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Rockstad: Falun

Sabaton Open Air

SABATON mögen Festivals, und offensichtlich besonders selbstorganisierte. Nachdem vor vier Wochen das erste „Noch ein Bier-Fest“ im Gelsenkirchener Amphitheater stattfand, heißt es an diesem dritten Augustwochenende zum mittlerweile achten Mal: Vorhang auf für das Rockstad: Falun!

Zuerst einmal zu den Rahmenbedingungen: Das Festival findet am Skisprung-Gelände des beschaulichen 35.000-Einwohner-Heimatstädtchens der Power-Metaller, Falun, statt. Es gibt, wie in Schweden üblich, einen umzäunten Bereich, in dem Alkohol ausgeschenkt wird. Von diesem etwas erhöhten Bereich hat meinen einen tollen Blick über das Festivalgelände und vor allem auf die Bühnen. Essen und alkoholische Getränke sind landestypisch recht teuer (ein halber Liter Bier für 6,80 €, Frühlingsrollen mit Beilage ca. 8€), schmecken dafür aber auch recht gut. Neben den Fressbuden und den üblichen Merch-Verkäufern hat auch die schwedische Reserve-Armee einen Stand aufgebaut, in dem man auf Zeit einen Hindernisparcours bewältigen oder Liegestütze mit Armee-Rucksack machen kann. Nun aber genug der Vorrede, auf ins Festivalgeschehen:

Donnerstag

Der Donnerstag ist vor allem lokalen Bands aus Falun und dem 35 km entfernten Borlänge vorbehalten. Um 17:00 Uhr eröffnen BROTHER GIANT das Festival. Ihr Stoner-Rock eignet sich perfekt, um die Nackenmuskulatur aufzuwärmen, allerdings hält sich der Zuschauerzuspruch arg in Grenzen, vor allem weil zeitgleich die auf drei Stunden angesetzte Signing Session von SABATON abgehalten wird.

Etwas mehr Publikum zieht MARK ZERO. Die Herren aus Falun haben offensichtlich ein paar Fans mitgebracht, denn eine Gruppe feiert den poppigen Metal der Truppe ganz besonders. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei CAVANAUGH. Der Vierer aus Borlänge spielt Pop-Rock, der sich schön als Hintergrundmusik macht, aber darüber nicht hinauskommt. Ungefähr 50 Nasen verfolgen die Show direkt vor der Bühne, aber wirklich Stimmung kommt nicht auf.

Als nächstes entern RENAISSANCE OF FOOLS die Bühne. Den Progressive-Rockern um ex-Pain-Of-Salvation-Gitarrist Daniel Magdic merkt man ihre Erfahrung an, sie sind fit an ihren Instrumenten, aber so wirklich mitreißend ist auch ihr Auftritt nicht.

Anders sieht das beim STONEWALL NOISE ORCHESTRA, kurz S.N.O., aus. Der Stoner-Rock des Quartetts erinnert an die Landsleute von Mustasch, auch ihr Auftreten ist ähnlich kraftvoll. Das mittlerweile etwas zahlreicher gewordene Publikum dankt es ihnen mit den ersten Headbangern des Tages und lautem Applaus.

Die Sonne ist untergegangen, als um zehn Uhr CRYONIC TEMPLE die Bretter betreten. Die Jungspunde spielen Power Metal, der mich an Dragonforce und Sabaton erinnert, und an der plötzlich stark gestiegenen Zuschauerzahl lässt sich ablesen, dass das genau der Stil ist, den die Mehrheit der Leute hier hören will. Der Auftritt selbst ist grundsolide, die Jungs sind hochmotiviert und machen Spaß, auch wenn sie mit Songtiteln wie 'Eternal Flames Of Metal' offensichtlich gerne in der Klischeekiste wühlen.

