Online-MegazineFestivals & Live Reviews

NILE, MORBID ANGEL, KREATOR

Hannover, Capitol

Kreator

Ein verschneiter Dezemberabend in Hannover: Trotz des Werktages und des zum bevorstehenden Weihnachtsfest vermeintlich leeren Geldbeutels zieht es heute eine Menge Freunde traditioneller Extreme-Metal-Sounds ins Capitol. Als ich gegen 18:15 Uhr (laut Ticket offizieller Beginn) vor Ort ankomme, sind FUELED BY FIRE leider schon mit ihrem Set durch.

NileObwohl sich der Laden mit einer ausgewogenen Mischung aus Jung- und Altfans gut besucht zeigt, ist es bei NILE ein Leichtes, in die ersten Reihen vorzudringen, um das Technik-Sperrfeuer der Hobby-Ägyptologen aus der Nähe zu verfolgen. Tatsächlich überzeugen die Herren um das Gitarren/Vocals-Duo Karl Sanders und Dallas Toler Wade musikalisch wie zu erwarten auf ganzer Linie. Was die Saitenfraktion während des gesamten Gigs auf ihren Instrumenten wie selbstverständlich herunterzockt, lässt jede noch so begabte Mathcore-Combo aktuellen Datums mit gesenktem Kopf in den Proberaum zurücktrotten. Auch Schlagwerker George Kollias (hat kürzlich erst eine Lehr-DVD für extremes Metaldrumming veröffentlicht) verkloppt in unfassbarer Geschwindigkeit sein Bollwerk-haftes, riesiges Kit, während Neu-Bassist Todd Ellis permanent die blonde Mähne kreisen lässt. Vom Programm her konzentriert man sich zur Hälfte auf neues Material vom "At The Gates Of Sethu"-Album und zur anderen Hälfte auf diverse Klassiker der Bandhistory - darunter der brachiale Opener 'Sacrifice Unto Sebek', das bedrohlich-kriechende 'Sarcophagus' und das obligatorische 'Black Seeds Of Vengeance'. Die alten Sachen kommen dabei deutlich besser beim Publikum an, das mit den 2012er-Songs noch kaum vertraut ist und beeindruckt bis ratlos staunend zur Bühne blickt. Ein rundum gelungener Einstieg für den heutigen Abend, auch wenn NILE beim nächsten Mal wieder mehr Spielzeit und einen weniger undankbaren Platz im Billing verdient hätten.

Morbid AngelMORBID ANGEL können danach mit ihrem Status als Klassiker und Miterfinder des Death Metals in Sachen Stimmung sehr viel stärker punkten. Die Halle ist zum Bersten gefüllt und Frontmann David Vincent dirigiert die Menge mit Power und Selbstsicherheit. Von den elektronischen Elementen der letzten Scheibe "Illud Divinus Insanus" ist dabei zur Freude der meisten Fans nicht viel zu merken. Technisch versiert aber straight, ballert sich das Quartett durch einen gemischten Set, das bis zu "Altars Of Madness"-Zeiten in die späten 80er zurückreicht. Gitarristen-Unikat Trey Azagthoth ist mit seinen flinken Soli und permanentem Whammy-Bar-Einsatz so was wie das Death-Metal-Pendant zu Steve Vai und versteckt sich die meiste Zeit hinter seiner schwarzen Mähne. Zwischendurch fliegen immer wieder vereinzelten Bierbecher auf die Bühne, was Vincent während einer Ansage mit einem deutlichen "If you wanna share a beer with me, don't throw it at me!" kommentiert. Besonders beim älteren Material klingen immer wieder Thrash- und Heavy-Metal-Einflüsse durch, womit MORBID ANGEL eine sinnvolle Brücke zwischen dem technischen Death Metal NILEs und dem old-schooligen Thrash von KREATOR bilden. Die Menge bleibt über die gesamte Zeit des langen Auftritts begeistert und reckt zu den vielen Highlights ('Rapture', 'Nevermore', 'Dawn Of The Angry' oder 'Bil Ur-Sag') die Fäuste und Pommesgabeln in die Höhe.

