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KISSIN' DYNAMITE, MARKK 13, SKAPA FLÖW

Lünen, Lükaz

KISSIN' DYNAMITE

Kreischalarm in Lünen: Normalerweise ist der Anteil der XY-Chromosomträger, im Volksmund auch Männer genannt, bei schwermetallischen Bühnendarbietungen der deutlich größere. Ganz anders, daran hat sich bis heute nichts geändert, bei Konzerten der Marke Hairspray-Metal. Da die Glamrocker momentan wie die Pilze aus dem Boden schießen und sich im beschaulichen Lünen gleich drei Sleaze-Combos die Ehre geben, tragen die Herren der Schöpfung ihre Ohrstöpsel heute doppelt gern.

SKAPA FLÖWSKAPA FLÖW aus dem Ruhrgebiet sehen zum Teil so jung aus als wären sie in den Achtzigern noch gar nicht aus dem Ei geschlüpft – allen voran Sänger Bobby. Der Spielfreude des Fünfers tut das allerdings keinen Abbruch. Im Gegenteil: Vor lauter Elan treten sich die Jungs auf der engen Bühne beim Posen fast gegenseitig auf die Füße. Perfekt durchdacht sind die SKAPA FLÖW-Songs zwar noch nicht, das gleicht die Truppe aber durch ihren Enthusiasmus wieder aus. Ganz großes Kino: Die Cover-Version des Mötley-Crüe-Klassikers 'Live Wire'. Beim Schreiben ihrer Nummer 'Defloration Situation' haben die Jung-Sleazer aber offenbar ein wenig zu oft Steel Panthers 'Eyes Of The Panther' gehört. Sei's drum – ein gelungener Auftakt, der vom Publikum nicht nur mit Höflichkeitsapplaus honoriert wird.

Ein ganz anderes Kaliber sind da schon die Bühnen-Nachfolger MARKK 13. Die Dortmunder um Front-Poser und Namensgeber Markk haben nicht nur einige Jahre, sondern auch etliche Shows mehr auf dem Buckel, obendrein in Sachen Professionalität einen großen Sprung nach oben gemacht, und teilen sich nicht zum ersten Mal mit den Headlinern KISSIN' DYNAMITE die Bühne. Dementsprechend beliebt sind die Heavy-Glammer auch bei den Zuschauern. Wie in ihren Songtexten geht es offenbar auch im Privatleben der Ruhrpott-Rocker drunter und drüber: „[Bassist] Jimmy hat sich das Bein gebrochen, mir hat man das Herz gebrochen“, verrät Markk mit einer gesunden Portion Selbstironie. Die muss man auch haben, wenn man einen Song bei vollem Bewusstsein 'Fire Desire' nennt. Respekt dafür! Musikalisch punkten MARKK 13 mit eingängigen Uptempo-Nummern, starkem Gesang und vor allem den Fingerfertigkeiten ihres Gitarristen Rocco Wiersch, der auf seinem Sechssaiter ein wahres Klangfeuerwerk abfackelt. Zudem wird natürlich gepost, dass die Bühne wackelt. Vor ein kleines Rätselraten dürfte das Quartett die Lükaz-Besucher mit ihrer Nummer 'Girls Gone Wild' gestellt haben: MARKK 13Während der Titel wie eine Kreuzung aus bekannten Gassenhauern von Skid Rows 'Youth Gone Wild' und Mötley Crües 'Girls Girls Girls' klingt, erinnert der Refrain auffallend an den Bon-Jovi-Klassiker 'Raise Your Hands'. Zum Abschied bekommt das Publikum mit dem Poison-Track 'Talk Dirty To Me' dann aber noch einen richtigen Coversong serviert, und entlässt MARKK 13 mit tosendem Beifall von den Lükaz-Brettern.

Beim derart gut angeheizten Publikum haben die Spätzle-Sleazer KISSIN DYNAMITE leichtes Spiel: Die angereisten Herren im Publikum räumen zu 90 Prozent das Feld und überlassen die ersten Reihen dem lauten Geschlecht, womit die Schwaben geradezu übertrieben klischeelastig begrüßt werden, und den Damen – und Herren natürlich – mit ihrem Opener 'Sleaze Deluxe' schon mal den O-Ton des restlichen Abends vorgeben. Die Truppe um die Braun-Brüder Hannes am Mikro und Ande an der Axt sprüht stärker als jede Dose Haarspray vor Bock auf die Bühnenshow und wartet vom ersten bis zum letzten Song mit einer tighten spielerischen Leistung auf, vor der sich die Kollegen Crüe, W.A.S.P. und Co. manchmal noch eine Scheibe abschneiden könnten. Ihren Mitmach-Kurs „Posen für Fortgeschrittene“ untermalen KISSIN' DYNAMITE mit einem einladenden All You Can Sleaze, wobei sie sich verstärkt auf die letzten beiden Platten „Money, Sex & Power“ und „Addicted To Metal“ konzentrieren. Natürlich darf die inoffizielle Bandhymne 'Steel Of Swabia', inklusive enthusiastisch geschwenkter Württemberg-Flagge, im Programm nicht fehlen – genauso wenig wie die spektakuläre Scorpions-Tribute-Pyramide nach 'Operation Supernova' oder Hannes' schicke royale Verkleidung während seiner schauspielerischen Glanzleistung zu 'I Will Be King'. Neues gibt es während der Show der Hairmetaller nicht allzu viel – dafür funktioniert das altbewährte Programm aber auch einfach zu gut, wie die ausrastenden Gäste des brechend vollen Lükaz eindrucksvoll unterstreichen. Eine gelungene Überraschung zaubern KISSIN' DYNAMITE allerdings doch aus dem Ärmel: RAGE-Drummer André Hilgers entert im fliegenden Wechsel für Andi Schnitzer die Bretter und zerstört bei der Nummer 'Supersonic Killer' die süddeutschen Trommelfelle. Nach satten drei Zugaben und mehr als 90 Minuten Spielzeit lassen die inzwischen leicht heiseren ZuschauerInnen die klatschnassen, aber offenbar überglücklichen Musiker nur unter Protest von der Bühne ziehen – aber man sieht sich ja schließlich immer zweimal im Leben.

KISSIN' DYNAMITE

 

Setlist Kissin' Dynamite

Sleaze Deluxe
Sex Is War
Ego-Shooter
Metal Nation
Out In The Rain
She's A Killer
Addicted To Metal
Love Me Hate Me
Welcome To The Jungle
Supersonic Killer
I Will Be King
Operation Supernova
---------
Hysteria
Steel Of Swabia
Money, Sex & Power

 

Pics: Alexandra Michels

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

POWERWOLF + KISSIN' DYNAMITE + DAWN OF DISEASE11.11.2017OsnabrückHyde Park Tickets
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