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LAYMENT, DISTANCE CALL, ALEATORY, WHATEVEREMAINS, GOT-X

Bochum, Matrix

LAYMENT

Eigentlich wollten die Ruhr-Rocker LAYMENT ihrer mit den Hufen scharrenden Fangemeinde noch diesen Herbst den Nachfolger ihrer zweiten Scheibe „Traces“ auf die Ohren geben. Zwar hat das zeitlich nicht ganz geklappt, als Trostpflaster gibt es aber immerhin die EP „Long Lost Forever“ und die dazu passende Release-Show in der Bochumer Matrix, für die sich die Herner einige vielversprechende Supportacts ins Boot geholt haben.

GOT-XDie erste Band des Abends hat auch die weiteste Anfahrt: GOT-X aus Rumänien stellen auf den Bochumer Brettern ihr Debütalbum „Bloody Flowers“ vor. Auf den ersten Blick könnte der unbedarfte Zuschauer meinen, die Combo habe als Einstiegs-Gag ihren Nachwuchs auf die Bühne gestellt. Allerdings handelt es sich bei GOT-X tatsächlich um eine blutjunge Truppe, der noch einige Jahre zur Volljährigkeit fehlen. Gas geben können die Kids, angeführt von Frontdame und Keyboarderin Giulia, allerdings schon wie die Großen. Nicht nur mit dem Junior-Bonus, sondern auch mit einer großen Portion Talent beeindruckt Band-Nesthäkchen Gino an den Drums. Mal mit leichten Pop-Einschlag, mal eher Richtung Metal, vereint die Nachwuchs-Combo verschiedenste Facetten der Rock-Bandbreite in ihrem Set. Dass dabei auch ein paar Töne danebengehen, wird den Teenies vom Publikum großmütig verziehen – schließlich haben sie zur Perfektion noch alle Zeit der Welt.

WHATEVEREMAINSWas ihre Bandhistorie angeht, sind die nun aufspielenden WHATEVEREMAINS streng genommen sogar noch grüner hinter den Ohren als ihre Vorgänger. Die Jungs aus dem Ruhrgebiet haben sich erst vor wenigen Monaten zusammengetan, allerdings schon eine gute Portion Bühnenerfahrung aus früheren Bandprojekten mitgebracht. Dementsprechend selbstbewusst zeigen sich WHATEVEREMAINS auch bei ihrem ersten größeren Auftritt und geben mit dem Opener 'Enemies' schon die Essenz ihrer Show vor: Grooviger Hardrock, fette Riffs und eingängige Hooklines laden zum rhythmischen Kopfnicken und Mattenschwingen ein, was die langsam zahlreicher eintrudelnden Matrix-Gäste auch fleißig tun. Mit Julian Schrader hat die Combo sich einen vielversprechenden Fronter an Land gezogen, der gemeinsam mit Gitarrero Cosmo Brazda für die nötige Live-Action und Stimmung sorgt. Eine Band, bei der es sich lohnt, sie im Auge zu behalten.

ALEATORYMit klassischem Heavy Rock geht es weiter: ALEATORY aus Bochum haben in der Matrix ein Heimspiel und sind schon längst keine Unbekannten mehr in der lokalen Szene. Im Vergleich zum letzten Auftritt beim Steel-Meets-Steel-Festival legt der Fünfer musikalisch nochmal eine Schippe drauf und bittet das Publikum mit 'Time To Die' zum Poser-Tanz. Allen Grund, mit der Matrix-Meute eine wilde Mosh-Party vom Zaun zu brechen, hat heute Sänger Jens: Der ALEATORY-Action-Beauftragte mit der Rob-Halford-Gedächtnisweste feiert seine zehnjährige Bandmitgliedschaft. Als Geschenk an die Fans gibt es den neuen Song 'Ridin' High' inklusive Mitsing-Part, und als Motto für die Zukunft gleich die Uptempo-Nummer 'Rock'n'Roll On' hinterhergeballert. Die Sympathien der traditionsbewussten Kuttenträger erspielt man sich zum Abschluss mit dem Priest-Cover 'Breaking The Law'. Fehlt eigentlich nur noch die lang angekündigte Langrille.

