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ORPHANED LAND, BILOCATE, KLONE, THE MARS CHRONICLES

Bochum, Matrix

ORPHANED LAND

„All Is One“, so lautet nicht nur der Name der aktuellen ORPHANED LAND-Scheibe, sondern auch das Tour-Motto. Letzteres ist auch in Bezug auf die Support-Bands Programm. Die könnten vielseitiger kaum sein, finden sich aber alle unter der Metal-Flagge vereint. Das ist übrigens nur einer der Gründe, wieso die Besucher der Bochumer Matrix diesen Abend so schnell nicht vergessen werden.

THE MARS CHRONICLESTHE MARS CHRONICLES aus Frankreich locken die zunächst noch spärlich eintrudelnden Gäste schon allein dank ihres optischen Konzepts vor die Bühne. Das Quartett macht den Bandnamen zum Programm und erscheint geschlossen mit weißen Outfits, weiß getünchten Gesichtern und ebensolchen Haaren auf der Bühne. Dazu passen als Hingucker hervorragend die schwarzen Kontaktlinsen, die die Truppe wie eine Delegation unheimlicher Dämonen-Aliens wirken lässt. Musikalisch bewegen sich THE MARS CHRONICLES irgendwo zwischen Progressive und Post Metal, ziehen ihre 30-minütige Show aber derart groovig und gekonnt durch, dass ihnen der anerkennende Applaus der Matrix-Meute gewiss ist. Eine beachtliche Leistung für eine Band, die erst 2012 gegründet wurde.

KLONEEine gute Spur härter geht es bei den ebenfalls aus Frankreich stammenden KLONE zu, die noch schwerer einzuordnen sind als ihre Vorgänger. Der klägliche Versuch der Autorin endet in der Bandwurm-Wortschöpfung „Alternative-Progressive-Death-Metal“, was auf den Brettern der Halle bedeutend besser klingt als es sich liest, und sehr schnell in die Nackenmuskulatur geht. Zudem hüpfen, moshen und fegen die Jungs aus Poitiers derart explosiv über die Bühne, dass jeder Flummi vor Scham im Erdboden versinken würde. Den Drummer Morgan Berthet haben KLONE sich übrigens von THE MARS CHRONICLES ausgeliehen. Der Mann hat also nicht nur jede Menge Rhythmus, sondern auch ausreichend Kondition für zwei Sets im Blut. Respekt! Einen würdigen Schlusspunkt setzt die zweite Band des Abends mit dem überraschenden, aber ziemlich genialen Björk-Cover 'Army Of Me'.

BILOCATEBevor BILOCATE überhaupt einen Ton gespielt haben, verdienen sie sich schon den Titel „Meister der Umbaupause“. Da lohnt es sich kaum, die Basar-Atmosphäre verströmende orientalische Pausenmusik anzuschmeißen, denn keine zehn Minuten nach den französischen Klonen legen die Jordanier bereits los. Mit was der Sechser da anrückt? BILOCATE selbst bezeichnen ihre Richtung als Dark Oriental Metal. Stellt man sich ORPHANED LAND mit viel weniger epischen Melodien, dafür aber mit einer gepfefferten Dosis Todesblei vor, trifft das den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. Frontröhre Ramzi Essayed verleiht der Show mit seinen Growls genau das richtige Quäntchen Düsternis, während sich die Saitenfraktion nicht nur durch imposante Bärte, sondern auch durch imposante Spielfreudigkeit auszeichnet. Mit dem Paradise-Lost-Tribute 'Dead Emotion' fräsen sich BILOCATE endgültig ins Herz und Gedächtnis des Bochumer Publikums.

Allerdings kommen viele der Konzertbesucher überhaupt nicht aus Bochum, nicht einmal aus der näheren Umgebung oder gar dem gleichen Bundesland. Für die Friedensbotschaft der Israelis ORPHANED LAND nehmen die Fans erstaunlich weite Wege in Kauf, und so finden sich mit den Ruhrpottlern auch ORPHANED LANDMetaller aus Tunesien, der Türkei und sogar dem Irak in der Matrix ein. „Wir glauben alle an die gleiche Religion: Heavy Metal“, bringt Vorsinger Kobi Farhi die Sache auf den Punkt – und dieser Religion wird heute Abend ausgiebig gehuldigt. Egal ob neue Songs wie 'All Is One' und 'Brother' oder altbekannte Nummern à la 'Sapari' und 'Ocean Land' – die rund 250 Jünger der Metal-Propheten feiern ihre Band als wären sie mindestens doppelt so viele an der Zahl, tanzen, klatschen und singen enthusiastisch in aller Herren Sprachen mit. Da glaubt man Front-Derwisch Kobi aufs Wort, dass gerade die bisher beste ORPHANED LAND-Show der Tour über die Bühne geht – schließlich geben die Musiker ihr Bestes und versprühen Begeisterung und Spielfreude aus jeder Pore. Wenn es denn überhaupt einen Minuspunkt gibt, dann den, dass die Vocals von Gastsängerin Shlomit Levi ausschließlich vom Band kommen - genauso wie viele der orientalischen Instrumente, obwohl diese durchaus live bedient werden könnten, wie eine kurze Einlage an der Bouzouki beweist. Jetzt aber Schluss mit der Meckerei und stattdessen was fürs Herz: Die lautstark vom Publikum herbeigesungene Zugabe widmet die Band unserem Herausgeber Holger Stratmann für die fortwährende Unterstützung und Berichterstattung, bevor die Headbanger-Gemeinde beinahe geschlossen zu 'Norra El Norra' auf und ab hüpft. Der endgültig letzte Song 'Ornaments Of Gold' lässt die Matrix-Besucher nach gut 90 Minuten mit einem Hochgefühl zurück – und der Hoffnung darauf, dass Musik die Welt tatsächlich ein kleines Bisschen friedlicher machen kann.

 

SETLIST ORPHANED LAND

Through Fire And Water
All Is One
Barakah
The Kiss Of Babylon
The Simple Man
Brother
Birth Of The Three
Olat Ha'tamid
Let The Truce Be Known
Sapari
Children
Ocean Land
Drumsolo
El Meod Na'ala
Ya Benaye
In Thy Never Ending Way
+++++
Norra El Norra
Ornaments Of Gold

 

Pic: Alexandra Michels