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SABATON, ELUVEITIE, WISDOM

Gießen, Hessenhalle

SABATON

Bei Konzerten in Messehallen bin ich immer skeptisch: Wie ist der Sound, wie die Situation rundherum? Bei Ankunft werde ich positiv überrascht: Die Parkplatzsituation ist mehr als komfortabel, der Einlass geht flott und unkompliziert. Der Sound ist gut, lediglich die Wartezeit am Bierstand ist mit bis zu einer Stunde (!) unerträglich.

Um Punkt 20 Uhr werden die Ungarn WISDOM auf die Bretter geschickt und geben vor einer schon recht gut gefüllten Halle ein halbstündiges Set zum Besten. Die Band ist gut eingespielt und das Material macht durchaus Spaß. Gábor Nagy ist nicht nur ein guter Sänger, sondern auch ein guter Entertainer, was das Publikum mit reichlich Applaus und Mitklatschen während der Songs quittiert. Und selbst das Maiden-Cover ‘Wasted Years’ (sehr gefährlich, da der Lieblings-Maiden-Track des Chronisten) gelingt und wird gefeiert. Alles in allem ein kurzweiliger und umjubelter Auftritt.

Nach erfreulich kurzer Umbaupause entern um viertel vor neun ELUVEITIE die Bühne. Im Vorfeld fragte sich sicher der ein oder andere, ob die Schweizer in diesem Power Metal-Kontext bestehen können. Die Antwort: Ja, können sie! Einige Fans scheinen nur wegen ihnen gekommen zu sein, und auch der Rest der Meute schaut sich das schwarze Treiben (Bassist Kay trägt als einziger Bühnenakteur am heutigen Abend nicht schwarz) auf der Bühne begeistert an. Dort gehen die sieben Helveten jedoch eher mit Schweizer Zurückhaltung zu Werke, was sicherlich auch an dem mangelnden Platz auf der Bühne liegt. Der eigene Bühnenquadratmeter wird fast nur beim Bandhit ‘Inis Mona’ verlassen, lediglich Fronter Chrigel (der jeden Anders Friden-Ähnlichkeitswettbewerb in puncto Theatralik und Ausdruck gewinnen würde) nimmt die ganze Bühne in Beschlag. Das Publikum feiert nichtsdestotrotz den routinierten Auftritt der Folk Metaller, singt lauthals mit - und auch in diesem Fall geht die Dreiviertelstunde wie im Flug rum.  Ein insgesamt guter Auftritt, dem nur ein bisschen die “Würze” fehlt.

SabatonSchon während der halbstündigen Umbaupause gibt es immer wieder Sprechchöre, die zeigen, weshalb sich die Anwesenden hier eingefunden haben: SABATON! Die Hessenhalle ist bis auf den letzten Platz gefüllt, als zum Intro ‘The Final Countdown’ aus den Boxen dröhnt, welches ebenfalls enthusiastisch mitgegrölt wird. Mit den Worten ,,We’re Sabaton, and this is Ghost Division!” starten die Albrecht-Faves in ihr Set. Das Publikum steht Kopf, es gröhlt, singt, schreit und springt, als wäre morgen der 22.12. Entscheidenden Anteil daran hat natürlich Front-Sympathikus Joachim, der sein Deutsch mit jeder Show zu verbessern scheint (“Geil is my favorite german word! It means cool and horny, doesn’t it? You guys have a funny language!”) und nach wiederholten “Noch ein Bier!” -Rufen diverse Zuschauer auf Zeit ein Bier trinken lässt. Doch auch die Songs wissen zu begeistern. Neben fünf neuen Stücken (davon ‘Karolinens Bön’ auf Schwedisch) gibt es ein Best-Of Set, bei dem sogar der “Fist for Fight”-Song ‘The Hammer Has Fallen’ mit Joachim am Keyboard performt wird. Die Befürchtungen, dass sich die neuen Bandmitglieder Robben (dr.), Thobbe und Chris (git.) nicht einfügen können bzw. sich nur als Statisten erweisen würden, werden spätestens nach dem zweiten Song ‘Gott mit uns’(bei dem beide Gitarristen jeweils eine Strophe singen), in den Wind geschlagen. Zweimal darf sogar das Publikum aus diversen Songs ihren Favoriten wählen. Die Band agiert wie gewohnt agil, der Sound ist nahezu perfekt und im Ganzen wirkt die Show rund. Nach dem Zugabenblock mit ‘The Art of War’, einem angespielten ‘YMCA’ (O-Ton Joachim:“It’s so funny when 1.000 Metalheads are singing the Village People!”), ‘Primo Victoria’ und ‘Metal Crüe’ ist der Spuk vorbei und die glücklichen, schwitzenden Fans werden um kurz nach halb zwölf in die Gießener Nacht geschickt.

Sabaton gelten momentan als eine der Besten Livebands, und auch beide Support-Acts wurden zu Recht mit lautem Applaus bedacht. Ein tolles Package, das trotz aller Unterschiede gut zusammenpasst!

 

Seitlist Sabaton:

Ghost Division
Gott mit uns
Poltava
Wahl: White Death
Carolus Rex
Karolinens Bön
40-1
Cliffs of Gallipolli
Wahl: Uprising
Lion from the North
The Hammer has Fallen
Attero Dominatus
–––––—–—–———
The Art of War
YMCA (angespielt)
Primo Victoria
Metal Crüe

 

Pics: Maximilian Blom

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