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SEBASTIAN BACH, GOING DARK, CASHMIR

Manhattan, Irving Plaza

Das Irving Plaza in Midtown Manhattan ist ein ehemaliges Hauptquartier polnischer Veteranen. 1976 traf sich hier Papst Johannes Paul II mit anderen Größen seines Landes. Zwei Jahre später wurde der dreistöckige Ballsaal zu einer DER Rock-Adressen in der Millionen-Metropole. Hier spielten schon Legenden wie die Ramones oder Talking Heads. Und heute: SEBASTIAN BACH!

Es regnet in Strömen, ist saukalt und der Wind heult durch die Strassengassen von New York. Es ist wieder einmal einer von diesen herbstlichen Tagen, wo man es sich auf jeden Fall genauer überlegt, ob man das Haus verlassen sollte, doch die Bach-Anhänger lassen sich davon nicht abhalten, denn der 43-Jährige ist nach vier Jahren wieder mit neuem Material am Start. Bekanntlich hatte er mit Skid Row in den Achtzigern und Neunzigern seine erfolgreichsten Jahre, doch seine neue Scheibe „Kicking & Screaming“ ist ihm vollkommen gelungen: Rock pur, ohne traurige Vergangenheit.

In der Halle heizen die beiden Vorgruppen GOING DARK und CASHMIR dem Publikum ein. Der ältere Jahrgang, zu dem sicherlich 75% der Zuschauer gehören, verrät die Skid Row-Fans und an den Jüngeren erkennt man, dass Sebastian es auch ganz alleine mit 1000 Fans aufnehmen kann. Nicht zu vergessen, die "dürftig" bekleideten weiblichen Fans, die anscheinend nicht nur von Sebastians Stimme, sondern auch von seinem Look angezogen werden. Temperatur: eindeutig steigend!

Um 22.30 Uhr ist es dann soweit: Der beste Frontmann des Rock 'n' Roll (hört, hört! - Red.) kommt auf die Bühne und eröffnet die neunzigminütige Show mit dem Skid-Row-Cover 'Slave to the Grind'. „Hallo New York, neues Album, neuer Song,“ begrüßt er das Publikum anschließend. Mit den ersten Tönen von 'Kicking & Screaming', dem Titelstück seines vierten Soloalbums, zieht er seine Jacke aus und pfeffert sie in die Ecke. Sebastian strotzt vor Energie und sofort ist klar, dass er mit seiner Show nicht enttäuschen wird. Seine Songauswahl: Eine perfekte Mischung aus Skid-Row-Songs (darunter natürlich '18 and Life', 'I Remember You' und ‚'Youth Gone Wild') und seinen eigenen. Die scharfen Riffs werden den mitsingenden Fans nur so um die Ohren gehauen. Sicherlich erinnert es einen ein bisschen an die Skid-Row-Zeiten, doch die Menge tobt und nimmt auch seine neuen Songs freudig auf. Bach spricht gern mit seinem Publikum, widmet einen Song dem amerikanischen Militär. Er spuckt Wasser ins Publikum und schüttelt seinen Kopf in alle Himmelsrichtungen, wie ein Banger im Moshpit. Der Sänger hat im letzten Jahr viel durchgemacht. Die Scheidung von seiner Frau und den Verlust von seinem Haus durch Hurrikane ‚Irene’. Doch manchmal hilft es, wenn dir das Leben in die Fresse haut. Dadurch schätzt man Dinge wirklich, die einem vorher als selbstverständlich erschienen. Manchmal hilft es sogar, älter zu werden. Und vielleicht singt sich Sebastian deshalb heute genau wie vor 25 Jahren die Seele aus dem Leib. Für die Frauenwelt hat er die Ballade 'I’m Alive’ auf Lage rund zeigt damit, dass er seine hohe Stimmlage auch noch perfekt beherrscht. Nach vierzehn Songs stoppt er die Show kurz: „Jetzt wäre der Moment, wo ich von der Bühne gehen würde und ihr „Zugabe“ schreit, doch bei einem so tollen Publikum will ich die Show nicht unterbrechen – let’s rock on!“ Damit liefert er seinen Fans noch mal vier weitere Songs bis er endgültig und verschwitzt die Bühne verlässt...... Mit diesem Set hat Bach niemanden kalt gelassen und wieder mal bewiesen, dass er nicht nur laut sein, sondern auch ganz ohne Skid Row Konzerthallen füllen kann und noch lange nicht zum alten Eisen gehört!

 

SETLIST

Slave to the Grind
Kicking & Screaming
Big Guns
My Own Worst Enemy
Here I Am
(Love Is A) Bitchslap
Stuck Inside
Piece of Me
18 And Life
American Metalhead
Stabbing Daggers
I’m Alive
Monkey Business
You Don’t Understand
I Remember You
Tunnel Vision
Youth Gone Wild
Dirty Power

 

Pics: Mark Patterson