DISTANCE CALLGenau eine solche haben DISTANCE CALL in Form ihrer zweiten Platte „Said And Done“ gerade erst veröffentlicht, wie man nicht müde wird, zu erwähnen. Dementsprechend gibt das routinierte Hardrock-Quartett auch eine Menge neuer Stücke zum Besten und wird vom gut angeheizten Publikum gebührend abgefeiert. Während Bandkopf und Saitenhexer Robert für die richtige Dosis Virtuosität sorgt, ist Rockröhre und Bühnen-Wirbelwind Korry nicht nur eine Weide fürs männliche Auge, sondern zieht selbst skeptische Beobachter mit ihrer herzlichen Art auf ihre Seite. „Erkältung ist ein Arschloch“, erklärt die Frontfrau ihre noch rauchiger als sonst klingende Stimme, singt sich aber tapfer und souverän durchs Set. In den Achtzigern wären DISTANCE CALL mit ihrer Musik zweifelsohne voll durchgestartet, und genau das dürfte die Mehrheit des Publikums der sympathischen Combo nach dem gelungenen Auftritt auch für die Zukunft wünschen.

Last but not least stürmen LAYMENT mit 'Remain Blind' die Bühne und legen mit dem folkigen 'Crossroads' eine etwas ruhigere Nummer nach. Der vielseitige Metal-Sechser um die Gebrüder Schmidt gibt sich gewohnt spielfreudig und publikumsnah, was aber leider nicht über den auffallend schlechten Bühnensound hinwegtäuschen kann. Das, was da in der Tube überlaut aus den Boxen schallt, erinnert bestenfalls an einige breiige Masse und verärgert nicht wenige Konzertbesucher, die sich auf den Auftritt der Herner gefreut hatten. LAYMENTLAYMENT machen das Beste daraus – was bleibt ihnen auch anderes übrig – und präsentieren mit 'Forge' einen brandneuen Track mit Ohrwurm-Refrain von ihrer EP. Altbewährte Gassenhauer wie der Power-Metal-Song 'Armies' fehlen im Set der Herner genausowenig wie frisch geschlüpfte Nummern der Marke 'Long Lost Forever' und 'Covenant'. In Sachen Bühnenshow sorgt das Sextett geschlossen für so viel Action, dass auch schon mal ein Mikroständer auf den Boden fliegt oder man sich gegenseitig in die Quere kommt. Sei's drum – die LAYMENT-Gemeinde nimmt das einfach als Aufforderung, ihrerseits vor der Bühne alles zu geben. Für ruhigere Momente sorgt das gelungene Stone-Sour-Cover 'Bother', das Sänger Marosh und Klampfer Benny als Akustik-Duo anstimmen. An ihren etwas planlosen Ansagen könnte die Truppe allerdings noch feilen und die ein wenig an Ping-Pong erinnernden, geschwisterlichen Frotzeleien auf die nächste Familienfeier verschieben. Bei der von knapp 400 Zuschauern und etlichen auf die Bühne gewunkenen Freunden und Helfern laut mitgesungenen Hymne 'Sons Of Herne' holen sich LAYMENT mit Katja Wurtz aus Berlin weibliche Unterstützung auf die Bretter, die gemeinsam mit Taster Kris für eine vierhändige Einlage am Keyboard sorgt. Mit der letzten Zugabe 'Wake Up' gibt es noch eine Ballade für die zahlreich erschienenen Damen im Publikum, bevor die Jungs unter lautem Applaus die Bühne verlassen. Auf ihrer limitierten „Long Lost Forever“-EP (666 Exemplare) werden LAYMENT, die derweil munter durch die Republik touren, wohl kaum sitzenbleiben.

 

SETLIST LAYMENT

Remain Blind
Crossroads
Forge
Burning Candle
Armies
Break Away
Feuergeist
Beauty Beast
Ode
Long Lost Forever
Death
Bother
Secret Life
Sons Of Herne
--
Covenant
Wake Up

 

Pic: Alexandra Michels