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VORTEX, LIEGE LORD, PARAGON, TRANCE, OMEN, TEMPEST, GAME OVER, DEAD LORD, NIGHT DEMON, VALIANT VIPER, LEATHER HEART, NATIONAL SUICIDE, ALISON

METALHEADZ OPEN AIR 2017

LIEGE LORD

Wenn ein Festival zwei Bands als Headliner bietet, die bereits beim Keep It True diese Position innehatten, dann kann man eigentlich nicht mehr von einem Underground-Festival sprechen. Kann, soll und muss man aber beim METAL HEADZ, einem Festival in Donau-Ries-Kreis, welches von seiner Gemütlichkeit (lokales Catering), Lockerheit (keine Szene-Polizei), Herzlichkeit (dass eine Spende in der Höhe von 800 Euro für den örtlichen Kindergarten zusammenkommt, spricht für sich) sowie dem klasse Preis-Leistungs-Verhältnis (ein Festivalshirt für 13 Euro) lebt, sich im Laufe der Jahre prächtig entwickelt hat und Underground verwurzelt bleiben will.



Neu bei der achten (erneut ausverkauften) Auflage ist, dass man diesmal gleich drei außereuropäische Bands im Programm bietet und das Gelände gewechselt wurde. Anfahrts- und fußballtechnisch bedingt, kommt in diesem Bericht nur das Abendprogramm der insgesamt 20 Bands an beiden Tage zum Zuge.

Tag 1:

PARAGON haben aus dem Norden eine fette Anreise quer durch die Republik hinter sich und zeigen, wie zeitlos-geiler Teutonen-Metal zu klingen hat. Die Hanseaten haben über die Jahre durchweg starke Nummern geschrieben und bieten heute einen gelungen Querschnitt ihrer Diskographie, mit dem Highlight 'Armies Of The Tyrant'. Mit Andreas Babuschkin hat die Band dabei einen Sänger in ihren Reihen, der sich auf der Bühne auch mal eine Zigarette gönnt.



DEAD LORD zählen zu den besten Live-Acts überhaupt und auch heute zeigt die Band um Hakim Krim, wie Thin Lizzy klingen würden, wenn sie sich erst Jahrzehnte später formiert hätten. Nicht nur, dass die Songs einen Lizzy-Touch haben, die Herren Krim und Hedenström bieten - wie kaum ein zweites Duo - perfekte harmonische Double-Lead-Gitarren mit Suchtfaktor. Apropos Hakim Krim, der Kerl ist eine Mischung aus Frank Zappa und Phil Lynott, und hat eine Rockstar-Ausstrahlung der besonderen Art. Wer hier apathisch stehen bleibt, muss einen Fehler haben. Coole Band, coole Songs und cooler Auftritt!

OMEN sind derzeit auf großer Europaptour und haben unlängst beim KIT überzeugt. Heute legen die Mannen um Kenny Powell noch eine Schippe drauf. Das erneuerte Line-up (der alte Drummer Steve Wittig will nicht mehr touren und ex-Basser Andy Haas hat mentale Probleme) ist mittlerweile noch besser eingespielt und dementsprechend souverän. Und auch wenn Roger Sisson ein Standbasser ist, und wie der Alterspräsident einer Dallas-Motorradgang aussieht, hat er es technisch drauf. Die Setlist ist an den KIT-Auftritt angelehnt und bietet neben dem Titeltrack des aktuellen Albums sowie der Split-Single 'Up From The Deep' mit 'Last Rites', 'Dragon's Breath', 'Hell's Gate', 'The Axeman', 'Ruby Eyes (Of The Serpent)', 'Teeth Of The Hydra', 'Battle Cry' und 'Die By The Blade' eine Reihe vergötterungswürdiger Klassiker des US-Power-Metals.
Im Mittelpunkt stehen dabei Frontmann Kevin Goucher und Axeman Kenny Powell. Trotz knapp 62 Jahren kann es sich der Bandleader leisten, mit freiem Oberkörper zu spielen und bietet Bühnenaction, wie sonst niemand in seinem Alter. Klar, dass das abschließende Bad in der Menge ein Jungbrunnen für ihn ist und er die Publikumsreaktionen genießt. Im Gegensatz zum KIT-Gig verzichtet man auf den albernen Gastauftritt von Kevins Tochter bei 'Battle Cry', weshalb der Song seine wahre Magie entfalten kann. Letztlich ein souveräner Headliner-Auftritt mit einem klasse Sound (besser, als auf dem letzten Album) und einer Band in Topform.
 
Tag 2:

Für viele Anwesende beginnt der zweite Festivaltag mit dem Weißwurstfrühstück, an welches sich VALIANT VIPER, ALISON, VORTEX, TEMPEST, NATIONAL SUICIDE und GAME OVER anschließen. Am frühen Abend setzen die Spanier von LEATHER HEART ein erstes Highlight. An der Trennlinie von Hardrock zu Heavy Metal bietet das Quintett (welches kurzfristig für Monument eingesprungen ist) einen netten Auftritt. Dabei findet das Ritchie-Blackmore-Worshipping des einen Gitarristen im 'Kill The King'-Rainbow-Cover seinen Höhepunkt. Eine Nummer, die man später am Abend noch mal hören wird.
 
