kaum ein Ton danebengeht, ein wahres Wunder. Die komplette Matrix zum Brodeln, und dann auch noch zum Kollektivspringen zu bringen, ist für den charismatischen Front-Sportler Whit Crane die leichteste Übung. Eine kleine humoristische Verschnaufpause beschert dem Publikum Gitarrist Klaus Eichstadt, der seine deutschen Wurzeln und die zugehörigen Sprachbrocken breit grinsend aus der Versenkung holt. Ruhiger wird es auch als Whit die ersten Töne der Chartstürmer-Ballade 'Cats In The Cradle' anstimmt – allerdings nur bis zum Gänsehaut-Refrain, der aus mehreren hundert Kehlen begeistert mitgesungen wird. Für den Zugabenteil hat sich die Truppe eine erfrischend neue Taktik ausgedacht: Statt wie gewöhnlich die Bühne zu verlassen, um vom Publikum wieder herausgerufen zu werden, frieren UKJ einfach in den unmöglichsten Positionen auf den Brettern ein, und nur ein standesgemäßer Radau kann sie wieder auftauen. Keine Frage, dass die Band im Handumdrehen ihren Encore-Doppelhammer, bestehend aus ihrem Hit 'I Hate Everything About You' und dem Motörhead-Cover 'Ace Of Spades' zünden kann. Wenn schon die „Vorband“ dermaßen abgeht, was mag dann erst beim Headliner passieren?

UGLY KID JOEBevor SKID ROW ihrem Publikum gegenübertreten, wartet dieses mit gemischten Gefühlen auf das, was da kommen mag: unbändige Vorfreude auf die zuletzt vor zehn Jahren in Deutschland aufgetretene Kultband und ein wenig Angst, dass die hochgeschraubten Erwartungen, die man bei Meilenstein-Combos eben so aufbaut, enttäuscht werden. Heute haben die gut 700 Hairspray-Rocker vor der Bühne allerdings großes Glück, und Enttäuschung macht sie höchstens breit, weil das Konzert den meisten nach 75 Minuten allzu schnell endet. Seit 14 Jahren okkupiert Johnny Solinger bei SKID ROW bereits das Mikro – und steht immer noch im Schatten des übermächtigen Sebastian Bach. Vollkommen zu Unrecht, wie der Sänger den Zweiflern in Bochum ein ums andere Mal unter die Nase reibt. Direkte Vergleichsmöglichkeiten gibt es viele, denn bis auf die beiden neuen Songs 'Let's Go' und 'Kings Of Demolition' und dem 2003er Track 'Thick Is The Skin' fahren Snake Sabo, Rachel Bolan und Co. ein mächtiges, absolut professionelles Best-of-Set ihrer goldenen Zeiten auf, das so manchem Old-School-Fan das Herz noch stundenlang höherschlagen lässt. Innerhalb von Minuten verwandelt sich die ehemalige Bochumer Brauerei in einen Schmelztiegel. Kein Wunder, dass Gitarrero Scott Hill während der mitreißenden, unglaublich energetischen Show des Fünfers der großzügig aufgelegte Kajal verläuft. Beinahe jeder neue Song-Auftakt ringt der Matrix-Menge ein begeistertes Johlen ab und wird frenetisch abgefeiert. Trotz Schmachtgefahr ganz groß: das akustisch eingeleitete 'I Remember You' und der Powerballaden-Klassiker '18 And Life'. Auf ihren Kuschelrock-Lorbeeren ruhen sich SKID ROW aber nicht aus, sondern demonstrieren mit den Gassenhauern 'Monkey Business', 'Slave To The Grind' und der großen Finalbombe 'Youth Gone Wild' lieber, dass sie den Hardrock-Thron in den Achtzigern und Neunzigern nicht umsonst erklommen haben. Dass SKID ROW ohne Sebastian Bach keine erfolgreiche, eigenständige Band sein können, glaubt nach diesem Abend zumindest in der Matrix wohl niemand mehr.

 

SETLIST SKID ROW

Let's Go
Big Guns
Makin' A Mess
Piece Of Me
18 And Life
Thick Is The Skin
Riot Act
In A Darkened Room
Kings Of Demolition
Psycho Therapy
I Remember You
Get The Fuck Out
Monkey Business
+++++
Slave To The Grind
Youth Gone Wild

 

Pics: Alexandra Michels

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