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MAJESTY, LINGUA MORTIS ORCHESTRA

Köln, Essigfabrik

LINGUA MORTIS ORCHESTRA

Bewaffnet mit einem jungen spanischen Orchester und der Platte „LMO“ macht das Rage-Trio Smolski, Wagner und Hilgers nebst Fronter Henning Basse und den beiden Goldkehlchen Jeannette Marchewka und Dana Harnge in der Vorweihnachtszeit die Bühne der Kölner Essigfabrik unsicher – und weil man sich so viele Namen auf einmal kaum merken kann, läuft das Ganze unter dem LINGUA MORTIS ORCHESTRA-Banner. Als Support sollen die True-Metal-Originale MAJESTY das durchgefrorene Publikum aufwärmen. Oh du fröhliche...

So kurz vor Weihnachten darf es ruhig mal ein bisschen kitschiger sein, finden offenbar MAJESTY, und präsentieren dem Publikum nicht nur ihre neue Scheiblette „Banners High“, sondern auch das volle Brett Klischee-Metal inklusive lyrischer Ergüsse über Krieger, Drachen und Schwerter. Fairerweise sollte gesagt sein, dass sich Bandchef Tarek Maghary und seine blutjungen Mitstreiter auf der Bühne den Allerwertesten abspielen und beim Großteil des Publikums bestens ankommen. Unfreiwillig amüsant gestalten sich allerdings die Songtexte – so sollte sich nach dem voller Pathos vorgetragenen 'Banners High' auch der unaufmerksamste Zuhörer dessen bewusst sein, dass sich 'High', 'Sky' und 'Die' ganz wunderbar aufeinander reimen. Ebenfalls von zweifelhaftem Erfolg gekrönt ist die ewig gleiche Wahl der Bühnenoutfits. Während die schwarzen Fake-Sixpack-Westen der jungen Saitenfraktion-Generation noch ganz gut zu Gesicht stehen mögen, lugt unter Bandpapa Tareks athletischem Waschbrettbauch-Korsett ein unübersehbarer Bierbauch hervor. Ein dickes Grinsen zaubern MAJESTY mit ihrer Show trotzdem den meisten Zuschauern ins Gesicht – aus welchen Gründen, ist ja erst einmal zweitrangig.

Wenig später werden die rund 300 Gäste der Essigfabrik Zeugen davon, wie gut man mit einem Orchester Tetris spielen kann. Erfolgreich quetschen sich die spanischen Musiker samt Instrumenten auf die ziemlich beengte Bühne und schaffen es sogar, genügend Platz für Peavy und Co. zu lassen, die mit 'Cleansed By Fire' einen optimalen Start hinlegen. „LMO“-Nummern wechseln sich in einer kurzweiligen Show mit bekannten Rage-Gassenhauern wie 'From The Cradle To The Grave' und 'Straight To Hell' ab, wobei das Orchester dankenswerter Weise nie zu sehr im Hintergrund steht. An dieser Stelle ein großes Lob an den Mischer, der trotz schwieriger Umstände für einen durchgehend guten Sound sorgt. Doch nicht nur das Orchester, auch das Rage-Trio ist spielerisch bestens aufgelegt. Für eine richtig schlechte Gitarrenleistung von Victor Smolski würden vermutlich nicht Wenige einen stolzen Ticketpreis bezahlen. Ob dieser Axtschwinger, der heute auch das Cello bedient, wohl überhaupt schlecht spielen kann? Fronter Peavy belustigt das Publikum obendrein mit seinen Späßchen und vor allem ex-Metalium-Sänger Henning Basse fällt mit starker Performance und noch stärkerer Stimme auf. Überhaupt merkt man der Truppe an, dass sie gegen Ende der Tour einiges an Übung gewonnen hat. Wirkte ihr Oberhausener Auftritt im September stellenweise noch ein wenig hölzern und improvisiert, haben vor allem die Damen Marchewka und Harnge ihren Metal-Grundlehrgang inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Statt unbeholfener Ansagen und schüchterner Tanzbewegungen gibt es heute fliegende Haare, kraftvolle Stimmen und selbstbewusste Sprüche zu sehen bzw. hören. Etwas Luft nach oben ist allerdings noch vorhanden. Dennoch: Alles in Allem liefert das LINGUA MORTIS ORCHESTRA einen runden, stimmungsvollen Auftritt, der entsprechend lautstark honoriert wird. Da formt Peavy vor lauter Freude sogar glatt mit seinen Fingern ein Herzchen fürs Publikum. Ist ja schließlich fast Weihnachten.


Setlist LINGUA MORTIS ORCHESTRA

Cleansed By Fire
Empty Hollow
From The Cradle To The Grave
Scapegoat
Devil's Bride
Lament
Prelude Of Souls
Innocent
No Regrets
Eye For An Eye
Turn The Page
Afterglow
Oremus
Witches' Judge
Straight To Hell
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Higher Than The Sky


Pics: Alexandra Michels