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PG.LOST

Oberhausen, Druckluft

PG.LOST

Das alternative Kultur- und Jugendzentrum „Druckluft“ in direkter Nachbarschaft zum Oberhausener Hauptbahnhof sollte jeder aufgeschlossene Musikliebhaber mal besucht haben. Zwar werden beinharte Metaller meistens eher weniger auf ihre Kosten kommen, aber für Punk und weltoffene Rockmusik jeder Spielart lohnt sich ein Besuch immer wieder.

PG.LOSTAm heutigen frostig-kalten Märzabend (hallo Frühling, immer noch im Winterschlaf?) erwarten mich nun die jungen schwedischen Post-Rocker PG.LOST. Der versteckte Café-Bereich auf der Rückseite des Gebäudes wird mir nach anfänglicher Irritation erst durch Nachfrage bei anderen Konzertgängern ersichtlich. Zwar haben sich schon geduldige Fans vor der kleinen und niedrigen Bühne angesammelt, zum offiziellen Beginn um 21 Uhr ist von den Musikern jedoch noch nichts zu sehen. Bleibt also Zeit, sich an der Theke mit dem ein oder anderen sympathisch günstigen Getränk zu versorgen. Als die vier unscheinbar und freundlich-zurückhaltend wirkenden Jungs dann um kurz vor halb Zehn wortlos die Bühne betreten, tun sich strahlende Gesichter bei den etwa 150, von Szene und Alter bunt gemischten, Anwesenden auf.

Ohne Showelemente stöpselt die Saitenfraktion ihre Instrumente ein - und unterstützt von den im Midtempo antreibenden Drums beginnt sanft ein Höhenflug durch epische Klangkaskaden. Die Norrköpinger berücksichtigen sowohl ihr Debütalbum „It's Not Me, It's You!“ von 2008, dessen Nachfolger „In Never Out“, als auch das im vergangenen Jahr veröffentlichte „Key“. Einzelne Songs zu herauszustellen ist an dieser Stelle überflüssig, da wirklich jeder für sich auch live ein hochemotionaler, zwischen Energie und Introvertiertheit pendelnder 'Wall of sound'-Sog ist.

Manch einem mögen die reduzierten, mit teils endlosem Hall und vielen zusätzlichen Detaileffekten intonierten Anteile zu langatmig sein, aber die brachiale, von garstiger Zerre und treibenden Drums dominierte Seite von PG.LOST entfaltet sich danach umso besser. Leider sind die eingestreuten Harmony-Vocals von Bassist Kristian Karlsson nicht immer gut zu hören, was aber auch das einzige Manko am ansonsten transparenten Sound ist. Die Leute vor der Bühne stört's nicht, und bei vielen der Anwesenden gibt es fortwährend zufriedene Mienen und selbstversunkenes, rhythmisches Mitnicken zu sehen. Allerdings überrascht es dann schon, als das Quartett nach nicht einmal 60 Minuten zum ersten Mal die Instrumente niederlegt und von der Bühne geht.

Zugaberufe bleiben wie zu erwarten nicht aus und so bewegt man sich für einen weiteren, abermals energisch-melancholischen Brocken auf die Stage zurück. Nachdem um 22.30Uhr endgültig Schicht im Schacht ist, scheinen trotz der kurzen Spielzeit (der Eintrittspreis lag bei fairen knapp 10€) alle glücklich zu sein. Schade, dass es heute keinen Merchandise zu erstehen gibt, weil sich nach dem gestrigen Gig in Berlin offenbar logistische Schwierigkeiten aufgetan haben. Die von der Band selbst vertickten Vinyls sind äußerst schnell an die lechzenden Fans gebracht, wobei PG.LOST auch nach Konzertende sehr bodenständig rüberkommen, sich mit breitem Lächeln für Lob bedanken, sowie Poster und Platten signieren.