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CATARACT, ILLDISPOSED

Metal Splash 2011

Sommer, Strand und Sonnenschein, dazu die ultimative Beschallung durch harte Töne. Das Metal Splash öffnet zum vierten Mal seine Pforten - und das mitten auf dem Strand des Weichselsees. Am Strand und auf dem nahe gelegenen Spielplatz toben Kinder, auf den Grünflächen stehen Zelte und Wohnwagen. Die pure Idylle.

Zur angenehmen Zeit von 14:45 Uhr stehen als erste Band CLEAR SKY NAILSTORM auf der Bühne. Sie haben sich diesen Opener-Slot durch ein Newcomer-Voting verdient. Den Delmenhorstern fehlt allerdings der Biss, um wirklich überzeugen zu können. Die treuen Fans feuern das Quartett an, aber weder Musik noch Performance reißen so richtig mit.

Bei CRAVING läuft das wesentlich besser: Die Oldenburger mischen ihren Melo-Death mit leichten Melodien aus dem Pagan-Bereich – das passt. Gitarrist und Sänger Ivan Chertov trägt seine Texte teilweise auf Russisch vor. Der Vierer heizt die gut 100 Fans mächtig an und die ersten Haarmatten kreisen.

ERADICATOR haben sich Old School Thrash Metal auf die Fahnen: Die Aufmachung der Musik erinnert stark an SLAYER, die Lennestädter gehen kompromisslos zu Werke. Auch Sebastian Stöbers klingt mit seinem Organ wie eine junge Version von Tom Araya. ERADICATOR stehen kurz vor der Veröffentlichung ihres Zweitlings „Madness Is My Name“ und bringen schon mal ein paar neue Nummern. Die Thrasher machen Spaß und locken allmählich die Plantschkühe vom Wasser aufs Gelände.

Die Schweden DESCEND haben anschließend einen schwierigen Start, überzeugen aber mit Songs von ihrem kürzlich veröffentlichten Debüt „Through The Eyes Of The Burdened“ die Skeptiker. Das Quintett geht ebenfalls brachial zu Werke. Die Saitenfraktion und Sänger Nima Farhadian L. laufen über die Bühne, als würden sie Kilometergeld kassieren, und heizen das Publikum an. Langsam springt der Funke über. Ein verdienter Arbeitssieg.

Mit modernem Todesblei aus Deutschland geht es weiter: BLOODWORK starten mit 'In Vein' von ihrem bis dato unveröffentlichten Albums „Ultima Ratio“ in ihren Auftritt. Die Paderborner haben schon so manches Festivalgelände mit einer ordentlichen Sause zerlegt, beim Metal Splash wirken die Jungs jedoch ein bisschen müde: Sänger David verlangt seltener als sonst nach Circle Pits, die Wall Of Death müssen die Fans selbst einfordern. Trotzdem verwandelt sich der Vorplatz in einen großen Moshpit und die Hits um 'Demonic' und 'Silent Revolution' werden abgefeiert.

Die Hannoveraner CRIPPER kommen direkt von ihrem Auftritt beim Bang Your Head!!!, doch Verschleißerscheinungen gibt es bei den Thrashern nicht: Die Gitarristen Christian Bröhenhorst und Jonathan Stenger headbangen um die Wette, während Frontröhre Britta Görtz die Fans anstachelt und ein bisschen provoziert. Ein Bier in die Luft reckend ruft sie „Prost, ihr Säcke!“ und ist leicht enttäuscht, als ihr darauf kaum jemand antwortet. Auf den modernen, straight forward Thrash Metal der Band reagieren die Fans besser: Sie feiern, headbangen und pogen zu 'Devil Reveals', 'Life Is Deadly', 'Hysteria' und 'Faqu'.

