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MOTHERS FINEST

Aschaffenburg, Colos-Saal

MOTHERS FINEST

Natürlich sind MOTHER'S FINEST Rock-Hard-kompatibel! Wer daran zweifelt, sollte sich in Erinnerung rufen, dass Bands wie die Red Hot Chili Peppers oder Living Colour und wohl auch King's X ohne die Pionierarbeit der Band aus Atlanta definitiv anders klingen würden. Und wer etwas aufgeschlossen ist, kann mit der Mischung aus Funk und Hardrock gut leben und darf sich über eines der leider seltenen Gastspiele des Quintetts in Deutschland freuen. Vorprogramm gibt es keines – wozu auch, denn eigentlich kann niemand diese Aufgabe ordentlich erfüllen.

Und bei ordentlichem Sound und gut gefülltem Colos-Saal demonstriert die Band eindrucksvoll ihre Einzigartigkeit. Blickfang natürlich Frontlady Joyce Kennedy (Jahrgang 1948 (!)) der keine andere Sängerin ihres Alters das Wasser reichen kann. Einerseits verfügt sie immer noch über eine Ausnahmestimme, und dann ist die blondierte Sängerin in ihrem Ledermieder immer noch eine geballte Ladung Erotik und Energie mit einzigartiger Ausstrahlung. Klar, dass sie den Leadgesang bei den meisten Nummern übernimmt und ihr Mann als zweite Stimme lediglich bei fünf Titeln im Rampenlicht steht, damit aber für einen gelungenen Kontrast sorgt. Ansonsten setzt Urgitarrist Moses Mo (mit wirrem Bartwuchs) gekonnt Akzente und baut beim Gitarrensolo sogar ein Zungenspiel ein. Aber auch Basser Jerry 'Wyzard' Seay - als vierter Veteran - glänzt mit seinem dominanten Bassspiel und seiner ungekünstelten Coolness. Und genau der Basssound sorgt besonders beim Klassiker 'Baby Love' dafür, dass sich die Halle endgültig zum Tanztempel verwandelt. Aber auch die anderen Nummern (Ausnahme das ruhige 'Cry Baby') grooven und rocken unendlich. Überraschenderweise fallen dabei die Stücke der stark vertretenen neuen Scheibe „Goody 2 Shoes & The Filthy Beasts“ (vor allem 'Shut Up' und 'My Badd') nicht wesentlich gegen das alte Material ab. Und von dem hat sich über die Jahrzehnte (Gründungsjahr 1970) einiges angesammelt (u.a. 'Niggizz Can't Sang Rock' n' Roll', 'Burning Love' oder 'Mickey's Monkey', 'Piece Of The Rock'), welches auf der Bühne natürlich am besten rüberkommt. So vergehen die 95 Minuten des leidenschaftlichen Auftritts im Fluge und letztlich demonstriert die Truppe eindrucksvoll, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen zählt und jederzeit für eine mitreißende Party sorgen kann. Wer nicht dabei war, sollte sich das „Rock Of Ages“-Festival in Seebronn vormerken, da ist die Band wieder zu sehen.


Pic: Britta Stippich