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RIVAL SONS, WARBLY JETS

Göteborg, Pustervik

RIVAL SONS

European Encore 2017 – ehe die RIVAL SONS die Arbeiten an einem neuen Studioalbum beginnen, machen sie noch einmal einen kurzen Abstecher nach Skandinavien, Deutschland und in die Niederlande. Neben zwei Shows im Vorprogramm der Rolling Stones spielt die Band eine Handvoll Club-Gigs, darunter ein Gastspiel im ausverkauften Pustervik in Göteborg.

Unterstützt werden sie dabei von den aus Los Angeles stammenden Newcomern WARBLY JETS, die unlängst ihr Debütalbum vorgelegt haben. Die WARBLY JETS wildern im musikalischen Terrain von Brit-Pop- und Independent-Künstlern. Wenig eigenständige, uninspirierte Songs paaren sich mit wabernden Elektroteppichen vom Band. Lederjacken, Bobfrisur, ein gespielt gelangweilter Gesichtsausdruck, erzwungene Coolness – das 30-minütige Set der WARBLY SETS entwickelt sich zu einer echten Geduldsprobe. Nach dem die RIVAL SONS auf der ‚Teatro Fiasco‘-Tour im Februar 2017 mit dem gleichermaßen spitzzüngigen und berührenden Wortakrobaten Derrick C. Brown ein spannendes Live-Package geschnürt haben, fällt die Wahl des Support-Acts dieses Mal eher enttäuschend aus.

Punkt 21:00 Uhr öffnet sich der Vorhang des ehemaligen Theaters Pustervik und die RIVAL SONS marschieren zum Ennio-Morricone-Klassiker ‚The Good, The Bad And The Ugly‘ auf die Bühne. Nach dem obligatorischen Start ins Set mit ‚Hollow Bones Pt. 1‘ nimmt uns die Band auf eine Reise durch ihre gesamte Diskografie. Singles vom aktuellen Album „Hollow Bones“ wie ‚Tied Up‘ sind ebenso Teil des Sets wie ‚Memphis Sun‘ vom Debüt „Before The Fire“ oder das großartige Titelstück des Zweitwerks „Pressure And Time“. Mit einem Cover der ersten Tom Petty and the Heartbreakers-Single ‚Breakdown‘ zollt das Quintett an diesem Abend der kürzlich verstorbenen Rock’n’Roll-Legende Tribut.

Während Arena-Gigs im Vorprogramm von AC/DC, Deep Purple und nicht zuletzt Black Sabbath die RIVAL SONS bekannt gemacht haben, ist es die intime Atmosphäre verschwitzter Clubs, in der die Band ihr gesamtes Potenzial entfaltet. Energetische, nach vorn gehende Rocknummern wie ‚I Am Electric‘ finden an diesem Clubabend ebenso Raum wie Soul-getränkte, stille Momente und ausladende Jams, in denen sich die gesamte Live-Erfahrung der Band spiegelt. Gänsehautatmosphäre entsteht, als die letzten Töne des mitreißenden 'Torture' verklingen und das Publikum den ‚Wo-oh-oh‘-Refrain des Songs erneut in ohrenbetäubender Lautstärke anstimmt und damit auch die Band staunend zurücklässt.

RIVAL SONS verbindet fünf ganz unterschiedlicher Musiker und Bandcharaktere – darunter Drummer Mike Miley, den es nur selten auf seinem Schlagzeughocker hält und der stetig Kontakt zum Publikum sucht, Dave Beste, der mit stoischer Ruhe und in Stein gemeißeltem Gesichtsausdruck nicht nur den Bass bedient, sondern auch tolle Backing Vocals liefert sowie Chef-Exzentriker und Gitarrist Scott „Fuzzlord“ Holiday. Frontmann Jay Buchanan variiert zwischen kraftvoller Rockröhre, markerschütternden Schreien sowie leisen, einfühlsamen Tönen und erweckt jede Note mit berstender Intensität zum Leben. Die Kommunikation mit dem Publikum erfolgt vor allem über die Musik – Ansagen finden nur dann Raum, wenn es auch wirklich etwas zu sagen gibt.

Nach einer Zugabe („Keep On Swinging“) und 100 Minuten Spielzeit verlassen die RIVAL SONS unter lang anhaltendem Applaus die Bühne und zementieren einmal mehr ihren Ruf als großartige Live-Band. Was macht das Konzerterlebnis RIVAL SONS aus? Die musikalischen Fähigkeiten der einzelnen Bandmitglieder? Ihr blind funktionierendes Zusammenspiel? Die Qualität ihrer Songs? Ein toller Sound? Auch. Vor allem ist es jedoch die Ehrlichkeit, mit der die Band zu Werke geht und das euphorische, wohlig-warme Gefühl, das ihrer Musik innewohnt und das Konzertgänger ein Stück näher zusammenrücken lässt.


SETLIST RIVAL SONS:

Hollow Bones Pt. 1
Electric Man
Good Luck
Tied Up
Pressure And Time
Memphis Sun
Breakdown  
Where I've Been
Face of Light
Torture
Soul
Open My Eyes
Hollow Bones Pt. 2
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Keep On Swinging

 

Pics: Robert Hellström (www.facebook.com/Robert.Hellstrom.Photography)