Die Überraschung des Festivals sind BLACK-OUT BEAUTY. Die Luxemburger bezeichnen ihren Stil als Breakcore/Psykecore, optisch sehen sie aus wie Rocker. Unterm Strich macht der Fünfer in erster Linie Krach mit Pig Growls, normalen Gegrowle und Gekreische. Vokalist Andy Petesch schlabbert ständig mit seiner Zunge herum, wobei ihm Spucke aus dem Mund schießt, die Gelenke verzieht er zu seltsamen Verrenkungen, dabei springt er unkoordiniert über die Bühne. Hinter ihm drehen seine Mitmusiker völlig durch und flitzen über die Bretter, Bassist Marius Haida legt sich sogar kurz auf den Boden. Auch die Fans gehen mächtig ab. Die Lieder handeln von Zombies, Riesenmotten und 'Chuck Norris'. Noch Fragen?

MAINTAIN sind im Anschluss Entspannung pur: Die Norddeutschen spielen soliden Metalcore und machen gut Stimmung ohne wilde Grimassen. Das Gelände füllt sich langsam und vor der Bühne geht die Feier weiter. Das Publikum ist so überschwänglich, dass es den Einsatz der Wall Of Death einfach vorzieht. Sänger Timo Böhling staunt nicht schlecht. MAINTAINs Anhänger freuen sich vor allem über neues Material der Split-EP „Lifetimes“, welche die Band im Juni zusammen mit A TRAITOR LIKE JUDAS veröffentlichte. Danach folgt etwas Abwechslung: Nicht wie sonst Volbeat, sondern Linkin Park versüßen die Pause.

Zum Auftritt von CATARACT ist es schließlich dunkel geworden. Die Bühne erstrahlt in allen möglichen Farben und die Schweizer schlagen gut gelaunt auf. Im Gegensatz zum Maintain-Auftritt flacht die Stimmung etwas ab, die Fans feiern aber trotzdem ausgiebig mit einem großen Moshpit. Sänger Federico Carminitana, modebewusst mit Basecap ausgestattet, macht die Show fast allein und stellt sich so dicht an die Fans ran, wie nur möglich. Diese bejubeln Lieder wie 'Killing Tool', 'As We Speak', 'Vanished In The Dark' und 'Nothing's Left'. Carminitana hat erst in diesem Jahr Gründungsmitglied Christian Ebert abgelöst. Er macht seinen Job wirklich gut, auch die Fans honorieren das.

Die Dänen ILLDISPOSED feiern sich zumindest optisch selbst ab und tragen eigene Bandshirts. Der Auftritt hat sich etwas verzögert, in der Zwischenzeit hat zumindest Sänger Bo Summer etwas zu tief ins Glas geschaut: Zunächst starrt er lange auf die Setlist und bewegt sich kaum, in jeder Liedpause bezeichnet er die Fans und deren Eltern als schwul und vergisst später den Text von 'The Taste Of You'. Doch ansonsten liefert das Quintett einen starken Auftritt ab, bei dem sie überwiegend das gelungene, aktuelle Album „There Is Light (But It's Not For Me)“ bewerben: 'Your Own Best Companion', 'Heaven Forbid' und 'Rape' werden ebenso abgefeiert wie die alten Stücke. In seinem hellen Moment stellt Summer fest, dass ILLDISPOSED nur als Old School gelten, weil es die Band jetzt schon 20 Jahre gibt. Beim Elektronikanteil ihres ohnehin schon modernen Death Metals trifft es das auf den Punkt. Obwohl die Dänen sich nicht so viel bewegen, reißen sie die Fans mit und durch ihre Posen entsteht doch eine ansehnliche Performance. Der erst kürzlich hinzugestoßene Gitarrist Ken Holst fügt sich nahtlos ein. Obwohl sich die Zuschauerreihen etwas gelichtet haben, wird noch gut gefeiert, die Fans pogen und headbangen eifrig.

Um das Publikum anschließend so schnell wie möglich zu vertreiben, dröhnt zunächst kurz Nintendo-Musik und gleich darauf Rap aus den Boxen. Doch der Strand ist ohnehin einladender als das verlassene Festivalgelände. Das Metal Splash etabliert sich im Norden zusehends und dürfte jetzt den Ruf als Brüllkapellen-Festival innehaben; Klargesang gab es an diesem Tag kaum zu hören. Doch allein die Atmosphäre am Weichselsee lohnt sich. Grillen am See mit kühlem Bier und anständiger Hintergrundbeschallung – da bleiben keine Wünsche offen.

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