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MUSIC FROM THE BEAST 2015

BLAZE BAYLEY

Nachdem das Debüt im Vorjahr ein voller Erfolg war, heißt es nun „The Second Edition“, und wieder haben die Veranstalter ein interessantes Billing
zusammengestellt. Dass dabei zwei Bands der ersten Runde erneut am Start
sind, mag zunächst verwundern, erweist sich am Ende aber als Volltreffer.

Opener sind STRANGELET, die gleich für gute Stimmung sorgen und nicht ohne Grund zu den besten deutschen Newcomern zählen. Mit einer enormen
Spielfreude und einer Portion Humor und Unverkrampftheit gibt es von den
Schwaben soliden Hardrock mit einem Schuss Sleaze.

WICKED SENSATION sind schon lange im Geschäft, und leider sieht man die multinationale Truppe viel zu selten auf deutschen Bühnen. Wer melodischen Hardrock mit ordentlichen Härtegraden mag, bekommt hier dank mitreißender Nummern wie ´King Of The World´, ´Adrenaline Rush´ oder ´Ordinary Man´ die Vollbedienung. Im Mittelpunkt steht Frontmann Robert Soeterboek, mit dem man wirklich einen ganz Großen (und das bezieht sich nicht nur auf die Körpergröße) in seinen Reihen hat und der sich mit seiner Stimme auf dem Niveau von Jorn Lande bewegt.

MAIDEN UNITED zählen zu den besten Livebands, die man zurzeit überhaupt erleben kann. Und auch hier steht mit Damian Wilson der Sänger im Fokus. Der Brite ist ein Phänomen. Nicht nur, dass er mit Threshold ein erfolgreiches Jahr hinter sich hat, ebenso wie sein Kollege Ruud Jolie von Within Temptation findet er glücklicherweise genug Zeit, um mit seiner Zweitband den Klassikern von Iron Maiden zu huldigen. Und das kann keine andere Band so emotional wie die britisch-niederländische Kollaboration, bei der Drummer Dirk Bruinenberg nach seinem Auftritt mit Wicked Sensation gleich noch mal ran muss. Vom liebevollen Bühnenbild über die enorme Spielfreude bis zu den perfekten akustischen Arrangements sorgt der Auftritt für dauerhafte Gänsehautmomente. Einmal mehr variiert man die Setlist, zu der heute ´Strange World´, ´Futureal´ (später auch in der Version von Blaze), ´Charlotte The Harlot´, ´2 Minutes To Midnight´, ´The Evil That Men Do´, ´Revelations´, ´The Trooper´, ´Children Of The Damned´, ´22 Acacia Avenue´ und ´Wasted Years´ zählen – Songs also von allen drei Maiden-Sängern, bei denen Damian eine durchweg tolle Performance hinlegt. Highlight ist wie immer ´The Trooper´ mit der bandtypischen Wall Of Death und Damians Ausflug ins Publikum.

MOB RULES haben es da erst mal schwer, den Stimmungspegel zu halten.
Glücklicherweise können die Norddeutschen auf eine umfangreiche Diskografie zurückgreifen. So hat das Sextett mit ´Celebration Day´, ´Cannibal Nation´, ´Black Rain´ sowie der Schlussnummer ´Hollowed By Thy Name´ (nein, kein Maiden-Cover!) zahlreiche überzeugende Melodic-Power-Metal-Nummern im Programm, die einmal mehr zeigen, dass das Quintett eigentlich größere Beachtung finden sollte.

Im Vorjahr hat BLAZE BAYLEY dem Headliner Paul Di´Anno mit seinem
Iron-Maiden-Set lässig die Show gestohlen. Heute stehen Nummern seiner
„Silicon Messiah“-Scheibe im Mittelpunkt, und mit denen beweist der
sympathische Brite, dass er es gar nicht nötig hat, nur auf seine Zeit bei
den Eisernen Jungfrauen reduziert zu werden. Neben vier Songs der besagten Scheibe gibt es fünf Klassiker von Maiden, wobei Blaze mit ´Fear Of The Dark´ auch eine Hymne aus der Bruce-Dickinson-Phase souverän präsentiert. Und genau die Schlussnummer ist dann auch der Höhepunkt des Festivals. Zudem bringt man nach Mitternacht Damian ein Geburtstagsständchen, und dann kommt es nacheinander zum Crowdsurfing von Blaze und Damian durch die gesamte Halle bis zur Bar. Legendär!

Fazit: Das MFTB ist erneut ein tolles und absolut liebevolles Festival, bei
dem der einzige Kritikpunkt die dürftige Gastronomie in der Halle bleibt.
Schade ist ansonsten nur die rückläufige Besucherzahl im Vergleich zum
Vorjahr. Wer nicht da war, hat definitiv was verpasst. Bleibt zu hoffen,
dass man 2016 in die dritte Runde geht.

Pics: Britta Stippich