NIGHT DEMON sind wohl die tourfreudigste Band in diesem Frühjahr/Sommer und spielen sich quer durch Europa den Arsch ab. Klar, dass das der Bandchemie gut tut und so bieten die Kalifornier einen tighten und mitreißenden Auftritt. Und der lebt vor allem von der Persönlichkeit des Jarvis Leatherby und dessen Schweißattacken als Ausdruck bzw. Ausdünstung seiner unbändigen Spielfreude. Wohl niemand sonst verliert bei einem Auftritt soviel Flüssigkeit, wie der Veranstalter vom „Frost And Fire“-Festival und Neu-Mitglied bei Cirith Ungol und Jaguar. Geschickt mischt man Nummern der drei NIGHT DEMON-Veröffentlichungen und demonstriert dabei wie man NWOBHM-Einflüsse mit US-Metal der frühen Achtziger verbindet. Auch wenn man das Bandgespenst als albern empfinden kann, die Nummern sind durchweg Killer, wie auch das abschließende Maiden Cover 'Wasted Years', welches ohne Bass- und Guitar-Synths wesentlich rauer klingt und perfekt zum Trio passt.

TRANCE sind neben den Scorpions und Accept DIE deutschen Heavy-Metal-Veteranen der Achtziger. Auch wenn die Pfälzer in ihrer Karriere verdammt viel Pech hatten. Davon unbeeindruckt bieten Markus Berger (als einziges Gründungsmitglied) mit seiner erneuerten Formation einen kurzweiligen, 75-minütigen Auftritt. Angekündigt als Old-School-Set der ersten drei Alben, der durch einige überzeugende neuere Nummern (sorry, das Album-Review im Rock Hard trifft gar nicht zu) ergänzt wird. Klassiker wie 'Heavy Metal Queen', 'Loser', 'Ain't No Love', 'Burn The Ice', 'Sensation' oder 'Shock Power' sorgen einfach für Gänsehaut. So kommt die Show weitgehend einer Zeitreise zu den Ursprüngen der deutschen Metal-Szene gleich und kann voll überzeugen. Mit Frontmann Joe Strubel hat man einen souveränen Sänger in seinen Reihen und auch wenn man Drummer Neudi (Trance-Nerd der ersten Stunde) vermisst, wirkt das Quartett recht homogen und eingespielt. Zwar ist Lothar Antoni noch mit einem anderen Trance-Ableger unterwegs, die Gralshüter der frühen Tage der Band sieht man aber definitiv heute auf der Bühne.


 
Headliner LIEGE LORD spielen mittlerweile ihren vierten Auftritt in Deutschland und werden extra für die Show eingeflogen. Enorme Kosten, die sich lohnen. Nicht nur, dass die Truppe einen Best-Of Set ihrer drei Scheiben spielt, zudem gibt es eine brandneue Nummer ('Outsider') die beweist, dass man mit den Ostküstlern wieder rechnen kann. Einmal mehr wird offensichtlich, welche Entwicklung die Truppe zwischen ihrem Debüt „Freedom's Rise“ und der letzten Scheibe „Master Control“ genommen hat. Startet man mit epischen Power Metal, endet man mit reinem Power Metal (Kollege Tschamler hat „Master Control“ einmal zu Recht als Benchmark für US-Power Metal bezeichnet). Und von genau dieser Scheibe stammen auch die meisten Nummern des Sets. Sänger Joe Comeau ist in Hochform, mit Tony Truglio und dem „neuen Gitarristen“ Danny Wacker hat man zwei Ausnahmekönner an den Saiten, während Matt Vinci und Frank Gilchriest (auch bei Riot V aktiv) für dem perfekten Rhythmus sorgen. Angereichert wird das eigene Material wie schon seit Jahren um das Rainbow-Cover 'Kill The King', welches die Wurzeln der Band offenlegt und begeistert aufgenommen wird. Mit 'Fallout' beenden die Veteranen einen klasse Auftritt, dem sich ein Feuerwerk hinter der Bühne anschließt.

Fazit: Die zwei tollen Tage schüren die Vorfreude auf die nächste Auflage im Mai 2018 (es gilt, sich schnell Tickets zu sichern) bei der nach jetzigem Stand Leatherwolf, Stallion, Abandoned, Speed Queen und Dexter Ward dabei sein werden. Klasse, dass sich der Wettergott - trotz ständiger bedrohlicher Gewitterwolken - an diesem Wochenende zurückgehalten hat. Aber auch wenn es geregnet hätte, mit dem großen Bierzelt und der hochprofessionellen Abdeckung des Rasens wäre man darauf professionell vorbereitet gewesen.

SETLIST LIEGE LORD

Fear Itself
Eye Of The Storm
Dark Tale
Cast Out
Kill The King
Transgressor
Feel The Blade
Rapture
Broken Wasteland
Speed Of Sound
Vials Of Wrath
Rage Of Angels
Outsider
Master Control
+++
Prodigy/ Wielding Iron Fists
Fallout

 

Pics: Michael Hönninger

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