KreatorWie es an einem Doppel-Headliner-Abend wie diesem nun mal ist, gilt es die verbliebenen Kräfte für KREATOR aufzusparen. Die Essener meistern im Laufe ihrer Show den Spagat zwischen aufwändiger Inszenierung und bodenständiger Bühnenshow. Zu Beginn ist die Bühne noch vollständig mit einer weißen Leinwand verhüllt, auf der als Intro eine Beamer-Show vorgeführt wird, die mit Fotos und bewegten Bildern - untermalt von der 'Personal Jesus'-Version Johnny Cashs - einen atmosphärisch-chronologischen Abriss der 30-jährigen Bandgeschichte der Essener zeigt. Als dann der Vorhang fällt, geht's mit 'Phantom Antichrist' direkt in die Vollen und die Menge kennt kein Halten mehr. Vor einer Kulisse auf zwei Ebenen (Drummer Ventor thront auf einem erhöhten Podest, das an beiden Seiten des Schlagzeugs mit Treppenaufgängen und Mikros ausgestattet ist) feuern Mille und seinen Mannen für die folgenden gut anderthalb Stunden aus allen Rohren. Klar, man geht inzwischen auf die 50 zu, was der Energie allerdings überhaupt keinen Abbruch tut. Der Frontmann animiert die Leute immer wieder zum Ausrasten, Moshen und Circle Pits, was sich die geneigten Fans nicht zweimal sagen lassen. Wer lieber in Ruhe zuschauen und bangen möchte, muss sich ob des Tanzkrawalls zur Seite oder nach hinten begeben. Die Songauswahl lässt hingegen nichts zu wünschen übrig. Neben den besten Krachern der neuen Scheibe ('From Flood Into Fire', 'Civilization Collapse') stehen auch zahlreiche Klassiker alten oder mittelalten Datums auf der Liste. Fans der mittleren Phase freuen sich über das Groovemonster 'Violent Revolution' und das melodisch-flotte 'Hordes Of Chaos', während 80er-Nostalgiker Evergreens der Marke 'Betrayer', 'Extreme Agression' und 'Flag Of Hate' abfeiern. Bei letzterem schwenkt Mille traditionell die Fahne und lobt Hannover als eine der coolsten Metal-Städte des Landes. Zwischendurch sorgt der sonst eher zurückhaltende Gitarrist Sami mit einem Akustikklampfen-Interlude für Abwechslung und stellt sein instrumentales Können unter Beweis. Von altem Eisen kann heute jedenfalls nicht die Rede sein, denn KREATOR ziehen live noch immer alle Register und stellen ihren Status unter Beweis. Mal abwarten, was die Kollegenvon  Sodom und Destruction im nächsten Jahr abliefern. Um noch ein Wort zur Location zu sagen: Das Capitol ist an sich ein kompakter, aber schön aufgemachter Club mit reichlich Platz. Die Bierpreise (4 Euro für den halben Liter) und die chaotische Garderobensituation nach Konzertende sind aber verbesserungswürdig.

 

SETLIST KREATOR

Phantom Antichrist
From Flood Into Fire
Phobia
Hordes Of Chaos (A Necrologue For The Elite)
Civilization Collapse
Voices Of The Dead
Extreme Aggression
People Of The Lie
Death To The World
Endless Pain
Pleasure To Kill
Violent Revolution
United In Hate
Betrayer
Flag Of Hate
Tormentor

 

SETLIST MORBID ANGEL

Immortal Rites
Fall From Grace
Rapture
Pain Divine
Maze Of Torment
Existo Vulgoré
Nevermore
Lord Of All Fevers And Plague
Chapel Of Ghouls
---
Dawn Of The Angry
Where The Slime Live
Bil Ur-Sag
God Of Emptiness
World Of Shit

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

MORBID ANGEL12.11.2017HamburgLogo Tickets
MORBID ANGEL25.11.2017EssenTurock Tickets
MORBID ANGEL28.11.2017WiesbadenSchlachthofTickets
MORBID ANGEL29.11.2017BerlinMusik & FriedenTickets
MORBID ANGEL06.12.2017MünchenBackstage Tickets
MORBID ANGEL10.12.2017Kassel130bpmTickets

