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MAIDEN UNITED, SNAKE BITE LOVE

Bad Homburg, Kurtheater

MAIDEN UNITED

Nachdem Threshold die Trennung von Damian Wilson unerwartet gut überstanden haben, fragt man sich, was denn ihr ehemaliger Frontmann so treibt. Bevor in Kürze seine gemeinsame Scheibe mit Adam Wakeman erscheint, stehen vereinzelte Gastspiele mit seiner akustischen Iron-Maiden-Tributeband MAIDEN UNITED an.

Deren Auftritte sind immer etwas ganz Besonderes und diesmal hat man mit ausgewählten Theatershows noch eine Steigerung auf Lager. Location an diesem winterlichen Abend ist das Kurtheater im mondänen Bad Homburg, welches mit seinen zwei Rängen, der opulenten Bühne, dem tollem Bühnenbild und dem großen Steinway-Flügel einen beeindruckenden Rahmen bietet. Aber nicht nur die Räumlichkeit, auch die heutigen Gastmusiker der Truppe (mit Tausendsassa Alex Stahl, der im Publikum weilt, hätte man noch einen weiteren Hochkaräter auf die Bühne holen können) sind außergewöhnlich und in dieser Zusammenstellung einmalig.

Als erster gesellt sich Frank Beck von Gamma Ray für 'Sun And Steel' zur britisch-niederländischen Versammlung auf die Bühne und bietet einen souveränen Auftritt. Direkt danach kommt es zu anhaltenden Gänsehautmomenten, denn mit Dennis Stratton hat man eine Maiden-Legende im Programm. Bei fünf Nummern ('Strange World', 'Remember Tomorrow', 'The Trooper', 'Children Of The Damned' und 'Charlotte The Harlot'), die zum Großteil erst nach seinen Maiden-Tagen geschrieben wurden, steht - genauer gesagt sitzt - der Brite im Mittelpunkt, zeigt Leidenschaft, Mitteilungsbedürfnis und eine Menge Humor. Später taucht er einige Male ungeplant auf der Bühne auf und man hat das Gefühl, dass er gerne bei weiteren Nummern mitwirken möchte. Sein Auftritt verlängert sich zudem, da er ständig mit Damian in Gespräche verwickelt wird und das Konzert durch die Interaktion und Anekdoten einen ganz besonderen Charakter bekommt. Nächster Gast ist Ralf Scheepers von Primal Fear, den man eher mit Judas Priest bzw. Rob Halford assoziiert. Der Schwabe beschäftigt sich in Form von 'Futurreal' mit der unterbewerteten Blaze-Bayley-Phase, und natürlich bietet auch das Muskelpaket eine tolle Performance. Nach zwei weiteren Nummern ohne Gastbeteiligung kommt für 'The Evil That Men Do' und '2 Minutes To Midnight' Doogie White auf die Bretter. Mit seinen Textblättern wirkt der Veteran (MSG, Rainbow) zunächst etwas unvorbereitet, schafft es aber souverän die Nummern zu interpretieren und verbindet das unterhaltsam mit seinem schottischen Humor. Es folgt 'Die With Your Boots On' und beim abschließenden 'Wasted Years' gesellen sich zum großen Finale alle neun Musiker auf die Bühne und zelebrieren zum Ende des zweieinhalbstündigen (!) Auftritts gemeinsam die Achtzigerjahre-Hymne, mit der in letztes Jahr auch Night Demon ihren Set beendet haben.
Alle Beteiligten sind sich des würdevollen Umgangs des Weltkulturerbes von Iron Maiden bewusst und liebevoller, als an diesem Abend - Steve Harris hätte bestimmt seine Freude gehabt - kann man die Nummern nicht interpretieren bzw. zelebrieren.

Damian Wilson ist dabei gewohnt klasse bei Stimme und zeigt besonders bei 'Revelations' eine gesangliche Ausnahmeleistung, die es locker mit Bruce Dickinson aufnehmen kann. Zudem führt er sympathisch durch den Abend und lässt sich abschließend seinen gewohnten Stagediving-Ausflug ins Publikum („Good People“) des bestuhlten Theaters nicht nehmen. Anschließend trifft man sich im Vorraum des Theaters zum Smalltalk mit den Fans und ärgert sich dort lediglich darüber, dass die Tresen bereits geschlossen sind. Das Konzertjahr ist noch jung, aber der heutige Abend wird im Jahresrückblick definitiv zu den Highlights zählen. Ganz großes Kino, oder der Location entsprechend: ganz großes Theater!

Einen Anteil daran hat auch die Vorband. Die weitgehend unbekannten SNAKE BITE LOVE lassen unschwer erahnen, dass sie in Richtung Mötorhead gehen. Die junge, fünfköpfige Truppe - Studenten von der Metal Factory in Eindhoven - zählt zur Legion der Motörhead-Tribute-Bands, hebt sich aber vom Gros durch ihre akustische Bearbeitung des Lemmy-Materials und den weiblichen Gesang ab. Diesen übernimmt Micky Huijsmans, die sich sonst mit ihrer Stammband, End Of The Dream eher in symphonischen Sphären bewegt und durch ihren Lemmy-untypischen Gesang (stellenweise erinnert die Grazie an die Kanadierin Alannah Myles) Akzente setzt. Ähnlich wie Tori Amos auf ihrem Coveralbum „Strange Little Girls“ (insbesondere 'Raining Blood'), seziert man die Originalnummern, setzt sie neu zusammen und gibt ihnen damit eine veränderte Struktur. Bei den meisten Stücken klappt das hervorragend und neben Klassikern wie 'Motorhead', 'Metropolis', 'No Class', 'Killed By Death' und 'Ace Of Spades', gibt es mit 'Don't Let Daddy Kiss Me' und 'Lost In The Ozone' Nummern, die eher überraschen. Ganz große Klasse! Und nicht ohne Grund gibt es zum Abschluss der 45-minütigen Show stehenden Applaus vom Publikum.




SETLIST MAIDEN UNITED

Only The Good Die Young
22 Acacia Avenue
Sun And Steel
Strange World
Remember Tomorrow
The Trooper
Children Of The Damned
Charlotte The Harlot
Futureal
Infinite Dreams
Revelations
The Evil That Men Do
2 Minutes To Midnight
Die With Your Boots On
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Wasted Years

Pics: Rene Lamotte