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SACRED REICH, THE VERY END, TALETELLERS

Essen, Turock

Die Thrash-Veteranen SACRED REICH waren am 1. Juli für ihren einzigen Deutschland-Gig im Essener Turock und haben dort für 75 Minuten glorreiche Zeiten wieder aufleben lassen.

„Ausverkauft!“

Dieses Wort prangt schon zwanzig Minuten vor Beginn in großen Lettern an der Tür des Turocks in Essen. SACRED REICH und Vorbands spielen heute abend also vor einer vollen Hütte, was für das Turock bedeutet: vor 500 Besuchern.

Allerdings muss man das relativieren, denn als die TALETELLERS aus Saarbrücken um 20 Uhr auf die Bühne gehen, sind nur circa 100 Leute im Turock. Der Rest sitzt draußen im Biergarten oder ist noch gar nicht da. Ungeachtet dessen bemüht sich die Band, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, was aber mehr schlecht als recht gelingt. Ihr 80er Heavy Metal mit einem leichten Rock-Einschlag kommt beim Publikum nicht besonders gut an und beim Song 'Bad Motherfucker' höre ich aus dem Publikum neben mir sogar „Oha, wie peinlich…“. Trotzdem ernten sie Höflichkeitsapplaus und können durch ihre engagierte Performance gegen Ende ihres 35 Minuten langen Sets sogar einige wenige Köpfe zum Haare schütteln bringen.

Wirklich komisch ist, dass sich bei den darauffolgenden Lokalmatadoren THE VERY END maximal 300 Banger in der Halle tummeln. Die Leute, die später erst zu SACRED REICH auftauchen, verpassen einen exzellenten Gig. Sänger Björn Goosses singt großartig, besonders seine cleanen Parts beeindrucken. Eine deutliche Weiterentwicklung im Vergleich zum Ende der 90er, als er noch mit Night In Gales die Hallen in Grund und Boden gekreischt hat. Seine Bandkollegen stehen dem in nichts nach, spielen sehr tight und zaubern druckvollen Melodic Death Metal auf die Bretter des Turock. Ein absolutes Tier auf der Bühne ist Basser Marc Beste, dessen Kopf unentwegt bangt und der an diesem Abend alles gibt. Die Energie von der Bühne springt auf das Publikum über und wieder zurück auf die Bühne, so dass man sich gegenseitig anstachelt. Die ersten Moshpits und Stagediver sind zu sehen und THE VERY END werden kräftig abgefeiert. Die Band hat heute abend 45 Minuten lang alle in der Halle überzeugt und die perfekte Stimmung für den Headliner erzeugt.

Nun wird es voller und voller und man merkt, dass die bis hierhin fehlenden Besucher gezielt erst jetzt zu SACRED REICH in die Halle kommen. Jeder Handgriff auf der Bühne wird bereits bejubelt, obwohl die Band noch nicht eine Note gespielt hat. Man sieht deutlich, wer hier heute Chef im Ring ist. Was sich auch im Publikum zeigt, das spätestens jetzt kaum mehr aus Personen unter zwanzig Jahren besteht und einige schnauzbärtige Vokuhila-Kuttenträger zeigt. Ab der ersten Note ist das Turock ein schwitzender Dampfkessel, von der ersten bis in die letzte Reihe. Die Stagediver fliegen im Sekundentakt von der Bühne und werden bis zum Mischpult durchgereicht. Bangende Köpfe, euphorisiert schreiende Menschen, Moshpits, Pogo. Und über allem thront das glückselige Grinsen von Phil Rind, dem man die Freude, hier zu spielen und so überwältigend empfangen zu werden, in jeder seiner Ansagen absolut abnimmt. Die Band feuert eine Best-Of-Setlist ins Publikum, die manche im Publikum vom „Konzert des Jahres“ sprechen lässt. Überhaupt fühlt sich der ganze Gig absolut positiv an, als wäre man wieder mitten in den 90ern. SACRED REICH haben an diesem Abend ganz klar gewonnen.

 

Setlist SACRED REICH:

American Way
Love …Hate
One Nation
Independent
Violent Solutions
Administrative Decisions
Free
State Of Emergency
Crimes Against Humanity
Who’s To Blame
I Don’t Know
Hey Joe-Intro (Jimi Hendrix)
Ignorance
War Pigs (Black Sabbath)
Surf Nicaragua

 

Konzertfotos von Carsten Hille

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