RAUBTIER sind in der internationalen Metalszene ein unbeschriebenes Blatt, aber in Schweden eine echte Hausnummer. Nachdem schon bei Cryonic Temple deutlich mehr Leute da sind, wird es beim Trio aus Nordschweden richtig voll. Musikalisch kommen vor allem Fans der NDH auf ihre Kosten, denn die Band spielt martialischen Elektro-Metal, nur eben auf Schwedisch. Der Auftritt ist wahnsinnig energiegeladen und die Bühnenshow eine Mischung aus Rockstar-Posing und Rammstein-Ästhetik. Ihre Tagesheadliner-Position haben sie zurecht. Jeder Song wird lauthals mitgebrüllt, und als Joachim und Pär von Sabaton die Herren bei 'En Hjältes Väg' unterstützen, kennt die Begeisterung kein Halten mehr. Nach neunzig Minuten entlässt die Truppe eine erschöpfte Meute in die mittlerweile kalte Nacht, und auch ich ziehe es vor, statt des ORPHAN GYPSY-Auftritts lieber den Heimweg anzutreten.

Freitag

Der Festival-Freitag steht eher im Zeichen der härteren Gangart. Den Opener SAFFIRE verpasse ich zwar, aber rechtzeitig zum Auftritt von ATROCITY bin ich vor der Bühne, um zu sehen, wie die deutsche Death-Metal-Institution vor ungefähr 30 Anwesenden in ihr Set startet. Shouter Alex Krull animiert die Anwesenden quasi durchgehend, was diese auch dankbar annehmen. Nur als er vor 'Satan's Braut' ein paar schwedische Damen auf die Bühne holen will, gestaltet sich das doch etwas zäh. Insgesamt aber ein kurzweiliger Auftritt.

Als nächstes steht die Nachwuchstruppe SUMMONED TIDE auf dem Programm, die sich über größeren Publikumszuspruch als Atrocity freuen dürfen. Mit Frontmann Rickard Thelin haben die Hardrocker einen richtig guten Sänger in ihren Reihen, Bassistin Jennifer Sikström flirtet quasi durchgehend mit dem Publikum, nur das Material der Truppe bleibt noch ein bisschen blass. Trotzdem eine Band, die man auf dem Zettel haben sollte! Um 18 Uhr gehen bei gleißendem Sonnenschein KRISIUN auf die Bühne. Auch hier zeigt sich, das Extrem-Metal beim mehrheitlich melodisch orientierten Publikum einen schweren Stand hat. Nichtsdestotrotz ballern die Brasilianer gut los und bringen tatsächlich ein erstes Moshpitchen zustande.

Zweite Halbzeit anschließend für die Atrocity-Jungs. Mit Sängerin Liv Kristine bilden sie LEAVES' EYES, und ihr symphonischer Metal kommt beim Publikum super an. Die Frontdame ist gut bei Stimme, Alex Krull animiert auch hier wie ein Weltmeister und die Instrumentalfraktion ist super aufeinander eingespielt. Mit 'Halvdan The Black' gibt’s dann auch schon einen Vorgeschmack aufs neue Album, das im September erscheint.

Um 20 Uhr starten dann WINTERSUN in ihr Set. Die Finnen sind sichtlich gut aufgelegt und strahlen große Spielfreude aus. Die großen Melodien der Truppe um Jari Mäenpää stoßen beim Publikum auf breite Begeisterung, es wird gesungen, geklatscht und gebangt, was die Körper hergeben. Ganz großer Auftritt, der nach etwas unter 75 Minuten über die Ziellinie geht.

Vor der etwas kleineren Bühne wird’s dann richtig voll. Wenig überraschend, denn mit CIVIL WAR spielt die Truppe um die ex-Sabaton-Mitglieder Rickard Sundén, Daniel Mÿhr und Daniel Mullbäck ihren ersten Auftritt in Falun. Mit 'USS Monitor' startet das Quintett, das ohne Bassisten auf der Bühne steht, in ihr Set. Der Sound der Truppe trifft exakt den Nerv der Zuschauer, nach 'Gettysburg' gibt’s Mitsingspielchen und untermalt wird das Ganze von einer geschmackvollen Lightshow. Ganz klar der heimliche Headliner des Tages.