Reviews

KREATOR - Gods Of ViolenceRH #357 - 2017
Nuclear Blast/Warner (51:50)Das Fazit vorneweg: Album Nummer zwei mit Meisterpro...
NILE - What Should Not Be UnearthedRH #340 - 2015
Nuclear Blast/Universal (50:07)Extreme Überschallmusik kann so schön sein, wen...
KREATOR - Dying AliveRH #315 - 2013
(Nuclear Blast/Warner) Deutschlands führende Edel-Thrasher hätten mit der Auf...
NILE - At The Gate Of SethuRH #302 - 2012
Nuclear Blast/Warner (47:45) Auf NILE ist stets Verlass. Bis auf ganz wenige Au...
KREATOR - Phantom AntichristRH #301 - 2012
Nuclear Blast/Warner (45:34) Dass die neue KREATOR-Platte gut ist, belegt allei...
MORBID ANGEL - Illud Divinum InsanusRH #290 - 2011
Season Of Mist/Soulfood ´Too Extreme´? Oh ja, das ist der Opener dieser Platt...
NILE - Those Whom The Gods DetestRH #270 - 2009
NILE begeistern in Sachen Härte und Präzision wie Vader und mit mystischen und...
KREATOR - Hordes Of ChaosRH #261 - 2009
Steamhammer/SPV (38:27) Über die Art der Produktion von „Hordes Of Chaos“ ...
NILE - Ithyphallic
Der Ansatz, die Riffanzahl zu reduzieren, ist im Falle NILE lobenswert: So sind ...
NILE - Legacy Of The Catacombs
(52:08) Was für eine gekonnte Veröffentlichungspolitik! Gerade zu dem Zeitpun...
NILE - Annihilation Of The WickedRH #217 - 2006
(51:36) Drei Jahre nach dem Fabelwerk „In Their Darkened Shrines“ legen NIL...
KREATOR - Enemy Of GodRH #212 - 2005
(55:48) Drei Jahre haben sich Essen´s Finest Zeit gelassen, um ihrem zweiten D...
MORBID ANGEL - HereticRH #197 - 2003
(53:14) Lange Zeit sah die Zukunft der morbiden Florida-Könige sehr unsicher a...
KREATOR - Live KreationRH #194 - 2003
(143:23) Gut Ding muss Weile haben. 18 Jahre nachdem Europas größte Thrash-Co...
NILE - In Their Darkened Shrines
Es gibt nicht viele Todesblei-Combos jüngeren Datums, die man in einem Blindfol...
KREATOR - Violent RevolutionRH #173 - 2001
In Sachen KREATOR bin ich eigentlich der denkbar intoleranteste Hörer und Kriti...
KREATOR - 1985 - 1992 Past Life TraumaRH #163 - 2000
Neben neu gemasterten Versionen ihrer ersten drei Scheibletten "Endless Pain", "...
MORBID ANGEL - Gateways To AnnihilationRH #161 - 2000
Insgesamt etwas langsamer, dafür aber facettenreicher ist der Nachfolger von "F...
NILE - In The Beginning
Auf diesem Silberling finden sich die hierzulande niemals offiziell (bzw. nur al...
NILE - Black Seeds Of Vengeance
Das ist der Stoff aus dem die (feuchten) Todesblei-Träume gemacht sind! Die Äg...
KREATOR - EndoramaRH #143 - 1999
Man darf gespannt sein, wie die Fans das neue KREATOR-Album aufnehmen werden. Zw...
NILE - Amongst The Catacombs Of Nephren-Ka
Bereits das vor gut zwei Jahren vom (mittlerweile nicht mehr existenten) Label V...
MORBID ANGEL - Formulas Fatal To The FleshRH #130 - 1998
Nach der längst überfälligen Trennung von David "Weichkeks" Vincent wollten s...
KREATOR - OutcastRH #122 - 1997
"Leave this world behind", krächzt Mille auf dem geilen, treibenden Opener der ...
KREATOR - Scenarios Of ViolenceRH #107 - 1996
KREATOR haben bekanntlich ihrem einstigen Label "Und Tschüß!" gesagt. Daß Noi...
KREATOR - Cause For ConflictRH #100 - 1995
Eins muß man Mille und seinen Mannen lassen: Sie brauchen zwar immer 'ne halbe ...
MORBID ANGEL - CovenantRH #74 - 1993
Deutlich "back to the roots" gibt sich das amerikanische DM-Geschwader um Wichte...
KREATOR - RenewalRH #66 - 1992
Die Überraschung des Monats! "Renewal" (Erneuerung), diesen Titel muß man erns...
MORBID ANGEL - Abominations Of DesolationRH #58 - 1991
Aus dem Jahr 1986 stammt diese LP, die das eigentliche MORBID ANGEL-Debüt darst...
MORBID ANGEL - Blessed Are The SickRH #50 - 1991
Ich glaube, daß die ganze Death Metal-Welt kaum eine Scheibe mit solcher Spannu...
KREATOR - Coma Of SoulsRH #43 - 1990
Es ist schon erstaunlich, wie sich dieser Ruhrpott-Vierer ständig weiterentwick...
MORBID ANGEL - Altars Of MadnessRH #35 - 1989
Die Demos dieser vierköpfigen Killertruppe dürften wohl mit zum Derbsten (musi...
KREATOR - Extreme AggressionRH #32 - 1989
Auch wenn mich gleich die vereinigte Thrash-Gemeinde einen Kopf kürzer macht, t...
KREATOR - ...Out Of The Dark... Into The Light (Mini-LP)RH #28 - 1988
Da "Terrible Certainty" sich schon einige Monate auf den Plattentellern dreht un...
KREATOR - Terrible CertaintyRH #23 - 1987
In etwas das gleiche, was auch schon bei Tankard zutraf, kann man auf KREATOR be...
KREATOR - Flag Of HateRH #18 - 1986
Alle KREATOR-Fans können aufatmen. Eure Gruppe ist nicht kommerzieller geworden...
KREATOR - Pleasure To KillRH #16 - 1986
Hardcore-Fans dürfen aufatmen. Mit "Pleasure To Kill" könnt ihr wied...
KREATOR - Endless PainRH #12 - 1985
Deutschland ist wieder um eine Speed-Band reicher! Was KREATOR (ehemals Tormento...
MORBID ANGEL - Altars Of Madness1989
Überdrüber-Perfektionist Trey Azagthoth zog die eigentliche Debüt-Scheibe der...
KREATOR - Extreme Aggression1989
Nachdem ein gewisser Roy Rowland den musikalisch superben Vorgänger „Terrible...