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OHRENFEINDT, NIGHT DEMON

Essen, Turock

OHRENFEINDT

Das Turock in Essen ist der Treffpunkt für Fans hart rockender Klänge aller Art, und heute feiern hier OHRENFEINDT den Tourauftakt zum zweiten Teil ihrer „20 Jahre – Live und in Farbe“-Tour. Als Support hat man sich die Amis von NIGHT DEMON mit an Bord geholt, die musikalisch tief in den Achtzigern stecken. Dementsprechend ist das Publikum auch schon etwas gesetzter, gefühlt bin ich neben Andi Rhode, dem Drummer des Headlines, heute der Jüngste im Saal. Aber Rock 'n' Roll hält bekanntlich jung, also sollte einem hart rockenden Gig nichts im Weg stehen.

Der Laden ist dann auch schon gut gefüllt, als um 19:45 Uhr der Techniker die Nebelmaschine anschmeißt (die recht ungünstig unter der Bühne steht und damit erstmal die vorderen Zuschauer einnebelt) und NIGHT DEMON die Bühne betreten. Die drei Kalifornier starten mit 'Screams In The Night' in ihr Set und strotzen nur so vor Spielfreude. Der schwer nach alten NWOBHM-Bands klingende Sound ertönt glasklar und druckvoll aus den Boxen und wer wie ich vorher dachte, dass es aufgrund des vorgebauten Schlagzeugs wohl eher wenig Stageacting geben würde, wird furios eines besseren belehrt. Sofern sie nicht gerade am Mikro gebraucht werden, nutzen Sänger/Bassist Jarvis Leatherby und Gitarrist Brent Woodward jeden Zentimeter aus, posen bei jedem Gitarrensolo in der Bühnenmitte um die Wette und haben augenscheinlich ordentlich Spaß inne Backen. Vor dem Titeltrack ihres Debüts, 'Curse of the Damned', animiert Leatherby zum 'Hey'-Mitbrüllen, was ordentlich angenommen wird, ansonsten wird kaum Zeit für Ansagen verschwendet, das Trio lässt die Musik sprechen. Mit 'Night Demon' beenden die Amis dann nach 45 Minuten ihr Set und lauter Applaus inklusive Zugaberufen zeugen davon, dass die Jungs heute einige neue Fans gewonnen haben.

Die Umbaupause wird sehr geschmackssicher mit Bullet beschallt, die musikalisch ziemlich genau die Mitte zwischen den beiden heutigen Acts bilden. Um 20:50 Uhr heißt es dann aber: Vollgasroggenrohl aus Hamburg-St. Pauli mit OHRENFEINDT! 'Energie' steht als erstes auf der Setlist, und damit erinnern sich die Herren um Sänger/Bassist Chris Laut nicht nur an ihren ersten Song: Wie schon bei ihrer Vorband ist ordentlich Bewegung auf der Bühne, der Sound ist laut und klar und die Lichtshow macht richtig was her. Zum zwanzigsten Jubiläum durften die Fans die Setlist wählen, dementsprechend gibt's eine Best-Of-Setlist, die den meisten Zuhörern das Herz höher schlagen lässt. Von alten Rockern wie 'Harley-luja' oder 'So laut ich kann' bis zu Songs vom aktuellen Album "Auf die Fresse ist umsonst" – alles ist dabei. Emotionaler Höhepunkt ist aber sicherlich die Ansage zu 'Valerie': Den Song widmet die Band nämlich ihrem Fan Hans, der in der Woche zuvor „über die Regenbogenbrücke gegangen ist“. Nach diesen melancholischen Zwischentönen geht's aber Vollgas weiter, inklusive der Ansage: „Sind hier Mädchen? Welches dieser Mädchen mag Motoren? Hier ist 'Motormädchen'!“, die für mich die Paul-Stanley-Gedächtnismedaille für Ansagen verdient hat. Generell wirkt die Band super eingespielt, Chris Laut dirigiert das Publikum (wenn es nicht gerade selbst Sprechchöre anstimmt) und ist ein angenehm launiger Gastgeber. Nach glatten 120 Minuten beendet 'Ohrenfeindt' das reguläre Set, aber die Nordlichter werden vom Publikum noch nicht in den wohlverdienten Feierabend entlassen. Als Zugabe gibts einen ganz neuen Song mit dem Titel 'Motor an', der sich aber laut Chris Laut noch ändern kann, weswegen doch bitte nicht gefilmt werden solle. Zum Abschluss kommt noch die "Auf die Fresse ist umsonst"-Nummer 'Jetzt oder nie', bevor nach zwei Stunden und zehn Minuten die Lichter angehen und das Publikum wahlweise in die frische Essener Nacht oder an die Theke entlassen werden.

Im Gesamten war dieser Konzertabend einer nach meinem Geschmack: Zwei tolle Bands mit anständigen Spielzeiten, guter und lauter Sound, faire bis niedrige Merchpreise und eine angenehme Organisation. Außerdem zeigen OHRENFEINDT, dass man als deutschsprachige Rock 'n' Roll-Band auch ohne latente Onkelz-Schlagseite anständig rocken kann.

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