Nach dem Auftritt verziehen sich dann doch einige Menschen wahlweise auf den Zeltplatz oder in die Alkohol-Area, denn bei KREATOR ist weniger los als bei den Power-Metallern vor ihnen. Mille und Konsorten stört das aber kein bisschen, mit 'Enemy of God' brettern die Essener los. Die Herren zocken ihre Songs gewohnt souverän, der Sound ist gut, und auch der von Mille forcierte „Swedish Style Circlepit“ kommt zustande, und der ist in der Tat sehr schwedisch: Viel Platz, wenig Menschen. Leider will trotz guter Setlist keine wirkliche Intensität aufkommen, und so beenden das Quartett sein Set bereits zehn Minuten zu früh mit dem unkaputtbaren 'Pleasure to Kill'.

Den Abschluss des Tages bildet dann SNOWY SHAW. Die Truppe um den namengebenden Tausendsassa, der unter anderem schon bei King Diamond, Dream Evil oder Therion musiziert hat, spielt ein Coverset, bestehend aus Songs von Snowys ehemaligen Bands, aber auch der Arthur-Brown-Klassiker 'Fire' findet seinen Weg ins Set. Das Besondere ist auch weniger die Songauswahl, sondern die Bühnenshow. Die Band hat Dimmu-Borgir-Gedächtnisschminke aufgelegt und nutzt Showelemente aus dem Fundus von zum Beispiel Alice Cooper (Snowy im Marionettenkostüm) oder King Diamond (Friedhofszäune auf der Bühne). Das ganze ist kompetent dargeboten, und den Anwesenden scheint das offensichtlich zu gefallen, aber wirklich neu oder einzigartig ist das Ganze nicht. Den größten Applaus gibt es hier dann auch, als Joakim Brodén für 'The Art of War' einen weiteren Gastauftritt absolviert.

Samstag

Die ungarischen Power Metaller WISDOM eröffnen am Samstag den musikalischen Reigen. Wie erwartet erntet die Band recht großen Zuspruch und die ersten Sprechchöre hallen über den Platz.


Mein Festivalhighlight sind aber LOST SOCIETY. Die finnischen Thrasher sind zum ersten Mal in Schweden und machen bei tollem Sound ordentlich Dampf. Der Vierer hat Spaß inne Backen und präsentiert mit 'Rage Me Up' einen neuen Song, der sehr vielversprechend tönt.
Schon vor dem Auftritt von GLORYHAMMER höre ich viele Leute, die sich auf den Auftritt der Schotten freuen. Die legen dann auch eine ordentliche epische Breitseite vor, ihre „Mighty Quest“ gerät zu einem großen Publikumserfolg, mir ist die Chose aber definitiv zu albern.

Weiter geht der Power-Metal-Reigen mit BRAINSTORM. Die heute auf ein Quartett geschrumpfte Band (Gitarrist Torsten Ihlenfeld muss arbeitsbedingt passen) spielen einen grundsoliden Auftritt bei etwas matschigem Sound, nach 'How You Feel' ist pünktlich um 17 Uhr Schluss.

Ebenfalls mit mittelmäßigem Sound zu kämpfen haben PERSUADER. Die Herren aus Umeå zocken einen glanzlosen Auftritt ohne besondere Hightlights, perfekt um sich ein Bierchen zu gönnen und pünktlich zu ORDEN OGAN wieder vor der Bühne zu sein. Die Sauerländer legen bei ihrem ersten Schwedenabstecher den Schwerpunkt wenig überraschend auf ihr aktuelles Album ''Ravenhead'', gleich vier Songs des letzten Langeisens stehen auf der Setlist. Spätestens beim abschließenden 'The Things We Believe In' wird klar, dass das Quartett sich heute einige neue Fans erspielt hat, denn die „Cold, Dead And Gone“-Rufe während des Refrains sind erstaunlich laut.

SONATA ARCTICA haben anschließend alle Sympathien auf ihrer Seite. Bei nahezu perfektem Sound (der lediglich von Falconer später getoppt wird) zocken die Finnen ein sehr kurzweiliges Set. Animationen hat Frontzappler Tony Kakko kaum nötig, die Fans klatschen und singen auch so fast alles mit. Besonders laut wird’s bei 'I Have A Right', dem wohl lautesten Mitsingpart des Festivals abgesehen vom Headliner.

CANDLEMASS haben dann die undankbare Aufgabe, direkt vor Sabaton spielen zu müssen. Viele Leute stehen schon vor der Nachbarbühne, was dem Auftritt der Doom-Legende aber keinen Abbruch tut. Sänger Mats Levén ist gut bei Stimme und interpretiert die Songs der Band grandios. Der Schwerpunkt des Sets liegt dabei auf ihren 80er-Klassikern, lediglich zwei Songs neueren Datums finden den Weg auf die Bühne.

Anschließend wird’s auf dem Platz das erste Mal an diesem Wochenende richtig voll, denn SABATON rufen zum Appell. Stilecht fahren die Musiker mit dem Kettenfahrzeug der schwedischen Reservearmee vor, bevor der Opener 'Ghost Division' aus den Boxen tönt und die Meute kollektiv am Rad dreht. Da die Show für eine Ende Januar erscheinende DVD mitgeschnitten wird, gibt es ein Set zu hören, dass alle Alben der Band abdeckt und auch selten gespielte Perlen wie 'Union (Slopes of St. Benedict)' oder 'Wolfpack' wieder auf die Bühne bringt. Besonderer Gänsehautmoment ist 'En livstid i krig', das von den Anwesenden lauthals mitgesungen wird. Zwischen den Songs erzählt Fronter Joakim Brodén über den Werdegang der Truppe, während das Publikum in wirklich jeder Pause 'Swedish Pagans' anstimmt, welches dann auch das reguläre Set beschließt. Umrahmt wird der Auftritt von einer wahnsinnigen Pyro- und Lichtshow, die in einem Feuerwerk nach dem abschließenden 'Metal Crüe' mündet. Ein großer und unterhaltsamer Auftritt, wenn auch in mancherlei Hinsicht vorhersehbar.

Den Abschluss des Festivals bilden dann FALCONER. Bei ihrem letzten Europa-Auftritt 2015 zeigt die Truppe um Sänger Mathias Blad ein weiteres Mal ihr geballtes musikalisches Können. Das doch einige Fans der Truppe da sind, zeigt sich beim Soundcheck, bei dem jedes auch nur angesungene Lied lauthals vollendet wird. Ähnliche Stimmung dann auch während des Konzertes, die verbliebenen Fans feiern die Band ab, mit 'Vargaskall' findet sich sogar ein schwedischer Song im Set. Das Stageacting ist indes eher langweilig, was aber der musikalischen Qualität keinen Abbruch tut. Ein toller Abschluss des Festivals.

Insgesamt ist das Rockstad: Falun ein toll organisiertes Festival vor schöner Kulisse, dass vor allem Fans der melodischeren Spielarten drei tolle Tage garantiert. Lediglich Extrem-Metal-Vertreter haben es schwer, was bei der Qualität der Auftritte wirklich schade ist.

Setlist Kreator:

Enemy of God
Terrible Certainty
Phobia
Awakening Of The Gods
Endless Pain
Phantom Antichrist
From Flood Into Fire
Extreme Aggression
Suicide Terrorist
Black Sunrise
Hordes Of Chaos
Civilisation Collapse
- - - - - - - - - -
Violent Revolution
Pleasure to Kill


Setlist Sabaton:

Ghost Division
To Hell And Back
Carolus Rex (schwedisch)
Panzer Battalion
Wolfpack
Attero Dominatus
7734
Union (Slopes of St. Benedict)
The Art Of War
Saboteurs
Coat Of Arms
En livstid i krig
Resist And Bite
Swedish Pagans
- - - - - - - - - - - -
Night Witches
Primo Victoria
Metal Crüe

Pics: Maximilian Blom